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IGBCE-Diskussionsabend zum Thema „Medien und Integration“ – lebhafte Diskussionen im Publikum

Mediendarstellung häufig klischeebehaftet

Bad Münder (ndz). Den Zusammenhang von „Medien und Integration“ dikutierten kürzlich die Journalistin und Autorin Mely Kiyak, der Integrationsbeauftragte des Landkreises Hameln-Pyrmont, Feyzullah Gökdemir, und der in der Hauptverwaltung der IG BCE für Ausländerfragen zuständige Giovanni Pollice im Bildungszentrum am Deisterhang.


Die Beteiligten waren sich einig, dass es an Klischees nicht mangelt, wenn es in den deutschen Medien um die Darstellung von „Mitbürgern mit Migrationshintergrund“ gehe. Noch zu häufig würde „der Türke“ als Gemüseverkäufer dargestellt, dessen verschleierte Frau zu Hause Tee koche, fasste Moderator Christoph Huppert das vorherrschende Bild zusammen.

Nur gut ein Prozent der Zeitungsjournalisten habe einen Migrationshintergrund, so Huppert weiter. Dieser kleine Anteil sei selten fest angestellt, sondern durchweg als freier Mitarbeiter, Volontär oder Praktikant tätig. Mangelndes Vertrauen in die Fähigkeiten von Migranten und deren Kindern sei einer der Gründe für die schleppende Integration von Migranten in die Medienlandschaft, so Mely Kiyak. Eine „Migrantenquote“ lehnte die Journalistin aber entschieden ab.

Giovanni Pollice dagegen stellte den Unterschied zu italienischen Medien heraus, die in den letzten Monaten durch eine tendenziöse Berichterstattung zu wahren „Hetzjagden auf Rumänen“ angestachelt hätten. In Deutschland, so der Ausländerexperte, gehe es nicht um „Assimilation“ und Eindeutschung, sondern um echte „Integration in eine multikulturelle Gesellschaft“.

Dass bei 84 Prozent der Tageszeitungen die Einheimischen unter sich seien, habe, so Huppert, auch mit der fehlenden Abonnementkultur in den Heimatländern zu tun. Dort dominiere der Straßenverkauf.

Begünstigen „Ethnomedien“ die Entwicklung von Parallelgesellschaften und eine Gettoisierung? Würden Sie sich türkische Filme mit deutschen Untertiteln anschauen? Ist Deutschland ein Einwanderungsland? Ist Integration vor allem ein Thema der Mediendarstellung? Fragen, die das Publikum lebhaft mit dem Podium diskutierte. Während die Publikumsmeinung hinsichtlich des Themas „Einwanderungsland“ ein eindeutiges Ja widerspiegelte, blieb das Meinungsbild zu anderen Fragen geteilt. Integration, so das Fazit des Abends, sei zwar auch eine Angelegenheit der Medien, die wahre und notwendige Integration aber vollziehe sich auch in einer von Medien geprägten Gesellschaft im „wahren Leben“.

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