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Göttinger Symphoniker und Hornist Stefan Dohr zaubern im Schloss schillernde Kleinode

Mit Raritäten gespicktes Mozart-Programm

Bückeburg. Ein von Raritäten gespicktes Finale der Musiksaison des Kulturvereins haben die Göttinger Symphoniker den vielen Zuhörern im mit prachtvollen Blumenarrangements geschmückten Festsaal des Schlosses durch Klänge zum Thema "Mozart und das Fragment" beschert.

Christoph Mueller dirigiert in sich stimmige, homogene "Göttinge

Autor:

Dietlind Beinßen

Das Programm und die einführenden Worte des Hausherrn, Fürst Alexander zu Schaumburg-Lippe, verdeutlichten, dass Mozart seine Schöpfungen fast ausschließlich im Auftrag und für bevorstehende Aufführungen schuf. Klappte solch ein Anlass nicht, beließ es der Komponist zumeist bei Fragmenten. Vier von diesen, mitunter durch andere Meister vervollständigten Stücken stellten der wendige Dirigent Christoph Mueller und dessen in sich stimmiges, homogenes Ensemble vor. Zu einem schillernden Kleinod entwickelte sich eingangs die Ouvertüre zur opera buffa in zwei Akten, "Lo sposo deluso ossia", KV 430, aus dem Jahr 1783, der sich drei unbekannte Parts für Horn anschlossen, für deren ideale Umsetzung der Solohornist der Berliner Philharmoniker, Stefan Dohr, gewonnen werden konnte. Virtuos spürte Dohr zuerst die melodischen Linien der Ecksätze Allegro und Rondeau:Allegro aus dem Es-Dur-Konzert, KV 370 b und KV 371, von 1781 auf, um sich danach auf betörende Art dem hier energischen, dort weich fließendem Kopfsatz des E-Dur-Konzertes, KV 494 a, zu widmen. Das folgende D- Dur-Werk, KV 412, KV 514, mit dem heiter-beschwingten Allegro und dem Rondo:Allegro ist besonders herauszuheben, denn das Rondo:Allegro wurde gleich in drei interessanten Fassungen dargestellt: in der jäh endenden Mozarts, in dem "Versuch" eines Musikwissenschaftlers und in der vollständigen traditionellen Version des Mozart-Schülers Süßmayr. Der Hornist nutzte die Gelegenheit zu individueller Gestaltung mit flexiblem, in allen Lagen ausgeglichenen Ton, der auch in der Tiefe trug und mannigfache dynamische Abstufungen ermöglichte. Darüber hinaus stimmte das Verständnis zwischen Solisten und Orchester, das zu jeder Sekunde dieselbe Wellenlänge in der Auffassung offenbarte und schlackenloses, wohlproportioniertes Mozart-Spiel offerierte, bei dem Streicherbrillanz nicht fehlte. Den Abschluss bildete die erst im kurzen End-Presto Lebensfreude ausstrahlende, sonst von der traurigen Stimmung des zu dieser Zeit entstandenen "Don Giovanni" geprägte "Prager"-Symphonie, D-Dur, KV 504. Von Christoph Mueller ebenso sensibel wie lebhaft angeregt, boten die "Göttinger" eine farbig- differenzierte, formbewusste Leistung. Die melodischen Linien des Adagio-Allegro wurden gut ausgeformt, und das Andante geriet schwebend, vornehm, aber dennoch schwelgerisch. Zudem fächerte Mueller den Bläser- und Streicherklang so geschickt auf, dass keine Szene beliebig dahin huschte. Stürmischer Applaus und als die Gemüter "abkühlende" Zugabe ein "kleiner, zarter Marsch" aus der Oper "Idomeneo".

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