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"Männerschweiß macht Frauen heiß", findet Simone Fleck im Kurtheater / Kittelkleid im Duschvorhang-Design

Krankenschwester Roswitha sackt den meisten Beifall ein

Bad Eilsen (bus). Erstaunlich, erstaunlich, was eine resolute Krankenpflegerin so alles auf die Reihe bekommt - am Sonnabend hat eine Schwester namens Roswitha die komplette Besucherschar des Bad Eilser Kurtheaters dazu animiert, sich gegenseitig den Puls zu fühlen. Hinter der "Dame in Weiß" verbarg sich die Kabarettistin Simone Fleck, die ihr aktuelles Programm "Männerschweiß macht Frauen heiß" präsentierte. Fleck hatte außer Roswitha etliche andere Charaktere im Gepäck. Das Publikum lernte eine niederländische Quizmasterin, Supermarkt-Susi, eine masochistisch veranlagte Mutter und Hannes vom Verein "Fertige Männer" kennen - und natürlich Tante Irmengart.

Krankenschwester Roswitha kennt sich aus in der Gesundheits- und

Irmengart war, da Frau Fleck angeblich beim antizyklischen Eierstocktanzen weilte, zunächst in ein Kittelkleid im schmucken Duschvorhang-Design (Material: Freilaufende Viper) und dann in die Rolle der Moderatorin geschlüpft. Die Tante benötigte im Anschluss an ein kokettes "Nabend, Hallöchen" nur wenige Sätze, um den weiblichen Teil des Auditoriums auf ihre Seite zu bringen. Spätestens mit der rhetorischen Frage "was können die Männer dafür, dass der liebe Gott ihnen einen Knüppel zwischen die Beine geworfen hat?" hatte sie dessen Sympathiepotenzial hinter sich. Dass sich auch das vermeintlich starke Geschlecht trotz einiger stattlicher Seitenhiebe nicht lange zierte, war der Ausgeglichenheit geschuldet, mit der Irmengard schließlich zur Sache ging. "Der normale Mensch ist intelligent, aber Ausnahmen haben die Regel", merkte sie spitz an. Und: "Je faltiger die Haut, desto größer die Bewegungsfreiheit". Auch wenn die Quizmasterin eine 14-tägige Traumreise nach Minden zu verschenken und Susi lieber einen Fachmann denn ein Fachbuch im Bett hatte, wenn die überverständnisvolle Mama daheim und Hannes bei einer Domina-Bekanntschaft unter die Räder zu geraten drohten - Schwester Roswitha sackte den meisten Beifall ein. Nachdem der vierschrötige Weißkittel die (männlichen) Besucher nach Läusen, Hämorrhoiden, Nasenschwamm und Ohrhaaren visitiert und die Pulsfühlung in Szene gesetzt hatte, redete sie einer unorthodoxen Gesundheits- und Rentenpolitik das Wort, deren urwüchsiger Einfallsreichtum kaum zu toppen war. "Rauchen wird in Zukunft belohnt", machte sie auf den gesamtwirtschaftlichen Vorteil des frühen Hinscheidens aufmerksam. "Für 30 Jahre erfolgreiches Rauchen gibt's eine Gratiseinäscherung." Auch eineÜberlegung wert: Extremsportangebote für Senioren - "wer mit 70 noch Drachenfliegen lernt, bekommt Bonuspunkte bei der Rente" - oder Bungeejumping im Altersheim, Gratissprünge für Herzkranke inklusive. "Und ab 80 können wir dann auch schon mal ohne Gummi springen." Bei den eventuell anstehenden Reparaturarbeiten sei nach den Leitgedanken "AOK - Alles Ohne Kosten" sowie "selber aktiv und kreativ werden" zu verfahren. Schwester Roswithas Empfehlung: "Wir operieren uns selbst." Zur Not könnte Dr. Burda beim Tritt auf die Kostenbremse behilflich sein und die bewährten Schnittmusterbögen zur Verfügung stellen.

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