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Feier zum 125. Geburtstag des Unternehmens / Mehr als 800 Besucher unter Tage

Kritiker der Barbara sind milde gestimmt

Kleinenbremen (ly). Gekleidet wie ein Bergwerksdirektor eilt Jürgen Müller durch die Stollen. Zur feschen Uniform passt das strahlende Gesicht. "So was habe ich noch nicht erlebt", schwärmt der Barbara-Geschäftsführer. Etwa 800 Menschen haben zu dem Zeitpunkt, eine Stunde vor Toresschluss, die öffentliche Feier zum 125. Geburtstag des Unternehmens besucht, das heute Barbara Erzbergbau GmbH heißt. "Ich habe nicht eine negative Stimme gehört", sagt Müllers Geschäftsführer-Kollege Olaf Lüppes. "Wir sind auf einem guten Weg."

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Ein Teil der Gäste lässt sich in die wenige Kilometer entfernte, noch aktive Grube "Bergmannsglück" fahren. Im Besucherbergwerk, wo die eigentliche Party steigt, will kaum jemand die spektakuläre Laser-Show unter Tage verpassen. Zudem liest unter anderem die heimische Autorin Marlies Kuhlmann, Heimatverein und Dorfgemeinschaft aus Kleinenbremen sowie Nammer Bürger haben Stände, und Barbara-Mitarbeiter Arno Tänzer verteilt als Nikolaus Geschenke an Kinder. Nach diversen Querelen in der Vergangenheit sind die Barbara-Kritiker zurzeit milde gestimmt. Friedrich Vogt etwa, Vorsitzender des Bezirksausschusses, sieht eine Annäherung zwischen Unternehmen und Bevölkerung. "Durch den Verzicht auf eine Sprengfabrik in der Grube ,Bergmannsglück' hat die Barbara Größe gezeigt", lobt er. Ganz allgemein erkennt Vogt einen "Riesenfortschritt, seitdem mit der Familie Wesling ein neuer Eigentümer eingetreten ist". Dennoch werde die Politik den Unter- und Übertagebau immer aufmerksam beobachten. "Ich hoffe, dass die Barbara so, wie sie sich jetzt aufgestellt hat, erfolgreich geführt wird und die Arbeitsplätze gesichert sind", sagt Dietrich Müller-Prasuhn, Minden-Lübbecker Kreistagsabgeordneter und ebenfalls kritischer Beobachter der Firmenpolitik. Eine Grundlage dafür sei die kürzlich genehmigte Vertiefung des Abbaus an der Wülpker Egge. Außerdem hofft der Politiker, dass gleichzeitig die Rekultivierung wie bisher fortgeführt und das Einvernehmen mit den Anwohnern weiter gepflegt werde. Frühere Betreiber hatten "nach Bergherrenart" verfahren. "Doch das hat sich grundlegend geändert." Dieter Lichte (Kleinenbremen), der sich aus der aktiven (Umwelt-)Politik etwas zurückgezogen hat, gehörte ebenfalls zu den Barbara-Kritikern, was sich zum Beispiel durch sein Mitwirken bei der Gründung der Bürgerinitiative "Rettet die Wülpker Egge" ausdrückte. "Der Abbau von Landschaft an der Wülpker Egge einerseits und betriebswirtschaftliche Erfolge des Unternehmens andererseits werden immer zu Spannungen führen", glaubt Lichte. Dass weiterhinüber Tage an der Wülpker Egge abgebaut werde, hält er für eine schlechte Entwicklung. "Es müssen endgültige Grenzen aufgezeigt werden, die dann auch wirklich nicht mehr überschritten werden dürfen." Doch auch Lichte scheint überwiegend versöhnlich gestimmt. Transparenz und Zusammenarbeit mit dem neuen Besitzer seien deutlich besser geworden. Rückblickend habe der Bergbau dieser Region in 125 Jahren "eindeutig mehr gegeben als genommen".

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