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Zwei Maßnahmen sollen den Baum retten / Gutachterin: "Hohe kulturhistorische Bedeutung"

Linde vor Katharinenkirche nicht verkehrssicher

Kathrinhagen (rnk). Sie istälter als jedes Haus, jede Straße und auch jeder andere Baum im Ort: Auf viele Jahrhunderte wird das Alter der Linde vor der Katharinenkirche geschätzt. Das Alter hat seine Spuren hinterlassen, die eine Frage aufwerfen: Ist der Baum noch verkehrssicher?

Im Inneren des ausgehöhlten Stammes haben nicht nur Kinder Platz

Nein, sagt Claudia Amelung, vereidigte Sachverständige für Baumsanierung, Statik und Verkehrssicherheit von Bäumen vom gleichnamigen Sachverständigenbüro in Hannover: Die Eigenlast der Sommer-Linde ist zu groß, der Wind findet vor allem in der Krone zu viel Angriffsfläche, die Restwände des Baumes sind außerdem sehr gering. Nur durch eine deutliche Kürzung der Krone und eine stabilisierende Maßnahme, so urteilt die Gutachterin, kann der Baum gerettet werden. Rund 23 Meter ist die Linde hoch, ihr Kronendurchmesser beträgt ebenfalls 23 Meter. Der Stammumfang beträgt in einem Meter Höhe sagenhafte 10,30 Meter. Innen ist der Baum bekanntlich hohl. Und das ist eins seiner Probleme: Durch die Fäulnis wurde der Baum über die Jahrhunderte ausgehöhlt, dadurch fehlt ihm Festigkeit. Um den Baum zumindestüber die nächsten Jahre erhalten zu können, empfiehlt die Gutachterin vor allem eine Kroneneinkürzung. Vier bis sechs Meter müsste die Krone reduziert werden, um die Eigenlast und auch die Angriffsfläche für den Wind deutlich zu verringern. Da der südliche Kronenraum etwas niedriger ist, wird eine Höhenreduzierung von etwa vier Metern vorgeschlagen, im nördlichen und höher wüchsigen Kronenraum wird der Rückschnitt bei rund sechs Metern liegen. Als zweiten Schritt zur Stabilisierung des Baumes soll ein Kronensicherungssystem als Zentralverbund eingebaut werden, in den alle acht Stämmlinge, die den eigentlichen Baum bilden, einbezogen werden. Amelung schlägt ein System vor, das aus Haltegurten und Chemiefaser-Hohltauen besteht. Es soll so hoch wie möglich über der zweiten, schon vorhandenen Sicherungsebene eingebaut werden. Die alten Sicherheitssysteme sollen im Baum gelassen werden. Die nächste Kontrolle des Baumes sowie die Überprüfung der Sicherheitssysteme soll spätestens im Sommer nächsten Jahres durchgeführt werden. Amelung verweist in ihrem Gutachten darauf, dass durch "den recht starken Eingriff in die Krone, bei dem Schnitte bis in den Starkastbereich vorgenommen werden, das Erscheinungsbild des Baumes wesentlich verändert wird." Da es sich um einen besonders alten und "in dieser Form seltenen Baum - zudem mit einer hohen kulturhistorischen Bedeutung - handelt, der nur durch eine deutliche Kronenentlastung vorerst wieder verkehrssicher und damit auch weiter erhalten werden kann, ist diese habitusverändernde Maßnahme jedoch dringlich anzuraten", beendet Amelung ihr Gutachten. Die Kirchengemeinde hat jetzt einstimmig beschlossen, sich für den Erhalt des Baumes einzusetzen. Auch der Landkreis ist um finanzielle Hilfe gebeten worden und hatte einen Mitarbeiter geschickt, der sich vor Ort mit Gutachterin Amelung ein Bild vom Zustand der Linde gemacht hat. Heidrun Kuhlmann, Noch-Vorsitzende des Kirchenvorstandes sieht es so: "Als Kirche ist uns der behutsame Umgang mit der Schöpfung ein wesentliches Anliegen, allem Wirtschaftlichkeitsdenken zum Trotz."

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