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Ratsherr schiebt Ermittlungen gegen dubiosen Professor Kupfer an

Nachhilfe für den Staatsanwalt

Rodenberg (rwe). Die Staatsanwaltschaft Bückeburg hat im Fall um den neugierigen Professor Siegfried Kupfer die Fährte aufgenommen. Die Behörde prüft nun, ob sich der selbsternannte Korruptionsjäger des Titelmissbrauchs strafbar gemacht hat. Der dubiose Wirtschaftsprüfer hatte den Rodenberger CDU-Ratsherrn Volker Dahle Ende August zum Verletzen der Verschwiegenheitspflicht anstiften wollen. Der Politiker erstattete Anzeige und musste den Staatsanwalt erst auf die im Telekommunikationsgesetz verankerte Speicherpflicht hinweisen, damit dieser das Verfahren nicht einstellte.

Um einen Spruch ist der Rodenberger Volker Dahle nie verlegen. "Man muss nicht alles wissen. Man muss nur wissen, wo es steht." Entsprechend hat der CDU-Politiker der Staatsanwaltschaft in Bückeburg ein wenig Nachhilfe gegeben. Im von Dahle angestrengten Verfahren gegen den selbsternannten Professor wollte die Behörde nämlich das Verfahren einstellen. Wie berichtet, hatte ein "Prof. Dr. Siegfried Kupfer" per E-Mail den Ratsherrn um vertrauliche Informationen gebeten. Angeblich wollte er im Auftrag des Steuerzahlerbundes prüfen, ob bei der Vermietung von städtischen Räumen an die Firma Euroflansch ein Korruptionsverdacht bestehen könnte. Erst nach Recherchen Dahles räumte der angebliche Wirtschaftsprüfer ein, dass er unter einem Pseudonym arbeite und eine Aufklärung dank Dahles Nachfragen nicht mehr möglich sei. Der Name in der E-Mail-Adresse siegfried-kupfer@web.de entpuppte sich als Finte. Doch für Dahle ist die Anfrage weder ein dummer Streich noch ein Kavaliersdelikt. Da seine nur intern bekannte Internetadresse genutzt wurde, hegt er den starken Verdacht, dass der Absender aus dem politischen Umfeld der Stadt Rodenberg kommt. Daher gebe es ein öffentliches Interesse, diesen Fall aufzuklären. Dahle schaltete die Staatsanwaltschaft ein und war mit deren Antwort gar nicht zufrieden. Denn die wollte das Verfahren einstellen, da sich die wahre Person nicht ermitteln lasse. Die Anmeldung der E-Mail-Adresse sei unter Verwendung falscher Daten erfolgt. Weitergehende Ermittlungen bei der WEB.DE GmbH als Anbieter hielt der Staatsanwalt für nicht möglich, da die Internetprotokoll-Adresse, kurz IP, des von Kupfer benutzten Computers nur drei bis sieben Tage gespeichert würden, so die Begründung. Mit dieser gab sich Dahle nicht zufrieden. Er schlug nach im Telekommunikationsgesetz und wurde unter Paragraph 113a fündig. Danach müssen Anbieter von Internetzugangsdiensten die Daten sechs Monate speichern. Der CDU-Ratsherr intervenierte und erhielt die Zusage des Staatsanwaltes, der die IP-Adresse über WEB.DE ermitteln will und so vielleicht doch noch an die wahren Identität des dubiosen Professors kommt. Das Unternehmen hatte der Presse gegenüber schon vor Wochen erklärt, dass es diese Daten speichert, aber nur bei Bedarf an staatliche Stellen weitergibt. "Wir fassen nach", sagt Klaus-Jochen Schmidt, Sprecher der Staatsanwaltschaft. Er verteidigt den anfänglichen Entschluss seines Kollegen, das Verfahren einzustellen. Viele Netzbetreiber hätten technische Probleme, alle Daten für sechs Monate zu speichern, so Schmidt. Vor allem kleinere Anbieter bräuchten noch Zeit, um sich auf die gesetzlichen Vorgaben einzustellen. Grundsätzlich sollte lautSchmidt jeder Nutzer daran denken: "Handy und Internet sind Einfallstore in die Privatsphäre."

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