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Eigenverantwortliche Schule: CDU-Landtagsabgeordneter Klare diskutiert mit Schulleitern und Eltern

"Können Lehrer dann auch entlassen werden?"

Rinteln (la). Kontrovers diskutiert haben Schulleiter und Mitglieder des Stadtelternrates mit dem stellvertretenden Vorsitzenden der CDU-Landtagsfraktion, Karl-Heinz Klare, der auf Einladung der CDU Rinteln und des CDU-Kreisverbandes zu Gast war. Das Thema: der zweite große Schritt der Schulreform, die Einführung der eigenverantwortlichen Schule.

In seinem Referat ging Klare auf die schlechten Pisa-Ergebnisse ein und erläuterte, dass zehn Prozent aller Schüler eines Jahrgangs die Schule ohne Abschluss und damit ohne Perspektive verlassen und 15 Prozent zwar einen Abschluss, aber keine Ausbildungsfähigkeit erreichen würden. "Das sind ein Viertel aller Schüler. Hier mussten wir dringend handeln. An den Schulen muss wieder ein Klima von Leistung erzielt werden", so Klare. Ein Mittel auf dem Weg zum Erfolg soll die eigenverantwortliche Schule sein. "Mehr Eigenverantwortlichkeit macht die Schulen besser und wir brauchen Qualitätsschulen", stellte Klare fest. Die Schulleiter erhielten in der eigenverantwortlichen Schule mehr Gestaltungsmöglichkeiten. "Das geht bis hin zu Personaleinstellungen", erklärte Klare. An der Gesamtkonferenz würden künftig nur Pädagogen teilnehmen, es würden ausschließlich pädagogische Fragen erörtert. Eine Revolution im Schulsystem sei die Einführung eines Schulvorstandes, der zu 50 Prozent aus Lehrern und zu je 25 Prozent aus Eltern und Schülern bestehen soll. An den Grundschulen sollen die Vorstände zu 50 Prozent aus Eltern bestehen. "So bekommen Eltern mehr Mitsprache- und Entscheidungsrecht und das Interesse an Elternarbeit wird hoffentlich steigen", meinte Klare. Über den gesamten Gremien "schwebe" dann der Schulleiter, der auch direkter Dienstvorgesetzter der Lehrer werden soll. "So kann mehrFlexibilität erreicht werden, etwa beim Einsatz von Vertretungslehrern." Kritisch hinterfragt wurden die Ausführungen des Landtagsabgeordneten aus dem Stadtelternrat: "Hat man die Schulreform nicht etwas zu schnell und ohne ausreichende Vorbereitung umgesetzt? Sind davon nicht Schulleitungen, Lehrer und betroffene Jahrgänge überrollt worden?" "Ja", räumte Klare ein, "vielleicht haben wir sogar etwas zu schnell gehandelt. In jedem Fall wurden die Schulleitungen und die Lehrer bis an die Grenzen der Belastbarkeit geführt, und auch die Schüler hätten vielleicht durch zusätzliche Stunden in der Übergangszeit besser betreut werden können." Auch Horst Ahlswede, Leiter der Grundschule Nord, gab zu bedenken: "Wir bekommen täglich neue Konzepte und Erlasse vorgelegt. Manchmal kann Eigenverantwortlichkeit auch eine große Belastung sein." "Wo sind die vielen neu eingestellten Lehrer geblieben? Warum fällt noch immer so viel Unterricht aus?", kam die nächste Frage aus dem Stadtelternrat. "Theoretisch sind alle Schulen mit ausreichend Unterrichtsstunden ausgestattet. Allerdings können wir nichts gegen einen Krankenstand von fünf Prozent bei den Lehrern machen", antwortete Klare. Auch die Spezialisierung der Schulen auf bestimmte Bereiche, zum Beispiel Naturwissenschaften, bewertet der Stadtelternrat als schwierig: "Wenn ein Kind völlig andere Fähigkeiten hat, dann muss es eine Schule in einer anderen Stadt besuchen. Das wollen wir aber sicher nicht." Besonders interessant sei allerdings die Frage, ob die Schulleiter als Dienstvorgesetzte in Zukunft nicht nur für Einstellungen zuständig sind, sondern auch für Entlassungen. "Eine interessante und wichtige Frage, die ich in der kommenden Woche im Plenum ansprechen werde", griff Klare diese Anregung auf.

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