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Die Welt zu Hause in Schaumburg: Serie zur Fußball-WM / Cecil Reyes ist der einzige Trinbagonier im gesamten Landkreis

Mit Carib-Bier im Fußball-Rausch: Trinidad und Tobago

Landkreis. Cecil Reyes ist sich sicher: Trinidad und Tobago wird Platz 2 in der Gruppe B belegen. Auch wenn dort solche Hochkaräter wie England und Schweden spielen. Und freut sich: "Dann geht es hoffentlich gegen Deutschland und ich werde auf dem Sofa sitzen und meine Fahne für Deutschland schwenken und meine Frau die für Trinidad."

Schwarz-rot-weißes Lebensgefühl: Cecil Reyes hofft, dass es sein
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Raimund Cremers Redakteur zur Autorenseite

Cecil Reyes (50) ist der einzige Trinbagonier im gesamten Landkreis. Und dass er genauso wie seine beiden karibischen Heimatinseln vom Fußballfieber übermannt ist, ist schon an der Wohnungstür unübersehbar. Im schwarz-rot-weißen Nationaltrikot öffnet er die Tür. Der Aufdruck "I am a Soca Warrior - We going Germany" (Ich bin ein Soca-Krieger - wir gehen nach Deutschland) zeigt den Stolz, der Cecil Reyes, aber auch die gesamte Nation erfasst hat, als sich "T & T" im November vergangenen Jahres im Spiel gegen Bahrein erstmals für eine Weltmeisterschaft qualifizierte. Damit schrieb das Land gleich zweimal Fußballgeschichte: Das kleinste Land (5000 Quadratkilometer), das sich jemals qualifizierte, und das mit den wenigsten Einwohnern (1,3 Millionen, davon 45 000 Tobagonier). Soca istübrigens die Fusion der Musikrichtungen Soul und Calypso, ein allgegenwärtiger Sound auf den Inseln. Die beiden ohnehin feierfreudigen Karibikinseln kurz vor der Küste Venezuelas verfielen am besagten 16. November in einen kollektiven Rausch. Das Parlament unterbrach seine Sitzung, Premierminister Patrick Manning verordnete für den nächsten Tag einen Feiertag, in schwarz-rot-weiß empfing eine ganze Nation ihre Fußballhelden in der Hauptstadt Port of Spain. Noch heute ist schwarz-rot-weiß die dominierende Farbe im Straßenbild, am liebsten würden alle in Deutschland dabei sein. Cecil Reyes verfolgte das Fest im Fernsehen zu Hause in seiner Wohnung in Bad Eilsen; sah seine Tochter, wie sie jubelnd das unvermeidliche Carib-Bier in die Kamera hielt. Gerne wäre der gebürtige Trinidader dabei gewesen. Aber das will er jetzt in Deutschland nachholen: In die WM-Städte fahren und sich dort bei den Spielen seiner Mannschaft vor den Großbildleinwänden mit seinen Freunden treffen. Karten für die Spiele hat er nicht bekommen. "Gerade Tobago hat sehr viele Freunde in Deutschland, die schon bei uns zu Besuch waren. Ich bin mir sicher, dass sie uns unterstützen werden", hofft Cecil Reyes. "Unsere Mannschaft wird von Steelbands und Soca-Musikern begleitet. Wir werden in und vor den Stadien einen großen Karneval feiern." Das wird "A big lime", ein unübersetzbarer Ausdruck karibischen Lebensstils, ist sich der sechsfache Vater sicher, den es 2002 der Liebe samt anschließender Heirat wegen ins Schaumburger Land zog. Fußball ist jetzt eindeutig die Sportart Nr. 1 in Trinidad& Tobago. Zwar gibt es nur eine kleine unbedeutende Liga auf Trinidad, wie Cecil Reyes erzählt. Aber dennoch hat das Land Fußballer hevorgebracht, die sich in der Welt einen Namen gemacht haben. Dwight Yorke, Ex-Stürmerstar von ManU, der mit den Engländern 1999 gegen den FC Bayern das Champions-League Finale gewann, nennt natürlich auch Cecil Reyes an erster Stelle - auf Tobago waren sie fast Nachbarn. Reyes arbeitete in seinem kleinen Kunstgewerbeladen in Crown Point, dem touristischen Zentrum. Yorke "The Boss" wuchs im Nachbarort Canaan auf und ging in Bon Accord zur Schule. "Ich kenne ihn, seine Familie, seinen Onkel und seine Geschwister, bin in ihren Häusern gewesen." Ein Fußballstadion nahe Tobagos Inselhauptstadt Scarborough, errichtet für die U-19 WM, trägt schon zu Yorkes aktiven Zeiten den Namen des wohl berühmtesten Insulaners. Für T & T ist die Teilnahme an der WM "a great blessing", ein großer Segen, schätzt Cecil Reyes den Stellenwert der Qualifikation ein. Durch Erdölvorkommen gehört T & T zu den reicheren Karibik-Nationen, dennoch leben viele Menschen an der Armutsgrenze oder sogar darunter. "Wir sind eine unbekannte Nation, wir stellen uns der Welt vor. Ich hoffe, dass wir in der ganzen Welt bekannt werden und viele Menschen uns besuchen kommen."

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