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Stabsunteroffizier Martin Struckmeier wieder daheim / WM als Abwechslung

Mit der Bundeswehr: Arbeitseinsatz bei 60 Grad im fernen Afghanistan

Krainhagen. Als Urlaubsziel hätte sich der 27-jährige Stabsunteroffizier Martin Struckmeier aus Krainhagen Afghanistan sicherlich nicht ausgewählt. Da gibt es schönere und vor allem sichere Flecken auf der Erde. Aber er kennt auch soldatische Pflichten und war deshalb bereit zu einem mehrmonatigen Auslandseinsatz - zusammen mit weiteren Kameraden aus dem Mindener Pionierbataillon. Jetzt ist er unverletzt und gesund wieder in die Heimat zurückgekehrt.

"Zusätzliche Lebenserfahrung": Martin Struckmeier. Foto: sig

Autor:

Siegfried Klein

Dort wurde er von seiner Familie, seiner Freundin und den Mitgliedern des einstigen Krainhäger Puddingrotts herzlich empfangen. "Die Auswahl der Truppenangehörigen erfolgte entsprechend den beruflichen Anforderungen vor Ort", erklärt Martin Struckmeier. Er ist von Beruf Zimmermann und wurde in Minden speziell für den Bau von schwimmenden Brücken ausgebildet. Der 250 000 Einwohner zählende Ort Mazar-E-Sharif, westlich von Kundus gelegen, wurde zur Garnison des Krainhägers. Die Unterbringung erfolgte in einem Lager, das 500 Meter entfernt war vom Flughafen, auf dem die Transall-Maschinen aus Richtung Usbekistan landen. "Wir haben dort schon einen Raketenangriff erlebt, aber das Geschoss schlug etwa 700 Meter von uns entfernt auf und detonierte nicht", erinnerte sich der Stabsunteroffizier. Aufpassen müsse man in diesem Land ohnehin. Da liegen noch Panzerminen und Tretminen aus jener Zeit, als die russische Armeehier kämpfte. Der Krainhäger bekam einer Kipper zugewiesen, mit dem er sieben Tonnen Erde, Schotter, Sand oder andere Lasten transportieren konnte. "Wir haben zunächst im Lagerbereich Hilfsstraßen angelegt und Bodenaushub beseitigt." Dabei blieb es nicht. Seine Einheit hat Brunnen gebaut, die Rollbahn erweitert und Fundamente für Wohncontainer sowie Gehwege gegossen. Außerdem wurden auf Seecontainern Schalungen für Wachtürme angefertigt. Die Wetterbedingungen waren schweißtreibend. Zwischen 40 und 50 Grad im Schatten gehörten tagsüber zur Normalität. Gelegentlich zeigte das Thermometer auch mal 60 Grad an. Auszuhalten war das nur, weil die Luftfeuchtigkeit deutlich niedriger ist als in der meisten Zeit in der Heimat. An mehr als sechs kurze Regenschauer kann sich Martin Struckmeier in diesem Zeitraum nicht erinnern. Kontakt mit der Heimat gab es fast täglich - entweder per E-Mail oder Telefon. Nicole Herhold, die Freundin des Krainhägers, war während der ganzen Zeit seiner Abwesenheit beunruhigt, weil sie in den Nachrichten auch immer wieder von Angriffen der Taliban auf Standorte der UNO-Truppen gehört hatte. Sie atmete deshalb ebenso erleichtert wie die Eltern des Stabsunteroffiziers auf, als er wieder in der Heimat gelandet war. "Mein erster Auslandseinsatz war ein Stück zusätzlicher Lebenserfahrung, die ich nicht missen möchte", sagt Martin Struckmeier. Gearbeitet wurde während des Afghanistan-Aufenthaltes sieben Tage lang hintereinander. Lediglich am Freitag war bereits um 13 Uhr Dienstschluss. Zu den erfreulichen Abwechslungen gehörten die WM-Spiele der deutschen Fußballer. Da wurde kräftig mitgefiebert. "Viel Zeit für Heimweh hatte man bei den anstehenden Aufgaben nicht", unterstreicht Martin Struckmeier. An der Verpflegung sei nichts auszusetzen gewesen. Abends nach dem Dienst gab es durchaus auch mal Bier oder Wein. Die Nahrungsmittel wurden aus der Heimat eingeflogen. Gefürchtet wurde während des Auslandsaufenthaltes die Sandfliege. Ihre Stiche hätten zu starken Entzündungen und weniger schönen Narben geführt, die nur sehr langsam ausheilten, berichtet der Krainhäger. Er ist offensichtlich auch in dieser Hinsicht gut über die Runden gekommen. Über die Bevölkerung im Bereich von Mazar-E-Sharif hatte Martin Struckmeier nichts Schlechtes zu berichten. Sie seien sehr gastfreundlich und durchaus aufgeschlossen.

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