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Der Frühling fördert Bücher zutage, über die der Winter seinen Mantel deckte

Nach der Bluternte ist genug Zeit für einen tödlichen Hamburger

Bücher sind geduldig. Leser sind es nicht. Mit dem Frühjahr wächst die Lust an der Spannung zwischen Liebe, Horror, Krimi und wahren Geschichten. In der aufblühenden Jahreszeit – meteorologisch betrachtet ist ja seit Dienstag, 1. März, Frühling – tun sich neue Horizonte auf für Menschen, die nicht nur Zeilen, sondern zwischen den Zeilen lesen. Es gilt das geschriebene Wort und alles, was es beflügelt. Ist der Kaffee fertig? Dann kann’s ja losgehen…

Der Frühling bringt nicht nur Frühlingsgefühle, sondern macht auch mehr Lust aufs Lesen – vielleicht sogar schon bald drau
Jens Meyer

Autor

Jens Meyer Leiter Redaktion PR- und Sonderthemen zur Autorenseite

Dass die folgenden Buchtipps mit einem Rockstar beginnen und nicht mit einem Schriftsteller, mag gewöhnungsbedürftig anmuten, doch AC/DC-Sänger Brian Johnson hat mit „Rock auf der Überholspur“ (I. P. Verlag Jeske/Mader) etwas zu Papier gebracht, was ganz und gar nicht einer spitzen Feder und geschliffenen Worten zuzuordnen ist. Genau darin liegt aber die Stärke dieser automobilen Autobiografie. Handwerklich schlecht gemacht, na und? Johnson ist Rockstar, kein Schriftsteller. Sex, Drugs, Rock’n’Roll und röhrende Motoren. Das eigene Leben und Wirken an den Autos zu orientieren, die man fährt oder gefahren hat, ist so bescheuert wie genial einfach gemacht und nicht zuletzt zum Kaputtlachen. Nur eben nix für Poeten, fürwahr.

Das ist das Werk „Tödliche Hamburger“ (Verlag Hirzel) auch nicht. Hans-Ulrich Grimm hat es geschrieben, weil die Globalisierung unsere Nahrung und damit unsere Gesundheit bedroht. Wer glaubt, dies sei völlig übertrieben, der irrt. Oder hat sich irgendjemand da draußen in der unheilvollen Welt jemals darüber Gedanken gemacht, was in einem Null-Acht-Fünfzehn-Hamburger enthalten ist? Hätte man es getan, es würde ganz sicher gar keine Hamburger geben.

Nichts Gutes verheißt auch „Die Bibliothek der Schatten“ (Verlag Page & Turner). Der Thriller von Mikkel Birkegaard wurde nach seinem Erscheinen in Dänemark zum Bestseller. Es geht um die Macht der Bücher und um Menschen, die diese Macht nutzen, um die Welt zu verändern. Dumm nur, dass nicht alle Menschen gute Menschen sind… Die dänische Tageszeitung Dagbladet urteilt: „Dieses Buch verdient viele Leser.“ Stimmt. Elisabeth George muss sich darum längst keine Gedanken mehr machen. Der seit Dezember erhältliche Roman „Wer dem Tode geweiht“ (Verlag Blanvalet) steht zurecht ganz oben in der Beststellerliste, weil George in diesem 823 Seiten starken Werk sich für detailgenaue Porträts der Protagonisten Zeit nimmt, ohne in Lethargie zu verfallen, nein, Lethargie hat es ohnehin noch nie in einem George-Roman gegeben. Dieser hier basiert auf einem authentischen Fall aus dem Jahre 1993, bei dem zwei zehnjährige Jungen in Liverpool den dreijährigen James Bulger entführten und grausam zu Tode quälten. Gut recherchiert, raffiniert geschrieben, an Spannung kaum zu überbieten. Obwohl Sharon Boltons „Bluternte“ (Verlag Manhattan) nah an einen Spannungsbogen der Marke George heranreicht. Es geht um die Familie Fletcher. Die wollte eigentlich in einem idyllischen Dorf irgendwo in England ein ruhiges Leben führen. Doch alles, was dann folgt, ist ein Albtraum, der mit rätselhaften Stimmen auf dem Friedhof des Dorfes beginnt und einen rätselhaften Killer auf die Reise schickt. Vorsicht: Wer dieses Buch gelesen hat, wird nie wieder Urlaub in England machen wollen. Und noch so ein Hammer: „Der Sog“ (Blanvalet Verlag) von Stephen M. Irvin reicht an Stephen King’sche Spannungsbögen heran. Inhalt: Vor 30 Jahren wurde Tristam in den Wäldern am Rande der Stadt ermordet. Noch immer ragen die Wipfel der Bäume drohend hervor. Ein neuer, grausamer Mord geschieht, wieder dort draußen. Den Ermittler Nick zieht es wie eine dunkle Macht in die dunkle Mitte des Grüns, wo er ein schreckliches Geheimnis entdeckt…

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Du liebe Güte, jetzt nicht bloß noch so ein Horror. Nein, jetzt müssen „Bernie & Chet“ (Verlag Penhaligon) her. Autor Spencer Quinn hat ein quirliges Buch veröffentlicht über einen Antihelden mit Spürnase und sein Herrchen, den lässigen Privatdetektiv Bernie. Beide sind dem Mädchen Madison auf der Spur, das von ihrer Mutter als vermisst gemeldet worden ist. Chet scharwenzelt bei der Aufklärung des Falls von einem Fettnäpfchen ins nächste. – Ein hinreißender Hundekrimi; keine der 352 Seiten ist langweilig. Kein Wunder, dass dieses Buch es in die New-York-Times-Bestsellerliste geschafft hat.

Verdient hätte das auch „Garou – ein Schafthriller“ (Verlag Goldmann). Der Roman von Leonie Swann ist zwar schon ein halbes Jahr auf dem Markt, kommt aber bei vielen erst jetzt so richtig in Fahrt. Hier ist es eben kein Hund, sondern es sind Schafe aus Glennkill, die den Winter in Frankreich verbringen und dort auf ein Schaf treffen, das ungeschoren ist, in Rätseln spricht, und dann soll dort noch ein Werwolf umherziehen. – Eine Herde Schafe als Ermittler: süß, spannend, ununterbrochen originell. Wie gut können Bücher sein?

Und wenn hier schon die Rede ist von tierischen Helden, dann darf Jessica Grants „Die erstaunlichen Talente der Audrey Flowers“ (Verlag Manhattan) nicht fehlen, obwohl dieses Buch weit über Tierisches hinausreicht. Regel Nummer 1 für Schildkrötenbesitzer lautet nämlich, eine Schildkröte niemals für tot zu halten, nur weil sie sich nicht bewegt. In diesem Buch, das noch ganz andere erstaunliche Begegnungen zutage fördert, lesen die Schildkröten sogar Shakespeare…

Bleiben noch die wahren Frühlingsgefühle. Sie stecken in einem Gedicht – oder gleich in 50 Werken unterschiedlicher Poeten: „Laß den liebes-lüsten freyen zügel“ lautet das Motto des Bandes „50 erotische Gedichte“ (Verlag Reclam). Falls man mal keine freie Zeit für ’nen dicken Wälzer hat, nimmt man sich einfach ein paar Augenblicke für: die Liebe!

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