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Nur sieben Sänger / Durchschnittsalter 70 / Kein Nachwuchs in Sicht

MGV Escher: Auflösung verschoben

Escher (la). Der Männergesangverein (MGV) Escher ist neben dem Kirchenchor der einzige Chor im Auetal. Im vergangenen Jahr hätten die Mitglieder das 80-jährige Bestehen feiern können, aber schon dafür gab es keine Organisatoren. Im März 2006 begannen die Diskussionen um die Auflösung des Vereins. "Ohne Sänger kann man nicht singen!", brachte es Friedhelm Watermann während der Jahresversammlung im Feuerwehrgerätehaus auf den Punkt.

Andreas Tegtmeier

Der Chor besteht aus nur sieben Sängern, die alle den 2. Bass singen. Das Durchschnittsalter der Mitglieder liegt bei 70 Jahren. Den letzten öffentlichen Auftritt hatte der MGV Escher Ende April 2006 in Apelern. Danach wurde das Singen eingestellt, weil die Übungsabende immer wieder mangels Beteiligung ausfallen mussten. Der Verein ruht seitdem, und sogar die Mitgliedsbeiträge wurden nicht mehr kassiert. Zwei Sänger haben sich dem MGV Pohle angeschlossen. Einer von ihnen ist der Vorsitzende des MGV Escher, Hans-Dieter Strehsow. "Ich habe Spaß am Singen und möchte weitermachen", sagte er. Es wurde darüber beratschlagt, ob man den MGV Escher auflösen soll oder ob es Alternativen für den Fortbestand des Vereins und damit einer alten Tradition gibt. "Ich sehe keine Alternativen. Nachwuchs ist nicht zu finden. Zwischen uns und den heutigen Jugendlichen liegen zwei Generationen", stellte Heinz Michalski fest. Außerdem hätten die Jugendlichen heute nur Interesse an Computern, nicht aber am Singen. "Auch in den Schulen wird heute kaum noch gesungen", stellte Gerhard Matthä fest, der den Männerchor Escher seit 1963 leitet. "Die Chöre haben die Modernisierung verpasst. Jüngere Menschen haben keine Lust mitzumachen, weil die Männergesangvereine etwas für ,Alte' sind", sagte Ortsvorsteher Andreas Tegtmeier. Trotzdem müsse das alte Liedgut unbedingt erhalten bleiben. "Moderneres Liedgut könnte jüngere Musikfreunde anlocken", meinte Tegtmeier. "Wir würden uns ja anpassen, aber uns helfen nicht ein oder zwei neue Sänger, sondern es müssten schon einige mehr sein", meinte der Vorsitzende. Mit fünf bis sieben neuen Sängern wäre der MGV Escher wieder singfähig und könnte die Tradition fortsetzen - auch mit moderneren Liedern. Dafür wollen sich die Mitglieder des MGV jetzt einsetzen und Werbung im Bekannten- und Freundeskreis machen. Andreas Tegtmeier ist ihre große Hoffnung dabei. Diskutiert wurde auch die Möglichkeit, den Männergesangverein in einen gemischten Chor umzuwandeln. Matthä sah die einzige Möglichkeit des Fortbestandes darin, den Chor auf das gesamte Auetal auszuweiten und einen zentralen Übungsraum zu finden. Außerdem wollen sich die Mitglieder bei noch funktionierenden Chören erkundigen, wie diese es geschafft haben, Nachwuchs in ihre Reihen zu bekommen. Das Singen im MGV Escher ruht weiterhin, aber die Auflösung des Vereins haben die Mitglieder noch einmal verschoben. "Wir werden noch ein Jahr abwarten", sagte Strehsow. Allerdings wollen sich die Mitglieder jeden ersten Freitag im Monat um 20 Uhr im Feuerwehrgerätehaus zu einem Sängerstammtisch treffen. Dazu sind natürlich alle interessierten Sänger eingeladen. "Vielleicht finden wir so etwas Nachwuchs", hofft Strehsow.

Ein Bild aus besseren Tagen: Der Männergesangverein Escher war f
  • Ein Bild aus besseren Tagen: Der Männergesangverein Escher war früher ein Chor mit über 20 Sängern. Foto: Archiv
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