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Massive Einschnitte bei Haworth

Bad Münder. Bad Münder. Haworth wird einen der zwei Standorte in Deutschland schließen – die Wahl fällt auf den Standort Ahlen. Ende 2014 sollen dort die Lichter ausgehen. Gestern Mittag informierte die Geschäftsführung die Mitarbeiter im Werk Bad Münder über die jüngste Entwicklung, die auch Auswirkungen auf sie haben wird. Zu der Frage, ob die Umstrukturierung Arbeitsplätze kosten wird, wollten Unternehmensvertreter noch nicht Stellung nehmen. In Mitarbeiterkreisen kursieren allerdings Szenarien, nach denen von derzeit rund 400 Beschäftigten an zwei Standorten nur 220 übrig bleiben könnten.

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Um 13.15 Uhr hatte Henning Figge, Vizepräsident des europäischen Unternehmensteils und Geschäftsführer der Haworth GmbH, die Mitarbeiter zu einer Versammlung zusammenrufen lassen. Präsentiert wurde dort sein Konzept. „Zukunftsprojekt Haworth Deutschland“ ist es überschrieben und sieht neben der voraussichtlichen Schließung in Ahlen auch deutliche Veränderungen in Bad Münder vor.

Hintergrund der drastischen Schritte: Haworth Deutschland arbeitet nach Darstellung der Geschäftsführung derzeit nicht profitabel. Als Ursache werden unter anderem Absatzrückgänge in wichtigen europäischen Märkten angeführt, für die in der Vergangenheit vorrangig Produkte in Ahlen hergestellt wurden. Als im Mai Wilkhahn in Eimbeckhausen, der andere große Büromöbelhersteller der Stadt, nicht unerheblichen Stellenabbau und einschneidende Umstrukturierungen ankündigte, zuckten auch bei Haworth die Mitarbeiter zusammen – zumal sie aufgefordert wurden, Vorschläge zur Optimierung von Prozessen einzureichen. 110 Vorschläge gingen ein und wurden in einem Katalog zusammengefasst. Parallel dazu holte Geschäftsführer Figge seinen ehemaligen Arbeitgeber, die Unternehmensberatung Roland Berger, ins Haus. Drei mögliche Szenarien, vom Erhalt beider Standorte über die gestern vorgestellte Lösung bis hin zur Aufgabe des Stadtortes Bad Münder, wurden durchgespielt.

Ziel des jetzt von Figge präsentierten Konzeptes soll sein, das Unternehmen nachhaltig erfolgreich aufzustellen. Kernpunkte dabei: die Schließung in Ahlen und die Restrukturierung des Standortes Bad Münder. Bei erfolgreicher Umsetzung dieser Maßnahmen, so ist aus dem Unternehmen zu hören, hat sich der amerikanische Mutterkonzern bereit erklärt, mehrere Millionen zu investieren. Als Beispiel nannte ein Unternehmenssprecher mögliche Investitionen von bis zu 6 Millionen Euro in moderne Technik und verbesserte Prozesse.

Erst 2010 wurde bei Haworth in Bad Münder das Ende einer fast dreijährigen Umbauphase gefeiert. In die Renovierung des Werks floss ein siebenstelliger Millionenbetrag – nach Unternehmensangaben die höchste Summe, die Haworth jemals außerhalb Nordamerikas investierte. Das Werk wurde zum „strategischen Produktions- und Distributionszentrum“ für Europa ausgebaut. Im Mittelpunkt der Produktion standen bislang Korpuselemente – zumeist Container und Schranksysteme.

Da neben dem europäischen auch der deutsche Markt geschrumpft ist, hält die Geschäftsführung nun eine „Anpassung der Unternehmensstruktur“ und eine Neuausrichtung für notwendig. Die in Ahlen ansässige Produktion soll nach Bad Münder, aber auch an andere Standorte verlagert werden. Zahlreichen Ahlener Mitarbeitern soll ein Umzug an den rund 150 Kilometer entfernten Deister angeboten werden. „Auch am Standort Bad Münder sind Verbesserungen durch effizientere Prozesse sowie eine Anpassung der bestehenden Arbeitsbedingungen erforderlich“, heißt es in einer Mitteilung. Figge erklärte gestern, den tiefgreifenden Umbau zu bedauern. „Wir halten ihn für absolut notwendig für eine erfolgreiche Zukunft in Deutschland. In anderen europäischen Märkten wächst Haworth profitabel trotz schwieriger Marktbedingungen. Strukturelle Veränderungen haben hierzu erheblich beigetragen. Dies wollen wir auch in Deutschland schaffen.“

Nach Darstellung des Betriebsratsvorsitzenden Gerd Ahrens reagierten die Mitarbeiter gestern ruhig und gefasst auf die Mitteilung. „Viele haben ja erwartet, dass uns etwas ins Haus steht“, sagt Ahrens. In den kommenden Tagen will der Geschäftsführer in Gesprächen mit dem Betriebsrat Details nennen. „Er hat angekündigt, Zahlen auf den Tisch zu legen. Ende November sollen die Gespräche abgeschlossen sein“, erklärt der Betriebsratschef. Für ihn steht bereits fest: „Der Betriebsrat wird sich auf jeden Fall vor einer Entscheidung das Okay der Belegschaft abholen.“jhr

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