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Vor Gericht: Strafe schon abgesessen

Kokain-Dealer verlässt Gericht als freier Mann

Bückeburg (ly). Letzte Chance für einen Drogenhändler: Der einschlägig vorbestrafte Kleinenbremer ist zwar schuldig, muss aber nicht (zurück) ins Gefängnis. "Beim nächsten Mal hat der Angeklagte von der Justiz jedoch keinerlei Entgegenkommen mehr zu erwarten", kündigte Richter Dr. Dirk von Behren vom Bückeburger Amtsgericht an.

Nur vier Tage nach seiner jüngsten Verurteilung zu einer 23-monatigen Bewährungsstrafe hatte der Portaner (30) in Hannover erneut Kokain gekauft, diesmal fünf Gramm. Dafür verhängte das Bückeburger Schöffengericht nun sechs Monate Gefängnis, die allerdings durch die Untersuchungshaft bis zum Prozessbeginn bereits abgesessen sind. Den Gerichtssaal verließ der 30-Jährige daher als freier Mann. Zwei Jahre Freiheitsstrafe mit Bewährung gab's noch einmal für zwei weitere Taten, die jedoch schon länger zurückliegen und nicht als Rückfall gelten. In die neuerliche Bewährungsstrafe wurde das vorausgegangene Urteil vom Dezember vergangenen Jahres einbezogen. Damals war es um zehn Fälle gegangen (wir berichteten). Weil seitdem "nur" eine neue Tat hinzugekommen, erscheint die recht moderate Entscheidung nach Auffassung von Juristen vertretbar. Zu den Bewährungsauflagen gehören unter anderem 300 Stunden gemeinnütziger Arbeit. Außerdem muss der Kleinenbremer sich noch im Juni einer stationären Drogenbehandlung unterziehen. Er ist offenbar selbst abhängig und hätte die Therapie als Häftling nicht antreten können. In den drei Fällen von Drogenhandel, um die es im Prozess ging, waren jeweils Mengen bis zu zehn Gramm Kokain im Spiel, die der 30-Jährige erworben oder verkauft hatte. Abnehmer war ein anderer Dealer, gegen den vom selben Gericht kürzlich eine Geldstrafe verhängt worden ist. Um ein Opfer im üblichen Sinn handelt es sich bei diesem Mann nach Einschätzung der Bückeburger Richter allerdings nicht. Der angeklagte Portaner, der sich am Ende doch noch zu einem Geständnis durchrang und von der U-Haft beeindruckt schien, wirkte geknickt. Sogar Verteidiger Ralf Jordan hatte den 30-Jährigen ins Gebet genommen und erklärt, dies sei die letzte Chance, sein Mandant müsse dringend an sich arbeiten. "Der Angeklagte muss sich vor allem im Klaren darüber sein, dass er durch Drogendelikte nicht mehr in Erscheinung treten darf", betonte Richter von Behren.

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