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Barbara und Jürgen Molitor haben ihren Alterssitz gefunden / Komplex am Laurentiusweg heiß begehrt

Mangelware seniorengerechtes Wohnen

Bad Münder. Mit ihren 73 und 74 Jahren gehören Barbara und Jürgen Molitor salopp formuliert zu den Küken in dem Wohnkomplex am Laurentiusweg. Auf dem Gelände der ehemaligen Hofstelle Schmidt hat Bauunternehmer Uwe Richter 33 seniorengerechte Wohnungen gebaut. Mittlerweile sind alle Wohnungen bezogen, die Warteliste von Interessenten ist lang. Verwunderlich ist dies nicht, gibt es in Bad Münder doch nichts Vergleichbares.

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Autor:

Mira Colic

Umso glücklicher sei sie gewesen, als sie die Zusage bekommen habe, erzählt Barbara Molitor. Das Ehepaar hat zuvor an der Wilhelm-Hauff-Allee gewohnt. Dort sei ihnen ihr Haus aber einfach zu groß und die Gartenarbeit zu viel geworden. „Und mit meinen Knien kann ich auch nicht mehr so gut Treppen steigen“, sagt die 73-Jährige. Über Banken und einen Makler haben sie sich auf die Suche nach einer neuen Bleibe gemacht – mit magerer Ausbeute.

In Bad Münder gibt es sonst keinerlei Einrichtungen, die seniorengerechtes Wohnen anbieten – abseits der Altenheime und Senioren-Domizile, bei denen die pflegerische Komponente im Fokus liegt. Die auf der städtischen Internetseite unter „Wohnen im Alter“ aufgeführten Wohnungen existieren schon lange nicht mehr in dieser Form. Für die beiden Wohnanlagen „Am Stadtbahnhof“ und „Am alten Teich“ hat es lange eine Bindung gegeben, wonach diese nur an Personen ab 60 Jahre vermietet werden durften. Diese ist jedoch ausgelaufen, wie es seitens der Kreissiedlungsgesellschaft Hannover heißt. Und die Meravis Wohnungsbau- und Immobilien GmbH hat sich komplett aus der Stadt zurückgezogen.

Dabei seien Seniorenwohnungen der „Markt der Zukunft“, meint Bauunternehmer Richter. Die lange Warteliste zeige, wie hoch der Bedarf sei, sagt Richter: „Schließlich haben wir in Bad Münder ansonsten ja einen sehr ausgeglichen Wohnungsmarkt“. Sprich: Wer hier eine Wohnung sucht, findet in kurzer Zeit auch eine. Nur altersgerechte Wohnungen seien Mangelware.

Beim Bau sind etwa ein stufenloser Zugang zum Haus zu gewährleisten, etwa durch eine Rampe und einen Fahrstuhl. In den Räumlichkeiten selbst sollte es keine Schwellen geben und die Türen sollten mindestens 80 Zentimeter breit sein, damit ein Rollstuhl bequem durchpasst. Das Badezimmer sollte barrierefrei und mit einer bodengleichen Dusche ausgestattet sein; Bedienungselemente, wie zum Beispiel Lichtschalter sollten auch im Sitzen erreichbar sein.

Bad Münder sei nun mal nicht die erste Wahl bei Investoren, sagt Richter, der seit 35 Jahren im Geschäft ist. Er habe hier gebaut, weil es naheliegend gewesen sei, da er selbst in Bad Münder lebe – und die Lage zwischen Rohmelbad und Fachmarktzentrum ihm interessant erschien. Einen vergleichbaren Standort kenne er in der Stadt nicht.

Die Lage ist gerade für ältere Menschen ein ausschlaggebender Punkt, wie auch die Molitors betonen. „Man weiß ja nicht, wie lange man noch in der Lage ist, Auto zu fahren“, sagt die 73-Jährige, die zufällig auf die Neubauten gestoßen sei, „als ich auf dem Weg zum Einkaufen war“. Das Paar hat sich auch in Springe nach passenden Objekten umgesehen, dort seien die angebotenen Wohnungen jedoch zu klein gewesen, „ich hätte mich ungern von den Dingen getrennt, die mich so viele Jahre umgeben haben“, sagt die pensionierte Lehrerin. Ihr Mann ergänzt: „Und weiter raus aufs Land wollten wir auf keinen Fall, das ist nichts für uns.“ Bad Münder, wo sie viele Kontakte und Freundschaften geknüpft haben, wollten sie auch ungern verlassen. Jürgen Molitor ist in der TuSpo Bad Münder und der Kunstwerkstatt aktiv, seine Frau gibt noch Deutschunterricht an der Grundschule Flegessen. Auch ihre beiden Kinder und die Enkelkinder wohnen in der Umgebung.

Und natürlich sei es auch schön – auch wenn sie jetzt noch keinen Bedarf haben – dass das DRK mit seinem ambulanten Pflegedienst mit in den Komplex ziehen wird. Damit sei für die Zukunft vorgesorgt.

Barbara und Jürgen Molitor sind im Februar in die Seniorenwohnungen am Laurentiusweg () gezogen. Drei Gebäudekomplexe mit insgesamt 33 Wohnungen sind dort entstanden.Colic

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