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Bernd S. in Lindhorster Neonazi-Wohnung gemeldet / Auch Anklage wegen Körperverletzung

Mordverdächtiger gehört zur rechten Szene

Rinteln (wer). Bernd S., der Tatverdächtige im Mordfall Pagacz-Znoj, steht den Schaumburger Rechtsradikalen nahe. Das bestätigte gestern der Leitende Oberstaatsanwalt Thomas Pfleiderer auf Anfrage unserer Zeitung. Von einem ausländerfeindlichen Motiv für den Mord an der gebürtigen Polin im November 2000 geht die Staatsanwaltschaft indes nicht aus.

Bernd S. war bis vor seiner Verhaftung vor einem Monat in der Lindhorster Wohnung von Arwid S. gemeldet, einem ehemaligen Aktivposten der Schaumburger Neonazis, der derzeit eine Haftstrafe verbüßt. Auch in den Akten der Bückeburger Staatsanwaltschaft taucht der gelernte Koch und gescheiterte Bankräuber an der Seite von Arwid S. auf, die Ermittler prüfen den Verdacht eines gemeinschaftlichen Diebstahls. Darüber hinaus läuft gegen Bernd S. ein Ermittlungsverfahren wegen Bedrohung. Und es liegt beim Amtsgericht Stadthagen eine Anklage der Staatsanwaltschaft wegen Körperverletzung vor: Der Rintelner soll voriges Jahr in Haste einen Punker geschlagen haben. All diese möglichen Delikte fallen in die Zeit nach seiner Haft, die er für die beiden Sparkassen-Überfälle in Eisbergen und Rehren abgesessen hat. Im Januar 2002 hatte ihn das Landgericht Bückeburg zu sieben Jahren und neun Monaten verurteilt, nach zwei Dritteln der Haftzeit kam er frei. Am 10. März wurde S. in einem Bückeburger Kaufhaus festgenommen. Ein automatischer DNA-Abgleich hatte die genetischen Spuren des fast acht Jahre zurückliegenden Mordes an Krystyna Pagacz-Znoj dem heute 30-Jährigen zugeordnet (wir berichteten). Auch der Überfall auf eine damals 58-jährige Frau aus Eisbergen im September 2001 wird ihm zugerechnet. Die Staatsanwaltschaft hat nach dem DNA-Abgleich ein Gutachten in Auftrag gegeben, um den Befund abzusichern. Der Verdächtige selbst schweigt zu den Vorwürfen nach Angaben der Ermittlungsbehörde weiter beharrlich. Offenbar hat S. nach Ende seiner Haftzeit schnell Kontakt zur rechten Szene in Schaumburg gefunden. Unklar ist, ob es diese Verbindung schon zum Zeitpunkt des Mordfalls Pagacz-Znoj im Jahr 2000 gegeben hat. Für einen politischen Hintergrund der Tat fehlt den Ermittlern aber jedes Indiz. Die gerichtsmedizinische Untersuchung hatte damals ergeben, dass die gebürtige Polin zwei Tage vor dem Auffinden der Leiche einem Sexualverbrechen zum Opfer gefallen war.

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