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Lachen und Glauben

"Kennen Sie den? Also, einälteres Ehepaar..." Stopp. Witze, Büttenreden, Prachtwagen, die die Politiker parodieren, all das gehörte in den letzten Wochen zum Alltag. Doch am Aschermittwoch ist alles vorbei. Ohne Lachen und Humor wäre unser Leben sehr viel ärmer. Wie befreiend, wenn man in einer Situation, in der man genauso gut weinen könnte, lachen kann.

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Autor:

Astrid Bunselmeyer

Sicherlich kennen Sie auch das Kinderspiel "Kuckuck". Gegenüber einem kleinen Kind versteckt sich ein Erwachsener so weit, dass kein Kontakt der Augen mehr besteht. Das Kind wird meist ganz still, ist gespannt, vielleicht auch ein wenig unruhig, bis der Erwachsene mit einem gerufenen "Kuckuck" wieder auftaucht. Das Kind antwortet mit einem erleichterten und erfreuten Lachen. Den Kleinkindern macht dieses Spiel so viel Spaß, weil sie in dem Vertrauen leben, dass die andere Person wieder auftaucht. Doch in Verbindung mit dem christlichen Glauben oder gar der Passionszeit kann man das Lachen nicht bringen. Oder doch? Die Zeit des Karnevals ist angefüllt mit Lachen über die Welt und sich. Manche Menschen und vor allem Kinder nutzen außerdem die Möglichkeit, in eine andere Rolle zu schlüpfen. So haben Sie vielleicht in den vergangenen Wochen die Erfahrung machen können, dass durch das Komische oder den Rollentausch Begrenzungen aufgehobenwurden, einiges auf den Kopf gestellt wurde. Doch diese Erfahrungen sind flüchtig, nur für eine kurze Zeit ist das Leben leicht. Es stellt sich schnell wieder das ein, was wir jetzt während der Passionszeit anhand des Leidensweges Jesu bedenken. Wir stellen uns bewusst dem, was das Leben schwer macht, Ungerechtigkeit, Schuld, Gewalt, Sünde, Leiden, Tod. Erst am Ostersonntag feiern wir dann, dass Gott die Zusage gegeben hat, dass er von diesen Erfahrungen erlöst, sie auf den Kopf stellt. In manchen christlichen Traditionen ist das Osterfest mit einem Lachen im Gottesdienst am Ostersonntag verbunden. Einem Lachenüber sich und die Welt, aus der Überzeugung oder dem Vertrauen heraus, dass Gott sein Versprechen der Erlösung halten wird, wie das Kind in dem "Kuckuck-Spiel" nach dem Moment der Anspannung auflacht, wenn der Erwachsene wieder auftaucht. Das flüchtige und begrenzte Lachen der Karnevalszeit und das Osterlachen, es ist wie eine Klammer, die die Passionszeit umschließt. Es besteht also durchaus eine Verbindung zwischen dem Lachen und dem Glauben. Der Theologe und Soziologe Peter L. Berger bringt es so auf den Punkt: "In der Welt des Komischen sind die Begrenzungen der menschlichen Existenz auf wunderbare Weise aufgehoben. Die Erfahrung des Komischen ist schließlich ein Versprechen von Erlösung. Religiöser Glaube ist die Intuition - einige zu beglückwünschende Menschen würden sagen: die Überzeugung -, dass das Versprechen gehalten wird." In seinem Buch "Erlösendes Lachen" sind neben den theoretischen Überlegungen natürlich viele schöne Witze zu lesen. Astrid Bunselmeyer ist Pastorin in St. Nikolai.

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