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77. Schau im Rehazentrum zeigt Aquarelle und Mikrofotografien / Seelenverwandtschaft einer Portanerin und eines Nienstädters

Kunst zwischen Sonnentierchen und Fransenkronen

Bad Eilsen (sig). Jeder Künstler gestaltet die Dinge so, wie er sie sieht. Er besitzt die schöpferische Freiheit dazu. Eine Ausstellung, die zurzeit in der Wandelhalle des "Fürstenhofes" zu besichtigen ist, zeigt die Werke von zwei Kreativen, die eine ungewöhnliche künstlerische Seelenverwandtschaft auszeichnet. Sie ist Kunstpädagogin und gestaltet mit Farbe und Pinsel, er ist Naturwissenschaftler sowie Fotograf und versucht, den Mikrokosmos dem menschlichen Auge zu erschließen.

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Manches von dem, was er durch riesige Vergrößerungen sichtbar macht, findet sich sogar in einigen Bildern der Malerin wieder. Sie verbindet auf diese Weise Sichtbares oder aus dem Unterbewusstsein Hervorgeholtes mit dem eigentlich Unsichtbaren. Die Ergebnisse dieses künstlerischen Integrationsprozesses faszinieren und bedeuten zugleich: Wer diese Ausstellung besucht, muss sich Zeit nehmen. Sonst entgeht ihm vieles, um nicht zu sagen, Wesentliches. Die 77. Kunstausstellung in der Wandelhalle wurde von der Kreativtherapeutin Andrea Nakath eröffnet. Sie stellte das künstlerische Duo vor, dessen Werke noch bis 1. Februar 2009 in der Wandelhalle besichtigt werden können. Hauptsächlich sind das Aquarelle und Ölbilder von Irmtraud Eichner aus Porta Westfalica und Mikrofotografien von Dr. Hans Hallfeld aus Nienstädt. Irmtraut Eichner ist mehrere Jahrzehnte lang als Kunsterzieherin an verschiedenen Schulen tätig gewesen. Ihr künstlerisches Schaffen hat sie in der Freizeit weiter entwickelt und sich dabei keiner Mal- oder Zeichentechnik verschlossen. Überwiegend sind es Szenen, Gedanken oder Erlebnisse aus ihrem Unterbewusstsein, die sie in ihren Bildern wiedergibt. Was sie da sieht oder empfindet, wirkt nur auf den ersten Blick abstrakt. Die Formen des auf diese Weise Dargestellten sind durchaus naturalistisch. Die Künstlerin nennt das Ausschnitte einer Wirklichkeit, wie sie sich in ihrem Innern spiegelt. Vier ihrer Bilder sind in der gemeinsamen Vorbereitung auf diese Ausstellung entstanden. Der Naturwissenschaftler Jens Hallfeld ist gebürtiger Bückeburger. Er hat an der Universität in Hannover Chemie studiert und 2004 promoviert. Die Fotografie hat ihn bereits vor über zwei Jahrzehnten in ihren Bann gezogen. Angefangen hat er mit einer Spiegelreflexkamera und einem Schwarz-Weiß-Labor. Über Makroaufnahmen kam er zunächst zur Großbildkamera und dann ab 2005 zur Arbeit an einem Forschungsmikroskop. Das erschloss ihm den Blick in den Mikrokosmos, der ihn danach nicht mehr losließ. Das Ergebnis sind faszinierende Aufnahmen aus einer Welt, in der wundersam erscheinende Kleinstlebewesen in den unterschiedlichsten Formen und Farben zu Hause sind. Die Auswahl reicht von leuchtenden Grünalgen über filigrane Sonnentiere bis zu sogenannten Rädertieren, die von Fachleuten auch Franzenkronen genannt werden. Dabei hat Jens Hallfeld aber den Blick für das Sehenswerte in der Natur nicht verloren. Das beweisen solche Motive wie eine Rosenblüte, Seerosen und ein Sommersee, mit Infrarot aufgenommen. Gemeinsame künstlerische Interessen führten dazu, dass Jens Hallfeld sogar eine Dokumentation der Bilder von Irmtraut Eichner erstellte. Eine adäquate Künstlerin saß noch am Klavier: Die Pianistin Janne Klein, unter anderem Lehrkraft der Schaumburger Kreisjugendmusikschule, spielte mit kräftigem Anschlag und großem Tempo anspruchsvolle, rhythmisch betonte Kompositionen.

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