weather-image
17°
Regelung ab Juni / Einigung zwischen Geschäftsführung und Betriebsrat / Bestellungen stark rückläufig

Kurzarbeit bei der Aerzener Maschinenfabrik

Aerzen (cb). Mit Kurzarbeit muss jetzt auch die Aerzener Maschinenfabrik GmbH auf die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise reagieren. Grundlage dazu bildet eine Einigung zwischen Geschäftsführung und Betriebsrat, wie das Unternehmen mitteilte. Die Belegschaft – am Stammhaus in Aerzen sind zurzeit über 1000 Mitarbeiter beschäftigt – ist gestern über die Kurzarbeitsregelung informiert worden.

Kurzarbeit bei der Aerzener Maschinenfabrik

Nach starken Zuwachsraten in den vergangenen Jahren und einem sehr erfreulichen Geschäftsjahr 2008 hatte sich das Unternehmen lange sehr optimistisch gezeigt, von der Finanz- und Wirtschaftskrise nicht so stark getroffen zu werden. Doch mit Zeitverzögerung „und dann in aller Härte“, so Marketingleiter Stephan Brand, sei nun auch die Aerzener Maschinenfabrik davon betroffen. Die Bestelleingänge in den Monaten Februar bis April 2009 seien stark rückläufig. Der Rückgang bewege sich dabei auf dem hohen Niveau des gesamten deutschen Maschinenbaus. Der plötzliche und starke Abwärtstrend liege darin begründet, dass momentan nahezu alle Branchen und alle Regionen gleichermaßen von der Krise betroffen seien und damit kaum Kompensationsmöglichkeiten bestünden. „Das ist das Verheerende an der Situation“, so Brand. „Das hat es so in der Unternehmensgeschichte noch nicht gegeben.“

Das gute Auftragspolster aus dem vergangenen Geschäftsjahr wirkt sich noch positiv auf das erste Halbjahr 2009 aus, so dass die Umsatzpläne voraussichtlich nur leicht unterschritten werden. Für das zweite Halbjahr fehlen momentan jedoch ausreichend neue Bestellungen, so dass die Umsatzziele im zweiten Halbjahr nicht erreicht werden können und somit Kosteneinsparungen zwingend erforderlich sind, wie das Unternehmen weiter erläutert. Geschäftsführender Gesellschafter Klaus-Hasso Heller erklärt, „dass vor allem bei den Standardmaschinen, die normalerweise den Großteil des Auftragseingangs und der Beschäftigung darstellen, der Einbruch am stärksten ist. Bei den Sondermaschinen sind erfreulicherweise noch Projekte vorhanden, die aber alleine nicht die notwendigen Umsätze und Auslastungen erzielen können.“

Vor diesem Hintergrund einigten sich Geschäftsführung und Betriebsrat auf eine Kurzarbeitsregelung. Die Kurzarbeit greift ab dem 1. Juni und ist vorerst bis Ende Dezember 2009 geplant. Sie umfasst eine Reduzierung der Arbeitszeit um 20 Prozent, was einem Tag pro Woche entspricht. Je nach Konjunkturentwicklung kann dabei die Kurzarbeit auf das kommende Geschäftsjahr ausgeweitet oder aber im positiven Fall frühzeitig aufgekündigt werden. Betriebsbedingte Kündigungen sind während der Laufzeit ausgeschlossen, über auslaufende befristete Arbeitsverträge wird fallweise entschieden. „Und um ein deutliches und solidarisches Zeichen zu setzen“, so teilt das Unternehmen mit, würden ebenfalls die Gehälter der Führungskräfte, Ressortleiter und der Geschäftsführung reduziert, ohne dabei jedoch die Arbeitszeiten zu verkürzen.

Betriebsratsvorsitzender Frank Pook betonte, dass nach „langen und schwierigen Verhandlungen“ die Regelung von beiden Seiten getragen werde. Die wesentlichen Forderungen des Betriebsrates seien darin enthalten. Nicht durchsetzen können habe man sich mit dem Punkt, auslaufende befristete Arbeitsverträge grundsätzlich zu verlängern, „um nach dem Ende der Krise mit der kompletten Mannschaft wieder durchstarten zu können“, so Pook. Der Arbeitnehmervertreter verwies darauf, dass der Betriebsrat bereits im März erstmals die Anfrage an die Geschäftsführung gestellt habe, wie sich die weitere Situation entwickele. „Wir sehen ja selbst, wie es mit den Aufträgen aussieht“, berichtete er. Nach einer „eher nebulösen Antwort“ sei dann ein schriftlicher Fragenkatalog des Betriebsrates eingereicht worden. „Danach war klar, was wir bereits geahnt haben“, meinte Pook.

Nach Unternehmensangaben werden neben der Kurzarbeit in nahezu allen Bereichen am Stammsitz zusätzlich alle weiteren Mittel zu Kosteneinsparungen wie bei Sachkosten, Investitionsmaßnahmen und Lagerbeständen genutzt, die ebenfalls weltweit auf alle Aerzener Niederlassungen ausgedehnt werden. Ausnahme bilde hier lediglich der bereits begonnene Neubau einer Fertigungshalle für den Bereich der Sondermaschinen, bei denen Aufträge und Projekte noch vorhanden sind. Dieser Neubau auf dem Aerzener Werksgelände wird abgeschlossen, um die notwendigen Kapazitäten in diesem Produktsegment sicherzustellen.

Marketingleiter Stephan Brand will sich an keinen Spekulationen zur weiteren Entwicklung beteiligen, wie sie beispielsweise zuletzt gestern vom Verband des deutschen Maschinen- und Anlagenbaus geäußert wurden. „Wir trauen uns keine Prognosen zu“, meinte er angesichts der vielen Unwägbarkeiten. „Wir müssen von Woche zu Woche entscheiden.“ Geschäftsführender Gesellschafter Klaus-Hasso Heller betonte, „dass die weltweiten Vertriebs- und Serviceaktivitäten verstärkt werden, um die noch vorhandenen Projekte nach Aerzen zu holen“. Durch das sehr dynamische Wachstum in den letzten Jahren hat sich die Aerzener Maschinenfabrik eine Marktposition erkämpft, die ihr nun helfen wird, die Herausforderungen der globalen Wirtschaftskrise zu meistern, wie das Unternehmen weiter mitteilte.

 

In nahezu allen Bereichen des Stammsitzes in Aerzen mit über 1000 Mitarbeitern wird Kurzarbeit eingeführt. Seit Februar sind die Bestellungen vor allem für die Standardmaschinen stark rückläufig.

Foto: Wal

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare