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Eheleute Maack geben Familienunternehmen aus Altersgründen auf / Mode-Geschäft zieht im Herbst ein

Nach 124 Jahren: Brandmann schließt Ende Juli

Rinteln (crs). Es ist ein Schritt, der Günther und Brigitte Maack nicht leicht fällt. Im 124. Jahr der Firmengeschichte geben die Eheleute das in vierter Generation geführte Familienunternehmen "Textiles Wohnen Brandmann" aus Altersgründen zum Monatsende auf. Seit gestern läuft der Ausverkauf der Lagerware - so wird Platz geschaffenfür den neuen Pächter, ein Mode-Fachgeschäft, das nach umfangreichen Umbauarbeiten voraussichtlich Ende September hier seine Pforten öffnet.

Mit der Brandmann GmbH verschwindet Rintelnsältestes Fachgeschäft von der Bildfläche. Zwei Weltkriege hat das 1882 von Friedrich Brandmann gegründete Unternehmen überstanden, die Weltwirtschaftskrise und die Inflation. Auch heute laufen die Geschäfte mit Wohnstoffen, Teppichböden und Tapeten gut: "Einen wirtschaftlichen Grund für dieSchließung gibt es nicht", betont Günther Maack, "wir haben gut zu tun, auch im Außendienst." In den letzten Jahren verzeichnete der Urenkel des Firmengründers hohe Zuwachsraten, nicht zuletzt durch die Fußgängerzone: "Es kommen deutlich mehr Kunden von außerhalb, aus Minden, Hameln oder Lemgo." Doch gerade die Fußgängerzone war es, die eine Suche nach möglichen Nachfolgern von vornherein als wenig aussichtsreich erscheinen ließ. Die fehlende Zufahrtsmöglichkeit zum Firmensitz in der Weserstraße macht den Betrieb für einen jungen Pächter auf lange Sicht unrentabel - denn Kerngeschäft ist nicht der Verkauf im Ladenlokal, sondern die Umsetzung textiler Wohnideen beim Kunden. "Und dafür muss man mit dem Lieferwagen auch tagsüber an den Laden rankommen", erläutert Maack. Sohn Michael arbeitet in Leipzig und steht als Nachfolger ebenfalls nicht zur Verfügung. Und so haben sich die Maacks entschlossen, den Traditionsbetrieb aufzugeben. Auch wenn nächstes Jahr das 125-jährige Bestehen zu feiern gewesen wäre - der Zeitpunkt für den Abschied scheint günstig. Denn es gibt einen Interessenten aus der Textilbranche, der die 120 Quadratmeter Verkaufsfläche ohne zwischenzeitliche Vakanz übernimmt. Wer das sein wird, da hält Maack sich vorerst noch bedeckt. Nur so viel verrät er: "Es wird ein renommiertes Mode-Unternehmen sein, kein Billigladen." Die Maacks selber freuen sich "mit zusammen 134 Jahren" auf mehr Freizeit. Eine so enge Verbundenheit mit dem Unternehmen bedeutet viel, viel Arbeit; einige Jahre gab es, in denen die Eheleute gar keinen Urlaub gemacht haben. Jetzt wollen sie sich mehr Zeit nehmen für Enkelin Pia (15), für Fahrten ins familieneigene Ferienhaus in Flandern und natürlich weiterhin fürs Gemeinwohl: Der leidenschaftliche Kommunalpolitiker Günther Maack (CDU) kandidiert im September wieder für Ortsrat, Stadtrat und Kreistag. Ein bisschen weh tut es schon, den Ausverkauf des eigenen Ladens mitanzusehen, das mag Maack nicht verhehlen. Doch auch schöne Momente gibt es in diesen Tagen: Von einer Kundin haben die Eheleute Blumen geschenkt bekommen, zum Abschied. Da musste er schmunzeln: "Die gibt es sonst doch nur zur Neueröffnung..."

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