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Album veröffentlicht / Tour folgt

Leinen los für Grönemeyers „Schiffsverkehr“

Hannover / Berlin (ey). Vom Hype ist die Rede, vom „Album des Jahres“: Wenn Herbert Grönemeyer eine Platte auf den Markt wirft, dann wird sie in aller Regel vergoldet. Von den Fans, versteht sich, denn die kaufen das Ding hunderttausendfach. Der nächste Stapellauf ist gerade erfolgt: Leinen los für „Schiffsverkehr“, das 13. Studioalbum des Künstlers.

Grönemeyer live: Am Samstag, 4. Juni, steht er in Hannover auf der Bühne.

Nach nahezu 20 Millionen verkauften Tonträgern, 200 Platin- und Gold-Auszeichnungen sowie fast zehn Millionen Konzertbesuchern könnte sich Herbert Grönemeyer auch gelassen zurücklehnen. Tut er aber nicht, weil er gerne Lieder schreibt und sie singt und röhrt, wie es seine Anhänger von ihm erwarten. Und doch: In diesem Fall war es selbst den eingefleischten Fans schwergefallen, die vorab veröffentlichte Single, das Titelstück des Albums, für gut zu befinden. „Muss man sich reinhören, dann findet man es immer besser“, hieß es auch auf den Radiostationen landauf, landab. Klingt irgendwie nach „schönsaufen“.

Absaufen hingegen war auch für diese musikalische Reise Grönemeyers nie ein Thema. Was er anpackt, wird zu Gold. Das neue Album wird daran nichts, aber auch gar nichts ändern. Zu hören sind elf Songs, die einen musikalisch weiten Bogen spannen – von kraftstrotzenden Rocktiteln bis zu bewegenden Balladen, die Herbert Grönemeyer auf einer anstehenden Tournee live präsentieren will – nebst seinen großen Hits, ohne die ein Grönemeyer-Konzert nicht leben würde. Vom 31. Mai bis 24. Juni stehen Konzerte in Deutschland, Österreich und in der Schweiz auf dem Programm: Rostock, Hamburg, Hannover (4. Juni, 20 Uhr, AWD-Arena, Tickets im Vorverkauf siehe Hinweis „Ticket-Service“), Berlin, Gelsenkirchen, Düsseldorf, Kassel, Frankfurt, Köln, Stuttgart, Leipzig, Wien, Klagenfurt, München, Bern und Konstanz.

„Auf ,Schiffsverkehr’ hat Herbert Grönemeyer einmal mehr eine wunderbare Balance zwischen artifizieller Popkunst und energiegeladener Rockmusik gefunden“, lautet das mutige Urteil von Musikjournalisten. Entstanden ist es in unterschiedlichen Etappen im Stockholmer Mono Music Studio, in den Londoner Abbey Road Studios, den Hansa Ton und Hansaplatz Studios in Berlin sowie den Electric Lady Studios in New York.

Herbert Grönemeyer, am 12. April 1956 in Göttingen geboren, wuchs in Bochum auf. Hier, im Herzen des Ruhrgebiets, erhielt er sein erstes Engagement als musikalischer Leiter am Schauspielhaus. In den späten Siebzigern entwickelte sich seine Karriere zweigleisig, denn er stand auch als Schauspieler auf der Bühne. Unter der Regie von Peter Zadek und Claus Peymann spielte er in Hamburg, Stuttgart und Köln. Nach einer kurzen Episode in der Jazz-Rockband Ocean veröffentlichte der damals 23-jährige 1979 sein erstes Soloalbum, dem zwei Jahre später sein „Zwo“ betiteltes Album folgte. Im gleichen Jahr glänzte er in der Rolle des Leutnants Werner in Wolfgang Petersens „Das Boot“. Eine weitere viel beachtete schauspielerische Leistung bot er als Komponist Robert Schumann in „Frühlingssinfonie“ von Peter Schamoni. 1982 und 1983 erschienen zwei weitere Alben, „Total Egal“ und „Gemischte Gefühle“.

Der Durchbruch als Sänger und Komponist gelang Herbert Grönemeyer 1984 mit „Bochum“. Das Album traf genau das Zeitgefühl, dominierte mehr als eineinhalb Jahre die deutschen Charts und gilt als Meilenstein deutscher Rockmusik der achtziger Jahre. „Männer“, „Alkohol“, „Flugzeuge im Bauch“ und der Titelsong zählen nach wie vor zu Publikumsfavoriten. Seitdem hat Herbert Grönemeyer Superstar-Status. Jedes Album wurde seither mit Platin ausgezeichnet, jede seiner Tourneen erzielte neue Zuschauerrekorde.

Diskographie (Longplayer): Grönemeyer (1979)

Zwo (1981)

Total egal (1982) Gemischte Gefühle (1983)

4630 Bochum (1984)

Sprünge (1986) Ö (1988)

Luxus (1990)

Chaos (1993)

Cosmic Chaos (1994) MTV Unplugged (1995)

Live (1995)

Bleibt alles anders (1999)

Mensch (2002) 12 (2007)

Greatest Hits (2008)

Schiffsverkehr (2011)

Pro Grönemeyer Er prägt das Leben

Von Karen Klages

Wer in Bochum studiert hat, kennt Herbert Grönemeyer; wer Bochum familiär verbunden ist, kennt ihn erst recht – und lernt ihn auch zu lieben. Denn die Hymne an seine Heimatstadt ist legendär – und Teil meiner Erziehung. „Kinder an die Macht“ läuft im Hintergrund des Videos über meine Ferienfreizeit, und mit 14 Jahren hatte ich die ersten Flugzeuge im Bauch. Wann ein Mann ein Mann ist, habe ich dank Grönemeyer ebenso erfahren. Auch, wenn ich mehr als ein Jahrzehnt der Herbie-Diskografie hinterher hinke – er hat mit seinen Songs mein Leben geprägt. „Was soll das?“ kann ich somit all diejenigen fragen, die Kritik an Deutschlands erfolgreichstem Künstler üben. Er hat neben seiner Heimatstadt schließlich auch ein Stück deutsche Kultur besungen.

Darauf gibt’s jetzt erstmal ’ne Currywurst!

Kontra Grönemeyer

Er hat mal gerockt Von Jens Meyer

Alkohol ist ein Sanitäter in der Not. Alkohol ist ein Fallschirm und ein Rettungsboot.“ – Die achtziger Jahre waren Grönemeyers beste Zeit. Seine Musik war dynamisch und unkompliziert, seine Texte weit entfernt von der marmeladigen Pseudopoesie, mit denen er heute seine gerade noch als gefällig zu erachtenden Songs beschmiert. Damals rockte Grönemeyer („Luxus“, „Was soll das?“, „Hartgeld“), und es gefiel mir gut. Das änderte sich an einem Juliabend irgendwo in der Lüneburger Heide Mitte der neunziger Jahre bei einem Open-Air-Konzert: Der Sound war Mist, die Songauswahl auch, und einige der besten Lieder gab’s nur im Sechs-Minuten-Medley. Dafür ’ne ellenlange Langweiler-Ballade namens „Flugzeuge im Bauch“. Dass Westernhagen in Hannover ein Jahr später noch schlechter war, konnte ich nicht ahnen…

CD-Kritik

Herbert Grönemeyer SCHIFFSVERKEHR

(Grönland)

Da ist sie also – Herbert Grönemeyers neue Platte mit elf Songs. Von denen bleiben die langsamen Balladen mehr im Kopf hängen als die Rocknummern. Letztere schwanken – um es mit maritimen Worten auszudrücken – zwischen heiter bis wolkig hin und her. Heiter, weil sie zum Teil an Karnevalsmusik erinnern („Fernweh“), und wolkig, weil die etwas düsteren Texte noch mit Rammstein ähnlichen Beats unterlegt sind („Kreuz meinen Weg“). Vielleicht muss man sich die Songs erst wie eine steife Brise oft genug um die Ohren wehen lassen, um sie zu mögen. Mit voller Kraft voraus fährt das neue Album leider nicht. kk

Anspieltipp: „Deine Zeit“

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