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Vor Gericht: Freiheits- und Geldstrafe für die Ex / Unbekannten zum Termin mitgeschleppt

Mann merkt nichts von eigener Scheidung

Bückeburg (ly). Sachen gibt's, die gibt's nicht. Ein Schaumburger zum Beispiel ist geschieden worden, ohne etwas davon zu merken. Zum Scheidungstermin vor dem Amtsgericht hatte die Gattin des 43-Jährigen einfach einen anderen Mann mitgeschleppt und den bis heute Unbekannten als ihren Gemahl ausgegeben. In der mündlichen Verhandlung erklärte sich dieser Anonymus mit der Scheidung einverstanden. Tatsächlich wurde ein Schlussstrich unter die Ehe gezogen.

Zuvor hatte die Frau (47) im laufenden Verfahren mehrere Briefe abgefangen, die für ihren Ehemann bestimmt waren, dessen Unterschrift gefälscht und die Schreiben beantwortet. Dass der Fernfahrer selten zu Hause war, traf sich dabei gut. "Eine clevere Frau hat ihren etwas weniger intellektuellen Mann gelinkt'', drückt es der Leitende Oberstaatsanwalt Thomas Pfleiderer diplomatisch aus. Allerdings hat dieser "außergewöhnliche Fall" (Pfleiderer) auch eine strafrechtliche Seite. Und die sieht so aus, dass das Amtsgericht die Frau jetzt wegen Betruges und Urkundenfälschung zu acht Monaten Freiheitsstrafe verurteilt hat, ausgesetzt zur Bewährung. Als Auflage muss die Angeklagte 1800 Euro Geldbuße zahlen.Bis zuletzt hatte sie beteuert, ihr Mann sei beim Scheidungstermin im Mai 2004 zugegen gewesen. "Ich habe nicht den geringsten Zweifel, dass er weit, weit weg war", erklärte Richter Armin Böhm. "Die Angeklagte hat die Justiz für dumm verkauft, um ihre Scheidung kurzfristig durchzudrücken." Und das Motiv? "Mein Mann war doch immer betrunken. Wie hätte ich die Scheidung anders hinbekommen?", soll die Frau einer Rechtsanwältin anvertraut haben. Vor vollendete Tatsachen gestellt wurde der Gatte erst Monate später während eines Aufenthaltes in einer Trinkerheilanstalt, wo der Kurende das schriftliche Scheidungsurteil erhielt. Noch später sollte er erst recht aus allen Wolken fallen, denn ausgerechnet mit seinem besten Freund ging die Frau in Rinteln eine neue Ehe ein. Gewiss entbehrt dieser kuriose Fall nicht einer gewissen Komik. "Man könnte einen schönen Film darüber drehen", meint Pfleiderer, wenn auch mit der Einschränkung, "dass es so etwas in Wirklichkeit nicht gibt". Gibt es eben doch. Und lachen kann der Oberstaatsanwalt schon gar nicht. "Bei Gericht haben wir es nicht so gern, wenn man uns für dumm verkauft", warnte er. Der Angeklagten bescheinigte Pfleiderer "ein gerüttelt Maß an krimineller Energie und Dreistigkeit". Vom Vorwurf der Doppelehe, besser bekannt als Bigamie, wurde die 47-Jährige übrigens freigesprochen. Böhm zitierte aus der Entscheidung eines Oberlandesgerichtes, wonach auch fehlerhafte (Scheidungs-)Urteile bindend seien. Bleibt die Frage, ob die Eheleute nun geschieden sind. "Nach meiner Rechtsauffassung sind sie noch verheiratet", sagte Pfleiderer.

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