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Fall Lucas hat weitreichende Folgen: Polizei ermittelt und NFV-Satzung wird geändert

Morddrohung gegen den Jugendstaffelleiter

Haste (tes). Kreisfußballverband, ETSV-Trainer und Jugendleiter sowie die Mutter des schwerbehinderten Torwarts Lucas (9) haben sich in der Gaststätte "Waldfrieden" erstmals an einen Tisch gesetzt und Lösungen für die Zukunft gesucht. Fest steht schon jetzt: Die NFV-Jugendordnung zur Regelung der Altersklassen wird geändert, die Kommunikation verbessert und anonymen Drohbriefen die rote Karte gezeigt. Denn Jugendstaffelleiter Peter Krebs hatte eine "Morddrohung" im Briefkasten. Wenn er sich noch mal auf dem Platz sehen lasse, sei er ein toter Mann, zitierte der Jugendausschussvorsitzende des Kreisfußballverbandes, Wilhelm Dieterich. "Das geht zu weit", war Lucas Mutter Diana Büschel entsetzt: "Krebs hat sich doch bereits entschuldigt."

"Die Polizei Stadthagen ermittelt und wird sicher bald bei einigen Leuten auftauchen und nachfragen", berichtete Dieterich von Spekulationen, wonach der Autor des Drohbriefs in den Reihen des ETSV zu suchen ist: "Der Absender muss bei diesem Spiel dabei gewesen sein, diese Infos kann nur ein Elternteil oder Betreuer gehabt haben." Axel Bergmann von der Polizei Stadthagen bestätigte auf Anfrage, dass eine Anzeige vorliegt: "Wir ermitteln wegen des Straftatbestandes der Bedrohung." Im Moment werde der Brief in Augenschein genommen, um Hinweise auf den Täter zu bekommen. Vorbehaltlich weiterer Erkenntnisse sagte er zur Einschätzung der Gefährdungspotenzials: "Es ist ein sehr emotionaler Brief. Da Lucas wieder spielen darf, könnte der Dampf jetzt raus sein". Dennoch nehme die Polizei die Bedrohung Ernst. Der Kreisfußballverbands-Vorsitzende Marco Vankann stellte sich hinter seinen Jugendstaffelleiter: "Krebs hat zu diesem Zeitpunkt richtig gehandelt, und ich stehe voll hinter ihm." Alle Beteiligten sollten "mal drüber nachdenken, was diese Drohung für Folgen für die ehrenamtliche Arbeit hat". Der Ausschluss des jungen Torwarts mitten im Spiel sei pädagogisch sicher nicht sinnvoll gewesen, aber "Morddrohungen sind völlig indiskutabel", bestätigte Dieterich. "Fakt ist, wir wollen dem Jungen ermöglichen, Fußball zu spielen", schilderte Vankann die Sicht des Kreisfußballverbandes. Eine "falsche Interpretation der Satzung" räumte er ein: "Rechtlich gibt es aber kein Problem, die Entscheidung zurück zu nehmen." Nach erneuter Prüfung sei festgestellt worden, "dass doch eine deutliche Beeinträchtigung vorliegt", so Dieterich weiter. Allerdings sei Lucas ist nicht der einzige Fall: "14 Anträge sind in Schaumburg genehmigt worden - von Jugendlichen, die aufgrund eines ärztlichen Attests in einer jüngeren Altersklasse spielen wollen." Angesichts dessen habe der Kreisfußballverband gedacht: "Das müssen wir reduzieren." Die Schwierigkeit sei: "Wo soll die Grenze gezogen werden, ab wann ist ein Spieler behindert?" Wenig nachvollziehbar für Büschel: "Lucas hat einen Schwerbehindertenausweis mit 80 Prozent." Für dieses Jahr ist für Lucas alles geregelt. Danach soll der "Wischiwaschi"-Paragraph 4 zur Regelung der Altersklassen neu gefasst werden, erklärte Vankann den Ablauf: "Der Kreisverband wird einen Entwurf an den Verbandsbeirat schicken, die geänderte Version kann dann zu Beginn des neuen Spieljahres 07/08 in Kraft treten". Zudem sei ein völlig neuer Spielplan nötig, berichtete Dieterich von dem Arbeitsaufwand, die F1 des ETSV wieder in die zweite Kreisklasse hochzustufen. "Aber es geht um mehr, sagte Dieterich, wie wichtig ist die Meisterschaft und was steht im Vordergrund: Integration oder Sport?" "Es geht nur um Integration", sprang ETSV-Trainer Matthias Tatge auf. "Nur deshalb haben wir gegen Regeln verstoßen - und ich hatte Albträume davon." Dass Peter Krebs jetzt ebenso leide, tue ihm Leid.

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