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Mehr als 50 Häftlinge sind täglich zeitweise in Freiheit

Knast

Hameln (ube). Kaum jemand weiß es, nun ist es raus: Mehr als 50 Gefangene aus Hameln sind täglich zeitweise unter uns. Dennoch wird die heimische Polizei über Freigänge und Ausgänge von JA-Insassen nicht vorab informiert. Das hat die Leitende Psychologiedirektorin Christiane Jesse am Dienstag auf Anfrage der Dewezet mitgeteilt. „So eine Maßnahme macht keinen Sinn, weil sie keine Straftaten verhindern kann“, sagte die Anstaltsleiterin. Im Fall des Häftlings Dennis L. (22), der während eines unbegleiteten Ausgangs versucht hat, ein zehnjähriges Mädchen zu vergewaltigen, war es die Jugendanstalt Hameln, die der Polizei den entscheidenden Tipp gab. Die Ermittler des für Sexualstraftaten zuständigen Fachkommissariats 1 (FK 1) hatten zunächst andere Spuren verfolgt und andere Einrichtungen überprüft. Das Gefängnis an der Tündernschen Straße und das Freigängerhaus der Jugendanstalt an der Eugen-Reintjes-Straße sollten erst in dieser Woche aufgesucht werden. Ein Fehler sei das nicht gewesen, sagt Kommissar Dirk Barnert, denn: „Wir müssen bei unseren Ermittlungen Prioritäten setzen. Und das haben wir auch gemacht. Hätten wir uns zuallererst auf die Jugendanstalt konzentriert und der Täter wäre aus einer anderen Einrichtung gekommen, hätte es geheißen: Warum haben Sie nicht zuerst dort nachgefragt?“.
 Der 22-jährige Dennis L., der den sexuellen Übergriff auf das Kind gestanden hat, verbüßt er seit 2007 eine vierjährige Jugendstrafe wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern. Gegen den geständigen Wiederholungstäter wurde ein sogenannter Überhaftbefehl erwirkt. Das bedeutet, dass seine Strafhaft nach vollständiger Verbüßung automatisch in eine Untersuchungshaft übergeht. Diesmal dürfte der junge Mann wohl nach dem Erwachsenenstrafrecht verurteilt werden. Ihm droht eine mehrjährige Haftstrafe. Womöglich kommt sogar eine Sicherungsverwahrung in Frage.
 Bevor es so weit ist, wird die Jugendanstalt gegen den Häftling ein Disziplinarverfahren eröffnen. Dennis L. muss mit der härtesten Bestrafung rechnen.

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