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Messung in Eimbeckhausen: Lärm durch Motorräder „subjektiv“

EIMBECKHAUSEN. Sie führt hoch zum Deister, durch den Wald und kann mit vielen Kurven aufwarten: Die Landesstraße 401 lockt bereits seit Jahren viele Motorradfahrer an. Doch sie führt als Nienstedter Straße auch durch Eimbeckhausen hindurch – und das führt zu Ärger bei den Anwohnern.

An der Landesstraße bei Eimbeckhausen hat der Landkreis Banner aufgestellt. Viel mehr kann gegen den Lärm nicht getan werden. Foto: Dittrich/Archiv
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Johanna Lindermann Redakteurin zur Autorenseite

„Zeitweise hört man den Lärm schon stark“, bestätigt auch Ortsbürgermeister Bernd Schöbel. „Die Belastung ist nicht immer da, aber am Wochenende vermehrt.“ Erst vor wenigen Tagen seien Motorräder wieder lautstark durch den Ort gefahren. „Manche fahren sogar durch die Nordfeldstraße“, so Schöbel.

Der Landkreis Hameln-Pyrmont und das Straßenverkehrsamt des Landkreises kommen allerdings zu dem Ergebnis: „Bei der Motorradproblematik in Eimbeckhausen handelt es sich um eine subjektiv empfundene Lärmbelästigung.“

Doch von Anfang an: Das Weserbergland sei „durch seine Topografie und kurvenreiche Straßen attraktiv für Fahrten mit dem Motorrad“, sagt Kreissprecherin Sandra Lummitsch. Überwiegend würden sich die Motorradfahrer auch an die geltenden Regeln halten, in Ausnahmefällen werde die Straße allerdings als Rennstrecke missbraucht. Dagegen arbeite das Straßenverkehrsamt des Landkreises bereits seit Jahren, sagt Amtsleiter Andreas Stemme. Ziel seien Maßnahmen zur Regeleinhaltung und die Sensibilisierung der Verkehrsteilnehmer. Für ein Durchfahrtsverbot für Motorräder, wie es von den Eimbeckhäusern gewünscht wird, bestünden jedoch verkehrsrechtlich hohe Anforderungen. „Unsere Prüfung hat ergeben, dass weder die Berechnung der Schallpegel in Anlehnung an die Verkehrslärmschutzordnung noch die Klärung der Frage, ob es sich um eine für eine Landesstraße untypische Verkehrssituation handelt, ein Einschreiten der Behörde rechtfertigen könnte“, sagt Stemme. Grenzwerte der Verkehrslärmschutzverordnung würden nicht erreicht und der überwiegende Teil der Fahrer verhalte sich korrekt.

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Darüber hinaus hat das Straßenverkehrsamt Messungen mit einem eigens beschafften Seitenradarmessgerät durchgeführt. Sie fanden an insgesamt 17 Wochenenden zwischen dem 7. Juli und dem 29. Oktober 2017 statt, jeweils von freitags 0 Uhr bis sonntags 24 Uhr. „Im Ergebnis wurden durchschnittlich zirka 3800 Fahrzeuge je Wochenende durch Eimbeckhausen fahrend in beiden Richtungen erzählt“, berichtet Lummitsch. „Hiervon wurden rund 2,6 Prozent mit 84 Dezibel oder mehr registriert. Mehr als 97 Prozent der Verkehrsteilnehmer“ lagen hingegen darunter „und waren damit unkritisch unterwegs. Zum Vergleich: Die Grenze der Gehörschädlichkeit liegt bei einer dauerhaften Lärmeinwirkung von 85 Dezibel über acht Stunden am Tag“, so die Kreissprecherin.

Das kann auch der Ortsbürgermeister bestätigen: „Es sind tatsächlich nur wenige, die so laut sind“, sagt Schöbel. „Die meisten Fahrer verhalten sich ja richtig.“

Diese Ergebnisse verglich das Straßenverkehrsamt mit der Lärmbelastung an der B 1 in Groß Berkel, der L 424 zwischen Börry und Brockensen sowie in Rühle im Landkreis Holzminden. „Hierbei konnte festgestellt werden, dass der prozentuale Anteil der Fahrzeuge mit einem Lärmpegel von mindestens 84 Dezibel an diesen Messstellen zum Teil deutlich über dem in Eimbeckhausen registrierten liegt“, sagt Lummitsch (siehe Grafik). Diese Ergebnisse ließen den Schluss zu, „dass es sich bei der Motorradproblematik in Eimbeckhausen um eine subjektiv empfundene Lärmbelästigung handelt“. Dem Straßenverkehrsamt sei zwar bewusst, dass die Geräusche durch Motorräder von den Anwohnern als störender wahrgenommen würden, „die erfassten Daten lassen jedoch keine Beschränkung speziell für Motorradfahrer auf der Landesstraße zu“, so Stemme.

Heidi Pomowski, zuständige Dezernatsleiterin des Landkreises, fügt hinzu, der Kreis sei sich im Klaren darüber, dass die Anwohner andere Erwartungen hätten. „Dennoch sind uns, bei allem Verständnis, die Hände gebunden, da wir nur im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben handeln können.“

Es sollen jedoch weiterhin Messungen durch das Seitenradarmessgerät sowie durch den Landkreis und die Polizei erfolgen. Zudem sollen zukünftig wieder gemeinsame Aktionen des Landkreises mit der Polizeiinspektion, dem Polizeikommissariat Bad Münder und der Kontrollgruppe „Krad“ durchgeführt werden. Außerdem wurden in Eimbeckhausen und Nienstedt erneut Banner aufgestellt.

Schöbel allerdings hat Zweifel. Es werde immer viel geredet und nicht wirklich etwas umgesetzt, meint der Ortsbürgermeister. Der gesamte Ortsrat Eimbeckhausen teile die Meinung der Bürger, dass etwas geschehen müsse. „Wir geben nicht auf“, so Schöbel.

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