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SPD-Abgeordnete legt trotz Querelen in Bad Münder weiter zu / Vietz (CDU) abgeschlagen, aber nicht unzufrieden

Lösekrug-Möller räumt noch einmal ab

Bad Münder. Sie ist die strahlende Siegerin – entgegen aller düsteren Befürchtungen: Gabriele Lösekrug Möller (SPD) wird zum vierten Mal in Folge Bad Münder im Bundestag vertreten. Überraschend gut ist ihr Abschneiden in der Kurstadt vor allem in Hinblick auf die monatelangen Querelen und nicht enden wollenden Unruhen. Dass die Sozialdemokratin ihr persönliches Ergebnis um satte drei Prozentpunkte verbessern konnte, ist Balsam auf die geschundene sozialdemokratische Seele der Kurstadt.

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Autor:

Markus Richter

Das vorläufige Endergebnis sieht Lösekrug-Möller bei 44,12 Prozent. CDU-Direktkandidat Michael Vietz kommt auf 38,60 Prozent. Kleines Trostpflaster für den Christdemokraten: Er schneidet besser ab als Parteifreund Hans-Peter Thul vor vier Jahren (35,31), auch wenn ihm der Einzug in den Bundestag verwehrt bleibt.

Lösekrug-Möller sagt, gerade auf das Ergebnis in Bad Münder habe sie mit Interesse geschaut: „Ich freue mich sehr darüber“, erklärt sie am Ende eines langen Wahlabends im Gespräch mit der Neuen Deister-Zeitung. Die Bürger der Kurstadt – aber auch des gesamten Wahlkreises Hameln-Pyrmont/Holzminden haben „Lö-Mö“ wieder das Vertrauen geschenkt. „Es ist selten, dass man als Politiker positive Rückmeldungen bekommt.“ Das persönliche Wahlergebnis im Weserbergland sei daher eine dieser seltenen Bestätigungen.

Nach der dritten Wiederwahl wird die 62-jährige Hamelnerin für weitere vier Jahre im Bundestag sitzen – danach will sie nicht noch einmal antreten. Damit beginnt politisch die letzte Zeit einer der erfolgreichsten Bundestagsabgeordneten, die das Weserbergland je gesehen hat.

In der Nacht noch ging es für sie nach Berlin. Als Mitglied im Bundesparteivorstand der SPD wird sie heute weniger ihr eigenes Abschneiden als das ihrer Partei diskutieren. Die CDU habe den deutlichen Auftrag einer Regierungsbildung erhalten. „Auf Merkel und die CDU kommt nun sehr viel Verantwortung zu.“

CDU-Direktkandidat Michael Vietz zieht persönlich eine positive Wahlanalyse im NDZ-Gespräch. „Dafür, dass ich zum ersten Mal angetreten bin, und das gegen eine sehr etablierte Kandidatin, finde ich mein Abschneiden sehr respektabel.“ Vietz stand auf Platz 24 der Landesliste. „Ich denke, dass es mitten in der Nacht sein wird, bis klar ist, ob ich’s schaffe.“ Wird der heimische Wahlkreis nach dem komplizierten Prozedere am Ende von drei Kandidaten vertreten, sei dies das Beste, was hätte passieren können. Vietz sagt gleichzeitig, er habe auch vom Bundestrend profitiert. Das Gesamtergebnis, diesen Kantersieg der Union, stehe heute im Vordergrund. Auch wenn es für ihn selbst nicht reichen soll, will Vietz in vier Jahren wieder antreten. „Aber das entscheidet die Partei.“

Als dritte Direktkandidatin im Wahlkreis kann sich Jutta Krellmann (Die Linke) berechtigte Hoffnungen auf einen Wiedereinzug ins Parlament machen. Wenn drei Abgeordnete aus Niedersachsen nach Berlin kommen, ist sie durch den zweiten Platz auf ihrer Landesliste dabei. Krellmann vereinte 4,23 Prozent der Erststimmen auf sich. Das Gesamtergebnis hatte sich die 57-Jährige aber anders vorgestellt: „Ich dachte, dass der Wähler mehr soziale Demokratie und Gerechtigkeit gewünscht hätte.“ Vielleicht habe die Linkspartei ihre Ansätze nicht richtig transportieren können. Aber in der Summe hätten das auch SPD und Grüne nicht geschafft.

Ein bisschen Genugtuung gibt Krellmann das Desaster der FDP. „Sie war die vierjährige Bremse, mit der nichts ging – etwa beim Mindestlohn.“ Mit dieser Quittung, sagt die Abgeordnete, könne sie durchaus gut leben.

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