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Was aus Hamelns erstem Jahrtausendbaby geworden ist / „Sie geht die Dinge mit Power an“

Millenniumskind Sina liebt das Singen

Hameln. Ein Mädchen mit dunkelbraunen Haaren und modischem Longshirt öffnet die Tür: „Die Zeitung ist da!“, ruft Sina Schünemann der Mutter in der Stube zu. Sina ist etwas aufgeregt, setzt sich an den Esstisch und nestelt an den vielen Armreifen herum, dass es nur so klimpert. Ein keckes Lächeln blitzt über ihrem Gesicht auf und lässt den rosaroten Gloss auf ihren Lippen glitzern – klar, Sina Schünemann hat ja auch allen Grund zur Freude: Sie ist Hamelns „Millenniumskind“, das erste Kind, das am 1. Januar 2000 im Kreiskrankenhaus geboren wurde.

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Autor:

Alda Maria Grüter

Hameln. Ein Mädchen mit dunkelbraunen Haaren und modischem Longshirt öffnet die Tür: „Die Zeitung ist da!“, ruft Sina Schünemann der Mutter in der Stube zu. Sina ist etwas aufgeregt, setzt sich an den Esstisch und nestelt an den vielen Armreifen herum, dass es nur so klimpert. Ein keckes Lächeln blitzt über ihrem Gesicht auf und lässt den rosaroten Gloss auf ihren Lippen glitzern – klar, Sina Schünemann hat ja auch allen Grund zur Freude: Sie ist Hamelns „Millenniumskind“, das erste Kind, das am 1. Januar 2000 im Kreiskrankenhaus geboren wurde. In der ersten Nacht des neuen Jahrtausends um 3.15 Uhr stieß sie ihren ersten Schrei aus. Dabei war alles ganz anders geplant gewesen: „Was heißt geplant – Sina war eigentlich überhaupt nicht geplant“, verrät die Mutter. Nun gut, jedenfalls sollte das dritte Kind von Viola und Ingo Schünemann rein rechnerisch am Heiligen Abend zur Welt kommen. Doch „Christkind Sina“ wartete lieber auf den Morgen des neuen Jahres, des neuen Jahrhunderts und Jahrtausends. „Wir sind dankbar, dass wir ein gesundes Kind haben“, sagt Mutter Viola zehn Jahre danach. Vier Wochen nach der Geburt sei Sina erkrankt. „Es ging um Leben und Tod.“

Glücklicherweise hat sich der Säugling nach einer schweren Operation gut erholt. Das damals 3300 Gramm schwere und 50 Zentimeter große Baby ist nun ein junges Mädchen geworden, das in die Klasse 4a der Basbergschule geht, gerne Pizza, Spaghetti, Milchreis und Omas Puffer isst. Wie ist es denn, das „Millenniumskind“ zu sein? Sina kichert leise, streicht den Pony aus der Stirn, spielt wieder mit den Armreifen, lächelt – und zuckt die Achseln. Schüchtern sei sie überhaupt nicht, versichert daraufhin die Mutter. Ganz im Gegenteil: Flippig und ein bisschen durchgedreht sei ihr Sprössling. Es sei für Sina ein Leichtes, sich gegen ihren 14 Jahre alten Bruder Marcel und ihre 11-jährige Schwester Michelle durchzusetzen. Sina lasse sich nichts gefallen und gehe die Dinge mit Power an. Die Familie habe aber nie großes Gedöns gemacht um den besonderen Geburtstag. Erst als sich die Dewezet jetzt bei ihr ankündigte, da fiel der Groschen. „Daraufhin haben wir alle Berichte, die damals in der Presse erschienen sind, herausgeholt.“

Die Mappe mit den Zeitungsartikeln lag zwar sorgsam aufbewahrt, aber irgendwie doch halbvergessen in der Schublade – erstmals zu lesen bekam sie das Geburtstagskind nun zehn Jahre nach seiner Geburt. Es sei schon ein tolles Gefühl gewesen, zu erfahren, was damals, als sie auf die Welt kam, alles los war, sagt Sina. „Ganz viele Journalisten“ waren nämlich damals im Krankenhaus und machten Fotos von Hamelns „Erstgeborenem im neuen Jahrtausend“.

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Silvester 1999 war zunächst „ganz normal gefeiert“ worden. „Dann kam ich ins Krankenhaus, und ein paar Stunden nach der Geburt gab ich im Schwesternzimmer die ersten Interviews“, erinnert sich die jetzt 37 Jahre alte Millenniumsmama. Von dem Trubel hat Baby Sina natürlich nichts mitbekommen, nun aber ist das Töchterchen selber an der Reihe, interviewt zu werden. Und als die aus ihrer Sicht entscheidende Frage gestellt wird, da platzt der Knoten: Was sie einmal werden will? Wie aus der Pistole geschossen, kommt die Antwort: „Sängerin!“ Nicht nur das Karaokespiel „Sing Star“, sondern sogar ein richtiges Mikrofon habe sie. Dass neben Einradfahren Musik ihr größtes Hobby sei, dass sie auf Rock und Pop stehe, auch gerne Songs von Rosenstolz singe, erzählt sie. Ihr Wunsch: Rosenstolz bei einem Konzert live zu erleben. Ihr Traum: bei der RTL-Castingshow „Supertalent“ aufzutreten. Und wie es aussieht, meint sie es wirklich ernst: „Ich will mich bald da bewerben.“ Sina redet weiter über Hannah Montana – ihr Idol hängt als Poster an allen Wänden ihres Kinderzimmers. Die singt und tanzt, oder? „Ja! Und ich auch!“

Besonders cool findet Sina das Video-Clip-Dancing. Die ersten Tanzschritte habe sie sich selber beigebracht, genau wie das Radfahren übrigens. „Jetzt tanze ich in der Tanzschule“, schildert Sina stolz. Dort soll – nachdem am 1. Januar der Geburtstag zunächst nur in der Großfamilie gefeiert worden war – demnächst auch eine Party mit den besten Freundinnen steigen: „Zehn Mädchen („So alt wie man wird, so viele Gäste darf man einladen“) werden dann gemeinsam tanzen. Keine Jungs dabei? „Nein, keine Jungs.“ Nicht, dass sie etwas gegen Jungen hätte, überhaupt nicht, versichert sie. Aber sehr wohl „etwas gegen zickige Mädchen und Leute, die einen ständig beobachten“.

Sina schmunzelt verlegen: Einen Freund – „aber nur einen“ – habe sie schon. Doch es gebe da noch ein paar andere Jungs, die sie gerne küssen würde. Nur: „Die wollen nicht“, hat sie festgestellt.

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