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Peking, Tibet, Otis, Ardagh, Niedriglöhne und Hartz IV: Aktuelle Inhalte bei der Himmelfahrts-Predigt

"Menschenrechte werden vielerorts verletzt"

Krainhagen (sig). Viel stimmungsvoller kann eine Veranstaltung im Wasserpark an der Bombeeke nicht beginnen als mit einemökumenischen Gottesdienst bei strahlendem Sonnenschein. Die Luft war angenehm, und die Sonne suchte sich ihren Weg durch das junge Grün der Laubbäume. Entenpärchen zogen ruhig ihre Bahn auf den beiden Teichen. Keine Spur von Hektik - einfach nur Besinnlichkeit und ein Stückchen Selbstversenkung.

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Einen solchen Tag wird keiner von denen mehr miterleben, die sich zu dem Gottesdienst mit anschließendem Open-Air-Konzert hier zusammengefunden hatten. Der nächste 1. Mai, an dem zugleich der Himmelfahrtstag gefeiert wird, steht nämlich erst im Jahre 2160 an. Pastor Wilhelm Meinberg ging in seiner Predigt unter freiem Himmel darauf ein, dass diese Welt beileibe nicht in allem göttlichen Vorstellungen entspricht. Noch sei man weit davon entfernt, dass alle Menschen ihren angemessenen Anteil an den Möglichkeiten und Gütern dieser Erde haben. Außerdem würden vielerorts die fundamentalen Menschenrechte verletzt, die in Peking und Tibet ebenso zu gelten hätten wie in Guantanamo und hier bei uns im Schaumburger Land. Es sei am 1. Mai durchaus angebracht, so Pastor Meinberg, angesichts von Niedriglöhnen und von steigendem Arbeits- und Zeitdruck menschenwürdigere Arbeitsplätze zu fordern. Die Statistiken über die sinkende Arbeitslosigkeit würden die wahren Zustände eher verkleistern. Es sei leider längst nicht so, dass jeder Arbeit findet, der arbeiten will. Von den Mitarbeitern, die bei der Firma Otis ihren Arbeitsplatz verloren haben, seien die meisten auch nach vier Jahren noch ohne Beschäftigung. Und wenn im kommenden Jahr ein Drittel der Belegschaft bei Ardagh in Obernkirchen entlassen wird, seien ähnliche Folgen zu befürchten. Hartz IV drohe, immer mehr Menschen in die Verarmung zu treiben. Gott setze andere Maßstäbe. Würde und Gerechtigkeit sowie Liebe würden, so der Seelsorger, nicht nur für den Feiertag gelten, sondern auch für den Werktag. Zusammen mit Pfarrer Norbert Mauerhof gestaltete Pastor Wilhelm Meinberg nach diesen aufrüttelnden Worten einen beeindruckenden Gottesdienst, musikalisch ausgestaltet vom Blasorchester des TSV Krainhagen unter seinem Dirigenten Lothar Hitzek. Für die Überleitung in das vom Krainhäger Fremdenverkehrsverein gestaltete Himmelfahrtskonzert sorgte anschließend das Jugendblasorchester des TSV. Geleitet wird es von Sven Lüersen. Mit modernen Titeln begeisterte es die wachsende Zuschauerschar, die zur Mittagszeit den Wasserpark füllte. An den Versorgungsständen herrschte Hochbetrieb. Das erste Fässchen Maibowle war schon gegen 12 Uhr geleert. Aber es gab ja eine breite Auswahl an Getränken, dazu Grillspezialitäten und ein sehenswertes Kuchenbüfett. Auch an die Jüngsten hatten die Organisatoren gedacht. Für sie gab es einen Spielstand, an dem sie aus Korken kleine Schiffe bastelten, deren Moosgummisegel die Namen der Besitzer trugen. Am frühen Nachmittag klang die Veranstaltung aus, die dem Fremdenverkehrsverein und dem Blasorchester sicherlich neue Freunde gebracht hat.

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