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Freispruch für Mann, der Drogensüchtiger nicht geholfen haben soll

Nach einerÜberdosis Heroin Herzstillstand und Wiederbelebung

Bückeburg (ly). Den Gerichtstermin hat sie vergessen oder ignoriert. Polizisten haben die 43-Jährige gebracht. Nun kann sie kaum ruhig auf dem Stuhl sitzen, ihr Oberkörper wiegt hin und her. "Gestern bin ich aus dem Krankenhaus geflüchtet", sagt die seit Jahren drogenkranke Zeugin. "Und jetzt bin ich total dicht." Total dicht - an einem Abend Ende Juli dieses Jahres war dieser Zustand weit überschritten. Nach einer Überdosis Heroin hatte die Bückeburgerin einen Herz- und Kreislaufstillstand. Sie musste wiederbelebt werden und kam ins Krankenhaus, wo zudem ein Blutalkoholwert von 2,5 Promille festgestellt wurde.

Wie es dazu gekommen ist, blieb vor dem Amtsgericht ungeklärt. Einen zwischenzeitlich in anderer Sache inhaftierten Bückeburger (26), angeklagt wegen Beibringung von Betäubungsmitteln und Aussetzung, musste Richter Armin Böhm freisprechen. Vorgeworfen worden war dem Mann (19 Vorstrafen), der Frau in deren Wohnung Heroin gespritzt und das daraufhin blau angelaufene Opfer zurückgelassen zu haben. Von "Aussetzung" sprechen Juristen, wenn jemand einen anderen Menschen in eine hilflose Lage versetzt oder in dieser Situation im Stich lässt, wodurch das Opfer der Gefahr des Todes oder schweren Gesundheitsschäden ausgesetzt wird. Die Frau selbst entlastete den ebenfalls drogensüchtigen Angeklagten, mit dem sie früher schon zusammen Heroin konsumiert hatte. Ob der Mann ihr die Spritze gesetzt habe? "Nicht, dass ich wüsste", erklärte sie. Stattdessen soll es im Badezimmer zum Sex gekommen sein. "Bist wohl zu feige zu sagen, dass du mit mir ge... hast", meinte die Bückeburgerin in Richtung der Anklagebank. Im Gegensatz zu ihr hatte der Angeklagte zugegeben, gemeinsam mit der Wohnungsinhaberin im Bad Rauschgift genommen zu haben, jeder für sich allerdings. Jedoch will er der Frau weder die Spritze gesetzt noch dieser nicht geholfen haben. "Ich habe sie auf das Sofa gezogen", erzählte er. "Sie atmete und sah von der Gesichtsfarbe normal aus." Der damalige Freund der 43-Jährigen, der an jenem Abend ebenfalls zugegen war, hat das anders in Erinnerung: "Er hat ihr nicht geholfen und ist gegangen." Der Angeklagte erklärte, er sei von dem anderen Mann vertrieben worden. Aus Sicht der Staatsanwaltschaft war vom Freund "sichere Hilfe zu erwarten", was auch geschah. DerNotarzt kam. Von den Vorwürfen rückte die Staatsanwältin am Ende ab und beantragte Freispruch. "Dem kann ich mich nur anschließen", sagte Verteidiger Oliver Keller. Vorm Verlassen des Saales machte die Bückeburgerin einen kleinen Umweg, nahm den überraschten Mann auf der Anklagebank in den Arm und küsste ihn. Dann wankte sie hinaus.

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