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Naturschutzbund: Messingsberg nicht anrühren - und für Tourismus nutzen

Kritik an Planern: "Naturschutz bisherüberhaupt nicht beachtet"

Steinbergen/Landkreis (wer). Spricht Dr. Holger Busch-mannüber die Zukunft des Messingsberges, ist wenig Pessimismus zu hören. Einen "Schandfleck" will der Naturschutz-Experte in ein "Juwel" verwandeln. Den Mitgliedern des Kreisumweltausschusses hat Buschmann am Montag auch erklärt, wie es gelingen soll, aus der Bergruine eine Attraktion für sanften Tourismus zu machen: vor allem durch Nichtstun.

Abgerutschter Messingsberg - Potenzial für ein naturtouristische

Der Artenschutzbeauftragte des Naturschutzbundes plädierte vor den Umweltpolitikern des Landkreises vehement für eine "Null-Lösung". Das heißt: Der Berg soll nicht weiter angetastet werden, die Natur den Steinbruch zurückerobern. Die Null-Variante, die auf der Linie der Rintelner Ratsresolution vom 30. Juni 2005 liegt, steht im deutlichen Widerspruch zur bisher bekannt gewordenen Planung der Norddeutschen Naturstein GmbH (NNG), die den Berg im Rutschbereich abtragen und die Kammlinie tieferlegen will. Buschmann konterte die Argumente der Steinbruch-Betreiber: Weder die Sicherheit noch die Folgenutzung des Berges seien durch den Abrutsch beeinträchtigt worden, sondern allein die Natur. Gefährlich sei die Situation vor allem vor dem Bergrutsch gewesen, als niemand die Gefahr wahrgenommen habe. Die jetzt geführte Debatte um Sicherungsmaßnahmen verwies er denn auch in den Bereich der Psychologie: "De facto gibt es heute eine höhere Sicherheit, denn wir wissen, wo es gefährlich ist." Auch warnte Buschmann vor der Illusion, ein Abtrag imöstlichen Teil schaffe Sicherheit: "Was ist mit dem instabilen Westbereich?" Auch dieser dürfe kaum betreten werden, der Abtrag suggeriere nur Sicherheit. Eine Nutzung der Flächen sei vor dem Bergrutsch nur sehr begrenzt möglich gewesen, auch dies könne insofern nicht als legitimes Argument für einen Abtrag gelten. Die entstehende Delle in der Kammlinie störe außerdem das Landschaftsbild, und die geplante Aufforstung zerstöre artenreiche Lebensräume. "Der Naturschutz wird bisherüberhaupt nicht beachtet. Absolut Null", kritisierte der Biologe die Planung des Unternehmens. Der Nabu setzt deshalb auf die natürliche Begrünung der Geröllhalde und will den Berg - mit abgesperrten Bereichen - sich selbst überlassen. Buschmann dachte auch laut darüber nach, die natürliche Renaturierung offensiv zur touristischen Attraktion zu erheben. "Momentan ist die Attraktion negativ besetzt." Aber schneller als beim Abtrag, schon in zehn bis 20 Jahren, sei die Geröllfläche wieder grün. "Die Rückeroberung durch die Natur zu beobachten, ist eine einmalige Chance für naturfreundlichen Tourismus", öffnete Busch mann zumindest eine neue Tür des Nachdenkens. Auch eine Nutzung für Mountainbiker sei möglich - obgleich kein lupenreiner Naturschutz mehr, sei dies eine Option, die dem Grundeigentümer entgegen komme. Kreisdezernentin Ursula Krahtz ging vorsichtig auf Distanz zum Naturschutzbund. Die Null-Lösung sei eine "100-Prozent-Variante", in den laufenden Gesprächen indes sei eine "Kompromisslösung in Sicht". Auch Thomas Wolff, Bereichsleiter der NNG, stellte klar: "Das ist eine 100-Prozent-Lösung, die es so nicht geben wird." Die Entscheidung liegt beim Gewerbeaufsichtsamt Hannover, der Landkreis ist jedoch am Verfahren beteiligt. Derzeit wird eine Antragskonferenz mit Behörden und Verbänden vorbereitet.

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