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Wenn Silvester Funken sprühen, flattern bei Tieren die Nerven

Knallfrösche sind im Reich der Tiere nicht willkommen

Bückeburg (jp). Alle Jahre wieder das gleiche traurige Spiel: Während die Bundesbürger zum Jahreswechsel - geschätzt - einhundert Millionen Euro in den Himmel schießen, leiden ihre vierbeinigen und gefiederten Hausgenossen sowie Tiere in Landwirtschaft und freier Wildbahn allerschlimmste Qualen. Sobald Raketen, Chinaböller, Knallfrösche und Tisch-Fontänen ihrer feurigen Bestimmung entgegen gehen, bricht für Hund, Katze Kaninchen und Wellensittich der blanke Horror los.

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Was alles Schlimmes im Zusammenhang mit Tieren und Feuerwerk passieren kann, davon können Tierschützer und Tierärzte viel Trauriges berichten. Das Tierheim Bückeburg vermittelte vor einigen Jahren einen Hund, den seine neuen Besitzer zu Silvester mit auf den Campingplatz nahmen. "Das Feuerwerk setzte das Tier so in Panik, dass es floh und danach nie wiedergefunden wurde", berichtet die Vorsitzende des Tierschutzvereins, Monika Hachmeister. Ein anderer, vom Tierheim vermittelter Hund wurde auf der Flucht vor dem Raketeninferno von einem Zug überfahren. Eine heimische Tierärztin verweist auf die oft nicht absehbaren Folgeschäden: "Vor allem Hunde können schwer traumatisiert werden und bleiben dann für ihr ganzes Leben verhaltensgestört." Auch Katzen können im Freien durch das plötzlich über sie hereinbrechende Licht- und Knallgewitter jegliche Orientierung verlieren, von Bäumen stürzen oder in den Straßenverkehr geraten. Zum alljährlichen Verkaufsstart der Böller und Raketen appelliert auch der Deutsche Tierschutzbund, Rücksicht auf Vierbeiner zu nehmen. Tiere seien durch die Knallerei extremen Schockwirkungen ausgesetzt, könnten in Panik geraten und durch herumfliegende Feuerwerkskörper schwer verletzt werden, so derVerband in einer Mitteilung. Mit Rücksicht auf Wildtiere dürfen Feuerwerke auf keinen Fall am Waldrand, in Parkanlagen oder an Uferregionen gezündet werden. "Knallerfreie Zonen" sollten alle Orte sein, an denen sich Tiere aufhalten. Dazu gehören auch Häuser von Tierbesitzern, Tierheime, Stallungen, Koppeln und Weiden. Wie sollte man nun als Tierbesitzer mit Silvesterfeuerwerk umgehen? "Am besten gar nicht", empfiehlt Dr. Wilhelm Brase, Leiter des Kreisveterinäramts des Landkreises Schaumburg. Doch auch der vernünftigste Tierbesitzer kann nicht in Frieden Silvester feiern, wenn beim Nachbarn die Chinaböller explodieren und Raketen in den Himmel steigen. "Haustiere sollten daher unbedingt rechtzeitig in einem möglichst schallgeschützten und abgedunkelten Raum untergebracht werden", rät der Kreisveterinär. Katzen mit Freigang müssten rechtzeitig eingesperrt und alle Fluchtmöglichkeiten gesichert werden. "Dazu gehört auch, dass bei einer Silvesterparty nicht irgendwelche Zimmertüren versehentlich von Partygästen geöffnet werden und Tiereso ins Freie gelangen", rät die Tierschutzvereins-Vorsitzende Monika Hachmeister. Besonders empfindlichen Tieren kann ein Tierarzt vorab ein Beruhigungsmittel verabreichen: "Aber bitte rechtzeitig und nicht erst am Silvesterabend um 22 Uhr!" Auf gar keinen Fall sollten Beruhigungspräparate ohne Rücksprache mit einem Tierarzt verabreicht werden.

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