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Tierpräparation ist harte Arbeit: Nur die Haut bleib übrig / "Aggressives Verhalten guckt man sich schnell über"

"Man muss den Charakter des Tieres herauskitzeln"

Rolfshagen. Mit immenser Akribie hat der Mensch die Tiere erforscht, hat den Hunderttausenden von Arten ihren Namen gegeben, ihre Lebensgewohnheiten beobachtet, ihren Lebensraum studiert - aber was wissen wir wirklichüber Tiere? Oder besser gefragt: Was ist es, was wir alles nicht wissen? Sind Schafe wirklich so dumm, wie es das Sprichwort glauben macht? Ist er Hase in seiner Natur so feige, wie es der Mensch denkt?

Bei Carsten Grobek heißt Bruno "Max". Der Bär ist eines der größ

Autor:

Frank Westermann

Fragen, die sich auch Carsten Grobek stellt. Der Rolfshäger Tierpräparator muss sich bei seiner Arbeit jedes Mal eine Antwort auf die Frage finden, was denn nun eigentlich der Charakter, die Seele des Tieres war, das er präparieren soll. Und diesen Charakter "herauszukitzeln", wie Grobek es ausdrückt, ist harte Arbeit. Also hat er für "Max", seinen Braunbären, erst mehrmals den Tierpark Springe besucht, weil dort die lebenden Verwandten von "Max" studiert werden können, hat kiloweise Fachliteratur aus der Bücherei verschlungen, im Internet recherchiert und die Kollegen, die er schätzt, um Rat gefragt. Weil er bei "Max" nur das abgezogene Fell zur Verfügung hatte, hat er sich zudem Fotos von toten Körper des Tieres schicken lassen: Welche Rippen sind in welcher Stellung zu sehen, wie verläuft die Muskulatur und welcher Muskel ist wo wie stark ausgeprägt? Für Grobek beginnt die Arbeit schon lange vor dem Abziehen der Haut. Es gibt eine Menge Fragen zu klären, bevor der Liebling nach den Tode präpariert werden kann. Grobek klärt am Beispiel einer Katze auf: Welche Augenfarbe hatte sie? Grün? Gelb? Oder eher blau? Denn nach dem Tod verfärben sichdie Pupillen, eindeutig kann dann die Farbe nicht mehr bestimmt werden. Sein Tipp: Wer in Erwägung zieht, ein Tier nach dessen Tod präparieren zu lassen, sollte es vorher immer mal wieder fotografieren - Bilder sind aussagekräftiger und sicherer als die beste Erinnerung. Und wie soll die Katze dann dargestellt werden? Schlafend? Kletternd? Fauchend? Oder friedlich? Grobek selbst würde immer die letzte Möglichkeit wählen: "Für das menschliche Auge ist ein Tier im Ruhestand auf Dauer viel schöner, man erträgt den Anblick viel länger. Ein aggressives Tier hat man sich schnell übergeguckt." Natürlich liegt es nahe, mit Grobek, der schon auf Europameisterschaften Titel gewann, über den in Bayern geschossenen Bruno zu sprechen. Wie würde er den Bären präparieren? "Mehr oder weniger wie jedes andere Tier auch", erklärt Grobek. Zuerst werde die Haut entfernt, die gegerbt werde, damit sie haltbarer wird. Skelett und Fleisch werden entfernt, "zur Präparation wird nur die Haut benötigt." Und dann werde die Körperform des Tieres auch einem bestimmten Schaumstoff nachgebildet. In einem präparierten Tier sind also keine Knochen mehr drin? "Genau. Die würden, wie das Fleisch auch, faulen." Die Nachbildung des Tierkörpers mit Schaumstoff ist für einen Tierpräparator eine echte Herausforderung: Alles muss genau nachgemessen werden, damit nicht nur die Proportionen stimmen, sondernauch die Haut wieder passt, die dann nach dem Gerben drübergestülpt wird. Grobek zu fragen, ob es ihn nicht in den Fingern jucke, selber einmal Bruno zu präparieren, ist überflüssig. Er hat schon einen Braun- und einen Schwarzbären präpariert - "eine schöne Arbeit", wie er findet. Aber von der reinen Technik her, mache es keinen Unterschied, "ob ich eine Ente, ein Wiesel, eine Katze oder einen Bären präpariere". Grobek, der sich selber als Kunsthandwerker betrachtet - "Die Hälfte Handwerk, die andere Hälfte ist in meinem Beruf Kunst" - stellt zurzeit in der Eulenburg - Museum Rinteln diverse Exponate aus. Dort sind nicht nur große Naturvertreter wie Bär und Büffelkopf zu sehen, sondern auch viele Vögel, die er nicht nur präpariert hat, sondern auch in ihren Lebensraum darstellt. Und weil bekanntlich alle Theorie grau ist, wird Grobek am kommenden Sonnabend von 14 bis 18 Uhr im Rintelner Museum einen Vogel präparieren und zwei Führungen durch seine Ausstellung anbieten.

Carsten Grobek
  • Carsten Grobek
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