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Schaden am Haus, Fingerkuppe ab: Eimbeckhäuser will jetzt Sicherheit

„Leben wie auf einem Pulverfass“ – die Angst vor dem Schlamm

Eimbeckhausen (st). Seit eine Schlammlawine vor rund einem Jahr sein Haus verwüstet und ihn selbst die Fingerkuppe gekostet hat, lebt ein 46-jähriger Eimbeckhäuser in ständiger Angst vor einer Wiederholung des Szenarios. Starkregenfälle hatten in der Nacht zum 8. Oktober 2009 dazu geführt, dass sich große Schlammmassen von den Feldern rund um Eimbeckhausen in den Ort ergossen haben – auf Straßen und in Wohnhäuser.


Besonders betroffen waren einige Häuser an der Hauptstraße – der Schlamm ist von einem Acker an der Bakeder Straße in den Ort geflossen. Den beberschen Landwirt, der das Feld bewirtschaftet, hat der 46-Jährige Geschädigte auf Schadensersatz verklagt, das Verfahren vor dem Amtsgericht in Hameln läuft – aber es sieht nicht gut aus für den Kläger. Das Gutachten eines von der Landwirtschaftskammer eingesetzten Experten aus Göttingen bescheinigt dem Landwirt dessen Unschuld an dem Vorfall.

Das sieht der Anwalt des Geschädigten ganz anders. „Der Landwirt hat die extrem lange und abschüssige Fläche bis zum Straßenrand in Längsrichtung gepflügt, sodass sich Rillen bildeten, in denen das Wasser hangabwärts fließen und erhebliche Erdmassen mitreißen konnte“, sagt Jörg Scholz aus Barsinghausen. Sein Mandant muss neben dem Schaden am Haus, mit einer amputierten Fingerkuppe leben. „Zu allem Überfluss rutschte er auf dem Schlamm aus und verletzte sich derart an der Hand, dass ein Finger teilweise amputiert werden musste“, so Scholz.

Insgesamt will der Eimbeckhäuser jetzt 7500 Euro vom Landwirt haben. „Viel wichtiger ist meinem Mandanten aber eine Sicherheit, dass so etwas in Zukunft nicht mehr passieren kann“, sagt Scholz. Er verlangt daher für den 46-Jährigen, dass der Bauer zu Vorsorgemaßnahmen verdonnert wird. „Ganz einfach: Querpflügen würde unserer Meinung nach schon genügen, dann kann das Wasser nicht ungehindert das Gefälle hinabfließen und eine solche Geschwindigkeit aufnehmen, dass es die Erdmassen mit sich reißt“, erklärt der Anwalt.

Doch der Landwirt lässt sich darauf nicht ein – Querflügen sei viel zu umständlich. Warum sollte er auch, solange er vor Gericht recht bekommt? Der Gutachter hat dem Landwirt laut Scholz bescheinigt, alles richtig gemacht zu haben und auch in Zukunft nicht anders verfahren zu müssen. „Der Gutachter sagt, es sei ein dummer Zufall gewesen. Aber damit können mein Mandant und dessen Nachbarn – die den Fall gespannt verfolgen – doch nicht dauerhaft klarkommen. Die leben wie auf einem Pulverfass“, sagt Scholz.

Der Anwalt hofft, ein Gegengutachten auf Anforderung des Gerichts einholen zu dürfen. Er hegt Zweifel an der Unparteilichkeit des Gutachters von der Landwirtschaftskammer. „Er ist nach eigenen Aussagen nicht einmal vor Ort gewesen, um das Gutachten zu erstellen.“ Weiter geht das Verfahren am 19. November.

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