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Ortsgruppe kritisiert Biogas-Anlagen / Großmann: „Ehrenamtliche können nicht alles übernehmen“

Nabu: Mais-Anbau erhöht den Flächendruck

Bad Münder (hzs). Nicht nur aus Sicht des Vertreters der Stadt, Harald Meyer-Achilles, ist die ehrenamtliche Landschaftspflege durch die Mitglieder des Nabu Deister-Sünteltal unentbehrlich. „Pflegen und pflanzen Sie weiter“, sagte auch Ratsherr Gerhard Fiedler von den Grünen zu den 18 zur Jahresversammlung erschienenen Mitgliedern der derzeit 427 Personen starken Naturschutzorganisation.

Jens Becker (Vize-Vorsitzender, v.l.), Matthias Großmann (Vorsitzender) und Heinz Osterkamp (Kassenwart).  Foto: hzs

„Die Hamel ist jetzt wieder ökologisch durchgängig“, stellte deren zweiter Vorsitzender Jens Becker fest, doch würden Schwebstoffeintrag und Verschlammung durch fehlende Abstände zum intensiven Maisanbau ständig verstärkt. „Wir brauchen einen Schutzkorridor für das Gewässer“, forderte Becker.

Die derzeitige Anbaupraxis konterkariere alle bislang erfolgreichen Bemühungen um eine Wasserqualität, in der sogar Lachse und Flussmuscheln durchaus wieder heimisch werden könnten.

Auch der Nabu-Vorsitzende Matthias Großmann kritisierte den durch Biogas-Anlagen bewirkten massiven Maisanbau, der zu einem „immensen Flächenverbrauch“ sowie zu „Erosion und Flächendruck“ führe. „Photovoltaik auf den Flächen dagegen bringt zehnmal mehr Energie und verschmutzt die Umwelt nicht durch Stickstoffeinträge“, ergänzte Becker.

Mastställe, gleich ob für Huhn oder Schwein, seien rechtlich wohl kaum zu verhindern, so Großmann, daher müsse die Abschaffung des „Privilegierungsparagrafen“ auf Landesebene gefordert werden. Ohnehin sei eine grundlegend andere Landwirtschaftspolitik vonnöten, betonte auch Grünen-Ratsherr Helmut Burdorf. Noch sei den hiesigen Bauern nicht klar, dass sie in einer künftigen Agrarindustrie keine Rolle mehr spielen würden. „Die bäuerliche Landwirtschaft wird zugunsten großer Agrarkonzerne verschwinden“, warnte Burdorf, der eine „neue Haltung der Landes-Grünen zum Thema Biogas“ ankündigte.

Mit einem „erst die Pflicht, dann die Kür“ umriss Meyer-Achilles die überaus eingeschränkten Unterstützungsmöglichkeiten des Nabu durch die Stadt. Bei Heckenschnitt und Grünlandpflege sei der Nabu unersetzlich. Auch weiterhin werde die Stadt daher die Schnittgutentsorgung übernehmen. Leider habe man die Pläne zum Schutzstatus der Rodenberger Aue nicht weiter verfolgt. Meyer-Achilles: „Das wäre ein gutes, gemeinsames Ziel.“

Auch Großmann hob die positive Zusammenarbeit mit der Stadt hervor, gab jedoch zu bedenken, dass „ehrenamtliche Arbeit nicht alles ersetzen“ könne. Angesichts der umweltpolitischen Themen blieb die Nabu-Namensänderung nur eine Formalität. Künftig firmieren die Münderaner Naturschützer unter „Nabu Gruppe Bad Münder“.

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