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Renate Haase und Dr. Hans Niemeyer haben ein Umweltschutzprojekt in Hachmühlen initiiert

Mertensaue – zum Gedenken an die Eltern

Hachmühlen. Viele Hachmühler haben den Anblick noch in Erinnerung: Ein wunderschöner parkartiger Auenwald mit riesigen Pappeln und Weiden im Tal der Hamel nördlich des Fuß- und Radweges zwischen Nordstrasse/Auf der Höhe im Westen und In der Sandkuhle im Osten. Mittendrin drei Teiche, umrandet von Erlen und anderen Laubbäumen. Groß fiel im vergangenen Jahr der Aufschrei aus, als auf dem Gelände mächtige Pappeln gefällt wurden. Warum dies jedoch unbedingt nötig war und was nun auf dem Areal entstehen soll, erklären jetzt die Besitzer.

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Autor:

MIra Colic

„Wer es nicht selbst erlebt hat, macht sich keine Vorstellungen, welche Probleme diese mächtigen Bäume gemacht haben“, sagt Renate Haase, geborene Mertens, die das Grundstück von ihren Eltern geerbt hat. Die Anlieger östlich der Hamel hätten sich immer wieder mit ihren Beschwerden sowohl an sie als auch an Ortsbürgermeister Hartwig Möller gewandt, weil im Frühsommer ausgedehnte Teppiche von weißer Samenwolle der großen Pappeln ihre Gärten und Terrassen bedeckten. Hinzu kam die Sorge, dass die bis zu 30 Meter hohen Bäume irgendwann einmal von einem Orkan über den Fluss und auf das eigene Grundstück geworfen würden. „Nicht ganz zu Unrecht, wie sich nach der Fällung im August 2014 herausgestellt hat“, erklärt ihr Ehemann Hans Niemeyer. „Vier der Bäume waren innen so hohl, dass sich ein ausgewachsener Mensch hineinstellen konnte.“ Zudem sei die Wasserbehörde immer wieder alarmiert gewesen, wenn herabgefallene Totäste den Abfluss der Hamel blockierten.

„Wir mussten einsehen, dass dieser schöne Auenwald unter den gegebenen Umständen nicht mehr zu halten war“, sagt Haase. Vor der Fällung habe ein zweijähriger Schriftwechsel mit Ortsrat, Naturschutz- und Wasserbehörde gestanden, bis der Fällung zugestimmt wurde. Zwar habe die Fläche nach der Aktion wie ein Panzerübungsplatz ausgesehen – „wir mochten kaum hinsehen“, so Haase – aber im Frühjahr habe sich eine bunte Pracht von Wildblumen ausgebreitet, die vorher unter dem Dach des dichten Baumbestandes nur vor sich hin gekümmert hätten.

Mit Unterstützung des Jagdpächters Günther Hönes und der Jägerschaft des Kreises Hameln-Pyrmont hat das Ehepaar, das in Gättingen lebt, bei der Niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung einen Antrag gestellt, ein Umweltschutzprojekt zu fördern. Inzwischen sind die Uferzonen der Teiche entschlammt und ein großer Natursteinhaufen eingerichtet, der als Unterschlupf für Wiesel, Eidechsen und Kröten dient. Zudem wurde eine Vogelschutzhecke gepflanzt und im Herbst soll eine Streuobstwiese angelegt werden zusammen mit zwei Sommerlinden – als künftige Bienenweide für die Zeit nach der Obstbaumblüte. Im Nordteil wurde entlang eines erlenbestandenen Wassergrabens aus dem Schlagabraum der gefällten Bäume ein ausgedehnter Totholzwall zusammen geschoben, in dem bereits Nilgänse, Grünfüßige Teichhühner und mehrere Kleinvogelarten gebrütet haben.

„Weil die Fläche ein Schutz- und Lebensraum für einheimische Wildtiere und -pflanzen werden soll, können wir sie nicht öffentlich zugänglich machen“, bittet Niemeyer um Verständnis. Allerdings möchte das Ehepaar ab kommendem Frühjahr Führungen durch die „Mertensaue“ anbieten: (Kontakt: 0551/41515 oder per E-Mail an hansniemeyer@t-online.de). Mit dem Namen möchte ich meiner Eltern gedenken, die das Grundstück Mitte der 70er-Jahre gekauft und so viel Energie hier reingesteckt haben“, so Haase.

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