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Nach dem Amoklauf Besorgnis auch im Weserbergland

Weserbergland (mafi). Nach dem Amoklauf in der baden-württembergischen Kleinstadt Winnenden sind auch Lehrer, Eltern und Schüler im Weserbergland besorgt. „Kann uns das auch passieren?“  – diese Frage stand gestern im Zentrum vieler Gespräche in den Schulen.


 

Aus der Katastrophe in Winnenden zieht Dieter Haberstroh eine zentrale Erkenntnis: „Wir müssen als Gesellschaft offener sein für psychologische Aspekte. Wenn sich jemand komisch verhält, sollte das Problem sofort angesprochen und Unterstützung angeboten werden“, rät der Diplom-Psychologe vom Kinder- und Jugendpsychologischen Dienst des Landkreises Hameln-Pyrmont. 350 Familien kommen pro Jahr neu in die von Haberstroh und seinem Team angebotene kostenlose Beratung. „Es ist keine Schande, sich Hilfe zu holen“, sagt der Experte. In Krisensituationen seien auch Ärzte, das Jugendamt, die Psychiatrie in Hildesheim oder die Polizei Ansprechpartner, die Unterstützung vermitteln können. Der Bedarf an Beratung wächst, beobachtet Haberstroh. „Die Erziehungsunsicherheit der Eltern wird immer größer.“ Er führt dies unter anderem auf eine „steigende Überforderung in der Schule“ zurück. Der Leistungsdruck – gerade auch durch die Eltern – herrsche jetzt sogar schon in der Grundschule. Risikofaktoren seien etwa auch Scheidungssituationen und Alkoholmissbrauch in der Familie. „Je früher man bei Auffälligkeiten junger Menschen ansetzt, umso einfacher ist es zu helfen“, weiß Haberstroh. Er bedauert in diesem Zusammenhang, dass das Land Niedersachsen den Schulpsychologischen Dienst ausgedünnt hat. Dort gibt es für Betroffene Wartezeiten von einem halben Jahr. 

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