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Weltbestseller für politische Statements genutzt / Manfred Görlach referiert im Geburtshaus

Max und Moritz am Bauzaun von „Stuttgart 21“

Wiedensahl. Zu einem Parforceritt durch das „Nachleben von Max und Moritz“ wurde der Vortrag von Manfred Görlach im Wiedensahler Wilhelm-Busch-Geburtshaus. Der ehemalige Anglistik-und Mediävistik-Professor beschränkte sich dabei aus guten Gründen auf die literarischen Folgen, die Buschs Weltbestseller ausgelöst hat. Vor genau 150 Jahren dürfte der Schriftsteller soeben mit dem Schreiben des Klassikers begonnen haben.

So berichtete das Ehrenmitglied des Förderkreises Wilhelm Busch Wiedensahl von den heute bekannten rund 300 Übersetzungen und Übertragungen in fremde Sprachen und deutsche Dialekte. An zahlreichen dieser Veröffentlichungen sei er beteiligt gewesen, vielfach habe er in fernen Ländern und vor allem bei deutschen Regionalmundarten die Übertragungen initiiert. Zum 100. Geburtstag der Geschichte 1965 habe es 48 fremde Versionen gegeben, 25 Jahre später bereits 194.

Natürlich habe er als Kind die Lausbuben-Geschichte gekannt, und ein Busch-Sammelband sei eines von zwei Büchern gewesen, die seine Mutter bei der Evakuierung aus Berlin gegen Kriegsende im Gepäck gehabt habe. „Doch das war bei Bassermann erschienen, und zwar ohne Max und Moritz.“

Ernsthaft und richtig beschäftige er sich mit der Materie erst seit seinem Berufseinstieg als Sprachwissenschaftler. Da habe er begonnen, fremdsprachige Ausgaben des Buches zu sammeln und weitere Übersetzungen anzuregen.

Einen Boom habe dieses Genre rund um Buschs 150. Geburtstag im Jahr 1982 erlebt. Damals sei auch die Polyglott-Ausgabe mit von Görlach gesichteten Übertragungen auf den Markt gekommen. Bis heute seien davon etwa 120 000 verkauft worden. Danach habe er sich bis Ende der neunziger Jahre besonders den Dialekten des deutschen Sprachraumes gewidmet. Rund 80 seien bis heute erschienen.

Der vielfach variierten Grundidee von Max und Moritz begegne man auch heute noch bei allen möglichen Anlässen. Am Bauzaun von „Stuttgart 21“ hätten die bösen Buben die Mappus-Abwahl vorausgesagt, und fast jeder Lebenslauf lasse sich so in ein Geburtstagsständchen pressen.

Görlach selbst hat zudem dreimal das Schaumburger Land mit „buschigen“ Spottversen ins Visier genommen: Beim Scheitern des „Max-und-Moritz-Hauses“ in Stadthagen, bei der Eröffnung des damals neu gestalteten und erweiterten Busch-Geburtshauses in Wiedensahl 2006 und zuletzt beim Wiedensahler Bürgerentscheid gegen das Projekt Klenken-Hof. r

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