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Korruption: Bereits zehn Fälle bekannt

Bad Nenndorf /Hildesheim (rwe). Gut zwei Wochen nach der Razzia im Nenndorfer Bauamt verdichten sich die Hinweise auf die Machenschaften des korruptionsverdächtigen Mitarbeiters. Mittlerweile sollen den Ermittlern etwa zehn Delikte bekannt sein, die wohl alle nach dem gleichen Strickmuster verliefen. Offiziell will sich die Staatsanwaltschaft derzeit nicht zu dem Verfahren äußern.

Von "guten Fortschritten" ist bei der Zentralen Kriminalinspektion in Hildesheim die Rede, wenn es um den Korruptionsfall aus dem Rathaus in Bad Nenndorf geht. Denn dort im Fachkommissariat für Korruption und Wirtschaftskriminalität gehen die Hinweise ein, die in erster Linie von betroffenen Hauseigentümern kommen, die sich offenbar auf einen Deal mit dem Angestellten aus dem Bauamt eingelassen haben. Dieser sitzt seit zehn Tagen in Untersuchungshaft in Hannover. Der Verdacht: Schwere Bestechlichkeit und Erpressung. Der Angestellte soll den Bauherren beim Anschluss ihres Eigenheims an den Kanal zu günstigen Konditionen seine Hilfe angeboten haben. Er engagierte nach Ansicht der Fahnder eine Kanalreinigungsfirma, gegen die ebenfalls ermittelt wird, und kassierte dafür. Dabei sollen alle Fälle nach dem gleichen Strickmuster verlaufen sein. Der Mitarbeiter kam durch den Kanalanschluss mit denEigentümern in Kontakt und unterbreitete ihnen vermutlich von sich aus die Offerte. Am Ende knöpfte er ihnen den ausgehandelten Betrag in bar ab. Aber nicht alle Bauherren gingen auf den Deal ein. Es meldeten sich auch Zeugen, die den Vorschlag abgelehnt hatten. Manche hätten erwogen, sich im Rathaus nach der Rechtmäßigkeit zu erkundigen, es dann aber unterlassen. Einer vertraute dem Mann so weit, dass er das für das normale Vorgehen der Behörde hielt. Nur über das Fehlen einer Quittung soll er sich dem Vernehmen nach gewundert haben. Als er von der Razzia und der Festnahme in der Zeitung las, fiel der Nenndorfer nach eigenen Worten "aus allen Wolken". Der verdächtige Mitarbeiter sei dabei sehr geschickt vorgegangen, haben die Polizisten mittlerweile herausgefunden. Er habe seinen Stil dem Gegenüber und der Situation angepasst, in dem er Druck ausgeübt oder sich auch mal eingeschmeichelt haben soll. Wie allerdings die vermuteten finanziellen Transaktionen zwischen dem Verdächtigen und der Kanalfirma abliefen, darüber rätseln die Fahnder noch.

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