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Annemarie Rein-Piepho überlässt dem Museum eine Mappe mit Zeichnungen aus dem Sünteltal

Mit Kohle und Stift gegen das Vergessen

Bad Münder (jhr). Bleistift. Pinsel. Feder. Kohle. Ein kritischer Blick auf die Heimat und das Auge einer Künstlerin: Annemarie Rein-Piepho ist eine Institution. Gerade feierte sie ihren 91. Geburtstag – und verteilte aus diesem Anlass Geschenke. Das Museum Bad Münder erhielt jetzt von der Künstlerin eine Mappe mit Zeichnungen und Aquarellen mit Motiven aus der Region zwischen Deister- und Süntel.

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„Ich male niemals etwas, das nicht auch schön ist“, hat sich Rein-Piepho selbst als Motto gesetzt. Und so ist es die Schönheit der Landschaft mit Bäumen und Gebäuden, die die Bilder und Zeichnungen der Künstlerin so reizvoll machen – insbesondere aber der Blick der 91-Jährigen für Details. „Das, was wir heute mit Maßband, Fotopapier und Kamera machen, hat Frau Rein-Piepho mit ihren künstlerischen Fähigkeiten gemacht“, erklärt Museumschef Michael Meier. Sie setzte sich von vielen anderen Künstlern ab, weil sie sich gerade mit Details, kleinsten Gegenständen, auseinandersetze, dabei Typisches und Charakteristisches erfasse. Volkskundliche Aspekte lassen sich aus den Arbeiten ebenso ableiten wie wirtschaftsgeschichtliche Aspekte. „In jeder Hinsicht ganz wertvolle Bilder“, urteilt Meier. „Die Mutter der Backhäuser und Klohäuschen“, schmunzelt die Künstlerin. Denn gerade diese kleineren Nebengebäude sind heutzutage kaum noch in den Orten auszumachen – sehr wohl aber in den Arbeiten Rein-Piephos.

Die Liebe zum Detail, zur „Heimatkunde mit dem Zeichenstift“, wie es in einer Laudatio einmal hieß, reicht bei der gebürtigen Bremerin weit zurück. Ihr Vater Karl Piepho, in Bad Münder als bedeutender Regionalhistoriker geschätzt, legte mit seiner Chronik der Stadt Bad Münder den Grundstein für die Arbeit vieler Historiker und Heimatforscher. Annemarie Rein-Piepho war von 1942 bis 1950 am Zoologischen Institut in Göttingen als technische Assistentin und wissenschaftliche Zeichnerin beschäftigt, musste „von Berufs wegen“ gang genau hinschauen und zeichnen. Eine Eigenschaft, die sie sich erhalten hat: Mit ruhiger Hand hat sie Fachwerk-Details, Landschaftsmerkmale, Ortsansichten künstlerisch vor dem Vergessen gerettet – für das Museum Bad Münder ist die jetzt überreichte „Sünteltal-Mappe“ Rein-Piephos ein echter Schatz.

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