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"Nachtausgabe": Wolfgang und Thomas Kohlhaußens Weihnachtsauftritt fehlt ein wenig Esprit

Musikalisch-literarische Bescherung ohne Biss

Bückeburg (dis). "Morgen Kinder, wird´s nichts geben! Nur wer hat, kriegt noch geschenkt. Mutter schenkte euch das Leben. Das genügt, wenn man´s bedenkt. Einmal kommt auch eure Zeit. Morgen ist´s noch nicht so weit." Diese bitterbösen Zeilen schrieb kein Geringerer als Erich Kästner. "Weihnachtslied, chemisch gereinigt" nannte er seinen Abgesang auf adventliche Gefühlsduselei. Mit der hatte Wolfgang Kohlhaußen bei der "Nacht- ausgabe" der Volksbank in Schaumburger und unserer Zeitung am Dienstagabend in der dicht besetzten Schalterhalle des Kreditinstitutes

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ebenfalls nicht viel am Hut. Allerdings wirkte Kohlhaußens individuell gestaltetes Repertoire diesmal etwas blass. Der ehemalige künstlerische Leiter der erfolgreichen "Nachtausgaben"-Reihe ließ nur wenig des von ihm gewohnten Bisses durchschimmern, und auch seine berühmten kritisch-lustigen Kommentare zur aktuellen Politik in der Weihnachtszeit vermissten "Kohlhaußen- Kenner" gewiss. Kurz gesagt: Dem in den vergangenen Jahren so breit gefächerten, vor Geistesblitzen und hinterlistiger Besinnlichkeit sprühendem Programm fehlten diesmal jenes Esprit-Genre und jene Vielseitigkeit, die den Ex-Hamelner sonst ausgezeichnet haben. Noch dazu war vor der Pause ein bisschen Pech im Spiel: Des Meisters wohlklingende und klare Stimme konnte von den Hörern in den hinteren Reihen kaum vernommen werden. Das wurde im zweiten Teil mit Mikrophon aber deutlich besser. Jedoch blieb der ein bisschenüberstrapaziert anmutende sympathische Violinist seiner bewährten Mischung in den Grundzügen treu und bot heitere sowie nachdenkliche Texte statt platter Sentimentalität - am Ende, bei der makabren "Seligsprechung" sogar wieder mit gewohnter Verve. Geschichten der etwas anderen Art von dem zitierten Kästner, der Kaleko, Kishon oder Thoma riefen ebenfalls ein Schmunzeln hervor, besonders aber der makaber- lustige Berichtüber ein schottisches Weihnachtsfest, wo alles abbrannte und nur 150 frisch gerupfte Puter im Rotweinbad übrig blieben. Eingebettet wurden die sprachlichen Darbietungen mit Geige-Klavier-Parts, für die Wolfgang Kohlhaußen und dessen Pianisten-Bruder Thomas verantwortlich zeichneten. Man lauschte Schostakowitschs Prélude, Gavotte, Elegie und der flotten Polka sowie manch anderem - mitunter an Kaffeehausmusik erinnernden - Ohrwurm.

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