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Zwölf Mitarbeiter verlieren ihre Jobs / Betrieb wird liquidiert

Nach 46 Jahren ist Schluss: Das Aus für den „ergi“-Verlag

Bad Münder (jhr). Sie hatten bis zuletzt gehofft – doch gestern war endgültig Schluss: Die Mitarbeiter des Günter Ergenzinger Verlages an der Langen Straße wurden gekündigt, kamen gestern zum letzten Mal an ihren Arbeitsplatz. Der Betrieb wird aufgelöst.

Wird liquidiert: der „ergi“-Verlag.

Zwölf Mitarbeiter sind von der „ergi“-Insolvenz direkt betroffen, lange Zeit hatten sie um ihre Jobs gebangt – schließlich hatte Knut Thomas Hofheinz, der vom Amtsgericht Hameln bestellte vorläufige Insolvenzverwalter, noch im Februar Mut gemacht: „Unser Ziel ist es, den Betrieb zu sanieren“, hatte er angekündigt. Gestern erläuterte Hofheinz auf NDZ-Nachfrage die Probleme, die eine Weiterführung des Verlages mit dem Schwerpunkt „Werbung für Wirtschaft und Verkehr“ unmöglich machten. „Zunächst sah es so aus, als ob wir Interessenten für ergi finden könnten. Sechs oder sieben interessierte Fachverlage, beispielsweise in München oder Münster, gab es“, erklärte der Insolvenzverwalter.

Dass der Interessentenkreis nicht größer war, führt Hofheinz auch auf die sehr speziellen Produkte des münderschen Verlages zurück: Unter anderem wurden Servicemappen für landwirtschaftliche Betriebe produziert, Brunstkalender für Schweine oder Rinder, außerdem ein „Jahrbuch für Haus und Familie“. „Das Internet stellt für Verlage dieser Art eine enorme Konkurrenz dar“, weiß Hofheinz inzwischen. Als problematisch habe sich schließlich auch die innere Struktur des seit 46 Jahren bestehenden Verlages erwiesen. „In Teilen war sie in den 70er Jahren stecken geblieben – das wurde in den Verhandlungen dann schwierig“, sagt Hofheinz. Zumindest ungewöhnlich für den Insolvenzverwalter auch, dass der Unternehmer im Alter von 82 Jahren noch im Betrieb die Fäden in der Hand hielt.

Betroffen sind von der Insolvenz nicht nur der Firmenchef des Einzelunternehmens und seine Mitarbeiter, auch einige mündersche Unternehmer versuchten die drohende Insolvenz durch eigenes finanzielles Engagement abzuwenden – letztlich ohne Erfolg. Das relativ schnelle Ende des Verlages trotz der Unterstützung erscheint einem ehemaligen Geschäftspartner allerdings so „merkwürdig“, dass er die Einleitung rechtlicher Schritte gegen den Firmenchef und eine Mitarbeiterin prüfen lassen will.

Der Insolvenzverwalter wird in den kommenden Tagen mit der Liquidation des Betriebes beginnen. Zur verwertbaren Masse gehören unter anderem zwei Immobilien.

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