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Frühere Lenze-Beschäftigte wechselten in Transfergesellschaft – und haben teilweise wieder einen Job

Nach Stellenabbau: Rückkehr ins Berufsleben

Aerzen/Emmerthal (cb). Mehr als die Hälfte der Mitarbeiter, die bei den Lenze-Gesellschaften im vergangenen Jahr in Hameln und Groß Berkel ihre Stelle verloren haben und die in eine Transfergesellschaft gewechselt sind, haben bereits wieder einen Arbeitsplatz gefunden. Diese Zahl nannte Klaus Geisler vom Phönix Beratungsverbund mit Sitz in Minden, der in Emmerthal die Transfergesellschaft gegründet hat. Sowohl Betriebsrat als auch das Unternehmen Lenze selbst sprechen von einem guten Ergebnis.

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Aerzen/Emmerthal (cb). Mehr als die Hälfte der Mitarbeiter, die bei den Lenze-Gesellschaften im vergangenen Jahr in Hameln und Groß Berkel ihre Stelle verloren haben und die in eine Transfergesellschaft gewechselt sind, haben bereits wieder einen Arbeitsplatz gefunden. Diese Zahl nannte Klaus Geisler vom Phönix Beratungsverbund mit Sitz in Minden, der in Emmerthal die Transfergesellschaft gegründet hat. Sowohl Betriebsrat als auch das Unternehmen Lenze selbst sprechen von einem guten Ergebnis. Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite hatten sich im vergangenen Sommer auf ein Sozialplanpaket geeinigt, das unter anderem die Gründung einer Transfergesellschaft sowie Ausgleichszahlungen für die betroffenen Mitarbeiter vorsah, nachdem sich die Betriebsräte zuvor nicht mit ihrem Ziel der Beschäftigungssicherung hatten durchsetzen können. Weltweit wollte Lenze als Folge der Wirtschafts- und Finanzkrise 600 Stellen abbauen, darunter 300 in Deutschland.

In Groß Berkel und Hameln waren 134 Mitarbeiter davon betroffen. 115 von ihnen waren ab September bei der Transfergesellschaft angestellt und galten somit offiziell nicht als arbeitslos. Laut Phönix sind von den 115 Frauen und Männern 69 wieder in ein neues Arbeitsverhältnis gewechselt. In Bösingfeld unterhält die Transfergesellschaft ein weiteres Beratungsbüro für einen Großteil der 87 Entlassenen am lippischen Lenze-Standort Extertal.

Die Emmerthaler Niederlassung von Phönix unterstützt die Mitarbeiter bei der Vermittlung auf dem Arbeitsmarkt und bietet Qualifizierungsmaßnahmen an. Die Mitarbeiter werden bis zu zwölf Monate betreut und erhalten Transferkurzarbeitergeld. Sechs Monate lang stockte Lenze dieses auf und zahlte zudem allen Betroffenen eine Abfindung. Klaus Geisler: „Wir stellen den Mitarbeitern ein Leistungspaket zur Verfügung, das sie befähigen soll, mit uns gemeinsam die berufliche Neuorientierung und die Suche nach einem Arbeitsplatz zu organisieren.“

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„Wir haben gute Erfahrungen gesammelt“, sagt Dirk Brockmann, Vorsitzender des Lenze-Konzernbetriebsrates. Zwar erinnerte er daran, dass es sich nur um eine Minimallösung gehandelt habe, da Kündigungen eigentlich hätten vermieden werden sollen. „Wenn wir die Mitarbeiter aber schon nicht halten konnten, so war es für uns wichtig, dass sie sich für den ersten Arbeitsmarkt qualifizieren können“, berichtet Brockmann. Betriebsräte und Arbeitgeberseite hätten sich deshalb auf die Transfergesellschaft geeinigt. „Und man muss schon so fair sein und sagen, dass sie von Lenze finanziell gut ausgestattet worden ist“, fügt der Betriebsrat hinzu. Natürlich sei es für Mitarbeiter aus der Produktion im Gegensatz beispielsweise zu Ingenieuren schwieriger gewesen, wieder die Schulbank zu drücken. „Insgesamt hat die Transfergesellschaft einen guten Job gemacht“, lobt Brockmann – vom Beratungsgespräch bis zur Vermittlung. Sie habe teilweise bessere Kontakte zu Firmen als die Arbeitsagentur. „Wir wollen aber nicht verschweigen, dass einige zwar durch die Transfergesellschaft aufgefangen worden sind, aber immer noch nicht wissen, wie es weitergeht“, meint Brockmann. „Dahinter stehen Schicksale.“ Besonders freut ihn, dass wegen der besseren Auftragslage einige frühere Mitarbeiter inzwischen wieder bei Lenze beschäftigt seien. Sie seien teils befristet, aber auch unbefristet eingestellt worden, so der Arbeitnehmervertreter.

Ralf Klemme, verantwortlich für den Bereich Personal bei der Lenze-Gruppe, bestätigte ebenfalls, dass einige von ihnen wieder im Unternehmen arbeiten, ohne aber genaue Zahlen nennen zu wollen. Die Wiedereinstellung begründete er mit zusätzlichen Aufträgen, wobei das Unternehmen aber weiter vorsichtig an die Personalplanung herangehe, so Klemme. Er würdigte ebenfalls die Arbeit der Transfergesellschaft. Zwar habe Lenze Stellen abbauen müssen, doch gleichzeitig einen Beitrag geleistet, die Betroffenen für den ersten Arbeitsmarkt zu qualifizieren. Klemme weiter: „Es ist ein gutes Instrument, um soziale Härten abzumildern.“

Dass es nicht selbstverständlich ist, eine Transfergesellschaft zu gründen, weiß auch Phönix-Mitarbeiter Bernd Fahl aus eigener Erfahrung. Er war früher Betriebsratsvorsitzender eines Unternehmens mit 130 Mitarbeitern im Ostwestfälischen, das Ende 2007 geschlossen worden ist. „Eine Transfergesellschaft bedeutet auch eine Wertschätzung der Mitarbeiter, die gehen müssen“, sagt Fahl, der diese selbst nicht erlebt hat und nun Frauen und Männer wieder auf das Berufsleben vorbereitet. Das Emmerthaler Beratungsbüro nimmt sich zunächst viel Zeit, die Basis für den späteren Bewerbungsprozess zu schaffen. Und dabei gehe es bei weitem nicht nur darum, bei Bewerbungsschreiben zu helfen und -training anzubieten, sagt Fahl. Gerade bei Lenze habe es sich oft um langjährige Mitarbeiter gehandelt, die immer auf ein sicheres Beschäftigungsverhältnis vertraut und ihre Zukunft darauf ausgerichtet hätten. „Da geht es auch um Existenzängste“, weiß Fahl. Im Vordergrund stünden aber besonders Situationsanalysen oder ein berufsbezogenes Persönlichkeitsprofil. Dann gilt es Fragen zu klären, wie sich die Frauen und Männer – ob Facharbeiter, Ingenieure oder Kollegen aus der Fertigung – auf den ersten Arbeitsmarkt vorbereiten: Wird eine Weiterqualifizierung angestrebt oder gar eine berufliche Neuausrichtung? Die Bandbreite bei den ehemaligen Lenze-Beschäftigten ist groß: Einige wechseln nun in soziale Berufe, andere wählten den klassischen Weg, um sich durch Kurse für neue Aufgaben zu qualifizieren, zwei wagten sogar den Schritt in die Selbstständigkeit. „Und das ist nicht ungewöhnlich“, sagt Bernd Fahl unter Hinweis auf das hochqualifizierte Personal.

Zwar geben sich Bernd Fahl und Klaus Geisler zurückhaltend mit Hinweisen auf Vermittlungsquoten. Dennoch hebt der Phönix-Beratungsverbund selbst die Vorteile von Transfermaßnahmen hervor: Nach eigenen Angaben haben bislang über 23 000 Mitarbeiter dessen Angebote genutzt – mehr als zwei Drittel von ihnen hätten eine neue Beschäftigung gefunden.

Wegen der Finanz- und Wirtschaftskrise plante Lenze im vergangenen Jahr, 600 Stellen weltweit abzubauen. Allein in Groß Berkel und Hameln waren 134 Mitarbeiter davon betroffen. Viele wechselten in die Transfergesellschaft, über die Klaus Geisler (re.) und Bernd Fahl informieren.

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