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Heilmittel-Vermarktung "abgesegnet"

Made in Nenndorf: Balsam für den Finanzminister

Bad Nenndorf (rwe). Mit seinem Aufbruch in neue Geschäftsfelder läuft Staatsbad-Chef Peer Kraatz beim Finanzministerium in Hannover offene Türen ein. Staatssekretärin Cora Hermenau, zugleich Vorsitzende des Aufsichtsrates, hat am Mittwoch die ersten Cremes aus Moor und Schwefel getestet und den Einstieg des Staatsbades in die Kosmetikbranche (wirberichteten) als richtigen Schritt gelobt. Sie hofft, dass sich durch die moderne Vermarktung die bisher defizitäre Abgabe der Bad Nenndorfer Heilmittel eines Tages rechnet und den Gesundheitsstandort stärkt.

Zitronengras oder Mandarine? Wenn es um den Duft der ersten Pflegeprodukte geht, sind Staatsbad-Aufsichtsratschefin Cora Hermenau und ihre Stellvertreterin Susanne Haack aus dem Beteiligungsreferat im Finanzministerium geteilter Meinung. Hermenau bevorzugt die Moor-Creme, Haack die Lotion aus Schwefel. Aber gut fühlen sich die Hände in beiden Fällen an. So stehen beide Frauen geschlossen hinter Geschäftsführer Peer Kraatz und dessen Anstrengungen, aus den Bad Nenndorfer Heilmitteln eine neue Pflegeserie zu entwickeln. Diese soll frei von jeglichen Zusatzstoffen mit dem Prädikat "100 Prozent Natur" einen neuen Markt erschließen. Pünktlich zur Sitzung des Aufsichtsrates am Mittwoch trafen die ersten Proben von dem Kosmetikhersteller "Alpienne" aus Österreich ein. Den Chemikern ist es gelungen, Schwefel, Sole und Moor mithilfe von Bierhefe und Weihrauch in einen hellen, duftenden Balsam zu verwandeln. Eine Tube ließ Hermenau ungeöffnet, um Finanzminister Hartmut Möllring damit zu überraschen. Allerdings dürften die visionären Pläne in Bad Nenndorf in Hannover durchaus bekannt sein. Schließlich lässt das Staatsbad gerade eine Etage im Moorbadehaus zu einer "Medical-Wellness-Ebene" mit Fünf-Sterne-Ambiente ausbauen. "Das klingt nach Luxus, aber wir sind dort sehr kostenbewusst", lobt Hermenau die Konzeption der Architekten, die unter anderem die alten Wannen aufpolieren und wieder nutzen. Der Haushaltsausschuss und der Rechnungshof seienüber die erweiterte Baumaßnahme informiert, so die Staatssekretärin. Schließlich fließt gut eine Million Euro nur in das Gebäude. Peer Kraatz bezieht den Fünf-Sterne-Anspruch aber nicht allein auf die Ausstattung, sondern auch auf die Dienstleistung und spezielle Behandlungsformen, die sich das Staatsbad auf die Fahne schreibt - und bei denen spielen die neuen Naturmittel eine große Rolle. Einen Teil der Produkte, die laut Kraatz mittlerweile von einem Institut in München kontrolliert seien, will das Staatsbad exklusiv bei sich anbieten. Darüber hinaus ist eine Serie aus 60 bis 70 Cremes und Wässerchen für den Verkauf geplant. Davon profitiere die Stadt und die ganze Region, prophezeit Kraatz. "Wir liegen damit voll im Trend." Susanne Haack hält das sogar für untertrieben. Für sie sei das mehr als ein Trend: "Das ist kein Kunstprodukt, sondern das sind seit Generationen bewährte Mittel." Alte Heilverfahren würden so mit moderner Wellness verknüpft.

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