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Umfrage am Rande der Autobahn: Fernfahrer fordern mehr Polizeikontrollen auf der A 2 - auch für Pkw

"Kreuze und Banner sind rausgeworfenes Geld"

Rehren (la). Es ist 19 Uhr, im Rehrener Gewerbegebiet rollen die Lastwagen ein. Die Fernfahrer sind auf der Suche nach Schlafplätzen oder müssen einen Stopp einlegen, um ihre Lenkzeiten einzuhalten. Für fast alle ist die Autobahn 2 eine zweite, zurzeit sehr ungeliebte Heimat geworden. "Es ist gefährlich auf der A2 unterwegs zu sein und ich bin immer wieder froh, wenn ich heil zu Hause angekommen bin", sagt Trucker Mario Birau aus Berlin.

Unterwegs im Zeichen des Kreuzes: Die meisten Lkw-Fahrer sind sk

Die Polizeidirektionen Hannover und Braunschweig haben zusammen mit der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr eine europaweit einzigartige Verkehrssicherheitsaktion initiiert. Entlang der A 2 wurden vor einigen Wochen drei Meter hohe weiße Kreuze aufgestellt und Banner aufgehängt, die dreisprachig auf die große Gefahr auf der Strecke hinweisen und Lastwagen- und Pkw-Fahrer dafür sensibilisieren sollen (wir berichteten). Wir haben einmal nachgefragt, was insbesondere die Lkw-Fahrer von dieser Aktion halten. "Mag sein, dass einige Fahrer darüber nachdenken, wenn sie die Kreuze sehen, aber was soll ich bei 80 km/h noch vom Gas gehen?", meint Werner Eickelmann aus Uelzen zu der Aktion. Die Kreuze hält er für völlig überflüssig, die mahnenden Texte auf den Bannern hingegen für sinnvoll. "Diese Plakate mit den Texten bleiben länger im Kopf", sagte Eickelmann. "Da ist wohl wieder jemand von uns gegangen", sind die Gedanken von Björn Mielke aus Zingst an der Ostsee beim Blick auf die Kreuze. Das sei es dann aber auch. "Ich finde diese Kreuze eher ablenkend", so Mielke. Er sei lange in Schweden gefahren und da seien die Baustelleneinfahrten sicherer gestaltet. "Außerdem kontrolliert dort die Polizei wesentlich häufiger und strenger. Das fehlt hier", meint Mielke. Vor allen die ausländischen Lastwagen müssten öfter gestoppt und kontrolliert werden. "Die Polen überholen und drängeln sich dann wieder dazwischen. Das ist gefährlich", schimpft der Trucker. "Die Kreuze und Banner sind weggeworfenes Geld. Für die Steuergelder sollten lieber die Kontrollen verstärkt werden. Aber nicht nur die Trucker, sondern auch die Autofahrer müssten viel strenger kontrolliert und bestraft werden. Wir wissen, dass wir gefährlich leben. Wir stehen täglich wegen Unfällen im Stau und sehen, was auf der Autobahn passiert", sagte Mario Birau . Häufig würden die Pkw-Fahrer "wilde Sau" spielen, überholen, einscheren, Lkw-Fahrer ausbremsen und so in Gefahr bringen. "Wenn wir dann nicht mehr bremsen können und 40 Tonnen ,einrasten´, dann gibt es Tote und wir sind natürlich Schuld", so Birau. "Unfälle bauen nur Fahrer, die nicht genug im Kopf haben - und bei denen helfen dann auch keine Kreuze oder Schilder", meinte Alexander Oaermenco , der mit seinem Lastzug in Düsseldorf gestartet war. Auch er fordert mehr Kontrollen - und die vor allem bei ausländischen Fahrzeugen. "Ich habe auf der Autobahn einen Schulfreund verloren, aber die Kreuze halte ich trotzdem für sinnlos. Sie berühren mich nicht, aber ich halte mich auch immer an die Geschwindigkeitsbegrenzungen", sagte Thomas Cluesmann aus Hannover, der mit seinem Pkw unterwegs war. "Es sind einfach viel zu viele Lastwagen auf der Autobahn. Da bekommt man es wirklich mit der Angst zu tun. Ich glaube nicht, dass die Kreuze die Lastwagenfahrer zum langsamen Fahren mahnen", sagte Melanie Warmstedt aus Dortmund. Und schließlich seien mit den Kreuzen und Bannern ja die Trucker und nicht die Pkw-Fahrer gemeint. Denn die meisten Unfälle würden doch von denen "produziert". "Bei dem wichtigen Brennpunkt, der A 2, konnte die Polizei mit dem Aktionsprogramm, bestehend aus verschärften Kontrollen und den Kreuzen und Schildern, gewisse Erfolge erzielen", sagte dagegen Polizeipräsident Hans-Dieter Klosa gestern in einem Pressegespräch. Dennoch zeichne sich nach Aussage von Klosa inzwischen deutlich ab, dass "alle bisherigen Maßnahmen nicht ausreichen, um die Situation auf der A 2 nachhaltig zu entspannen".

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