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Weihnachtshilfe: Im Winter lebte Margot F. ohne Heizung

Kochen in Mütze und Mantel

Landkreis (kcg). Dicke Pullover, ein Wintermantel, Mütze und Handschuhe haben Margot F. im vergangenen Winter nicht nur im Freien vor der Kälte geschützt. Auch in ihrem Wohnhaus konnte es die 69-Jährige nur in warmer Kleidung aushalten, weil ihre Rente nicht für die Heizölkosten ausreichte.

Not mit der Wärme: Für Kleinrentnerin Margot F. sind die Heizkos

Die vergangenen Wintermonate seien sehr schlimm gewesen, erinnert sich die Rentnerin. Seit 25 Jahren lebt sie in ihrem Elternhaus, einem mehr als 90 Jahre alten Bauernhaus in einer kleinen Gemeinde in Schaumburg. Während sie das Gebäude in den Vorjahren wenigstens etwas heizen konnte, blieb der Tank für die Ölheizung 2007 leer. "Ich saß hier mit Mantel und Handschuhen", sagt F. und berichtet von Tagen, an denen ihre Hände so steif gewesen seien, dass sie nicht einmal mehr eine Zeitung halten konnte. Eine Nierenbeckenentzündung war die Folge und auch die Beweglichkeit der unter Arthritis und Arthrose leidenden Frau ist seitdemnoch weiter eingeschränkt. Nicht nur für die Heizkosten sei ihre Rente von 635 Euro zu wenig. Von dem Geld müsse sie ihr Auto finanzieren, das sie vor allem für die Fahrten zum Arzt brauche. Ihre Diabetes mache eine besondere Ernährung notwendig, für die sie meist teurere Lebensmittel kaufen müsse. Doch vor allem macht der Rentnerin der Unterhalt ihres Elternhauses Sorgen. "Der Schornstein muss für 3000 Euro saniert werden, sonst wird die Heizung ganz stillgelegt", erklärt F.. Bis vor acht Jahren hatte sie einen Teil ihrer Wohnung untervermietet und konnte gut von ihrer Rente und den Mieteinnahme leben. "Aber um erneut vermieten zu können, müsste ich die Zimmer renovieren", so die 69-Jährige. Einen wärmeren Winter wird F. in diesem Jahr erleben. Doch über die Finanzierung des zur Hälfte gefüllten Öltanks macht sich die Rentnerin Gedanken. Zwar bekomme sie einen Zuschuss, für den Rest des Betrages müsse sie allerdings einige Möbel verkaufen und noch sparsamer von ihrer Rente Leben als bisher. Trotz ihrer finanziellen Lage kommt für F. nicht infrage, in eine Wohnung zu ziehen und ihr Haus zu verkaufen. "Viele Menschen fragen mich, warum ich nicht ausziehe. Aber ich habe Angst, die Miete für eine Stadtwohnung von meiner Rente nicht bezahlen zu können." Der Erlös aus einem eventuellen Verkauf würde für ein sorgenfreies Leben in der Stadt nicht ausreichen. Ein Sachverständiger hatte den Wert des stark sanierungsbedürftigen Hauses auf rund 60 000 Euro geschätzt, den F. mit der Erbengemeinschaft teilen müsste. Zudem sei es rechtlich gar nicht möglich, dass F. als Vorerbin die Entscheidung trifft, das Haus zu verkaufen. Doch weit schwerer wiegt der emotionale Grund, weiterhin in ihrem Heimatdorf zu wohnen: "Das hier ist mein Elternhaus, an dem ich hänge. Ich bin erdverbunden und liebe den Garten und die Weite der Landschaft", erklärt F.. Die Angst, mit ihrem Haus auch die eigene Unabhängigkeit zu verlieren, sei letztlich stärker als die Angst vor einem kalten Winter. Margot F.s finanzielle Sorgen hinsichtlich der gestiegenen Energiekosten seien kein Einzelfall, betont Ursula Müller-Krahtz, Vorsitzende des Sozialvereins. "Gestiegene Kosten für Öl, Strom und Gas sind ein Problem, das uns zunehmend beschäftigt." Oft würden die Sozialleistungen bei den Betroffenen nicht ausreichen, da sie den gestiegenen Energiekosten nicht angepasst worden seien. Müller-Krahtz sieht es als notwendig an zu prüfen, ob die Sätze der Sozialleistungen entsprechend der Energiepreise erhöht werden müssen.

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