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Taxi-Fahrer entging knapp dem Tod / Ex-Häftling sitzt in U-Haft / Wer war sein Komplize ?

Nach elf Jahren: Blutspurüberführt Gewalttäter

Hameln (ube). Den 26. Juli 1997 wird Günter D. (Name geändert) wohl niemals vergessen können - in den frühen Morgenstunden dieses Tages war er dem Tod sehr nahe. Allein der ärztlichen Kunst ist es zu verdanken, dass der heute 40 Jahre alte Familienvater aus Hameln noch lebt. Als Taxifahrer war D. von zwei Männern überfallen und niedergestochen. Einer der Verbrecher konnte jetzt gefasst werden - nach mehr als einem Jahrzehnt. Ein Tropfen Blut ist ihm zum Verhängnis geworden.

Tatort Basbergstraße in Hameln: Günter D. war gestern noch einma

Wissenschaftler des Landeskriminalamtes hatten Ende 2007 die Gen-Merkmale einer Speichelprobe des mehrfach Verurteilten in die polizeiliche DNA-Datenbank eingestellt und mit genetischen Fingerabdrücken, die bei noch ungelösten Kriminalfällen gesichert worden waren, verglichen. Volltreffer! Die beim Überfall auf den Taxifahrer gesicherten Abdrücke stimmten mit denen des 37-Jährigen überein, der in den neunziger Jahren in Hameln wohnte. Carsten Schierholz, Ermittler beim Zentralen Kriminaldienst Hameln, bekam die Akten auf den Tisch. Schnell fand der Polizeioberkommissar heraus, wo sich der Gesuchte aufhielt: "Er saß in der Justizvollzugsanstalt Lingen", sagt Schierholz. Am 16. Januar 2004 war der Mann - wie es gestelzt im Juristendeutsch heißt - "wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen unter Herbeiführen der Gefahr des Todes" zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten verurteilt worden. Der Berufsverbrecher war allerdings bereits auf Freigang. Das Haftende 20. März 2008 vor Augen wälzte Schierholz alte Unterlagen, befragte pensionierte Kollegen als Zeugen und das Opfer von einst. Ziel war es, das ehemalige Umfeld des Tatverdächtigen aufzuhellen. Die Frage, die sich nach wie vor stellt: "Wer zählte 1997 zum Freundeskreis des Messerstechers?" Der 37-Jährige sitzt inzwischen wieder hinter Gittern. Dort muss er auf seinen Prozess warten. Bislang hat er noch nicht verraten, wer sein Komplize war. Günter D. hatte schon gar nicht mehr daran geglaubt, dass der Angriff auf ihn noch einmal aufgeklärt würde. An den Tattag erinnert er sich noch ganz genau: "Es war ein sehr schöner Sommerabend, kurz nach Mitternacht. Ich saß in meinem Taxi, wartete am Hauptbahnhof auf Gäste. Über Funk meldetesich die Zentrale. Ein Wagen wurde an der Bushaltestelle Basbergstraße benötigt. Ich bin hingefahren." Zwei junge Männer warteten an der Telefonzelle. Was Günter D. nicht wusste: Sie waren schwer bewaffnet, wollten den Taxi-Fahrer ausrauben. Die angeblichen Fahrgäste nahmen auf der Rückbank Platz. "Plötzlich spürte ich ein Messer an meinem Hals. Der Mann, der hinter dem Beifahrersitz saß, hielt es mir andie Kehle: ,Mach keinen Mist! Fahr nicht los! Gib' das Geld her!'". Günter D. geriet in Panik. Er wollte das Messer von seiner Kehle weg haben. Deshalb packte er die Hand des Täters, entriss ihm das lange Brotmesser und stach damit nach hinten. D. muss den Täter an einer Hand oder im Gesicht verletzt haben. "Ich wollte die Verbrecher auf diese Weise auf Distanz halten", sagt er. Die Räuber ergriffen die Flucht. Der Taxi-Fahrer wollte zu Fuß die Verfolgung aufnehmen. "Aber nach ein paar Schritten bekam ich keine Luft mehr. Erst in diesem Moment sah ich, dass mein T-Shirt voll mit Blut war." Die Messerklinge war seitlich zehn Zentimeter tief in D.s Oberkörper eingedrungen, hatte seine Lunge durchbohrt - er schwebte in Lebensgefahr. Eine Notoperation rettete ihn.

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