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Verhandlungen weit fortgeschritten / Mitarbeiter signalisieren Zustimmung

Klinik-Verkauf kurz vor dem Abschluss

Bad Münder. Die Verhandlungen zum Verkauf der Deister-Süntel-Klinik stehen offenbar kurz vor dem Abschluss. Gestern stand die Unterzeichnung von Vorverträgen an, nachdem Verdi und der Marburger Bund Zustimmung zu den  Sanierungstarifverträgen signalisiert hatten.

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Autor:

Mira Colic und Jens Rathmann

Bad Münder. Die Verhandlungen zum Verkauf der Deister-Süntel-Klinik an ein Konsortium um Dr. Reinhard Wichels stehen offenbar kurz vor dem Abschluss. Gestern stand die Unterzeichnung von Vorverträgen an, nachdem in den vergangenen Tagen Verdi und der Marburger Bund Zustimmung zu den verhandelten Sanierungstarifverträgen signalisiert hatten. Das „Closing“, der Übergang der Unternehmensanteile auf den Käufer, wird für Februar erwartet.

Verhandelt wird über den Verkauf eines Paketes, das die Deister-Süntel-Klinik, die Klinik in Hann. Münden und die Tochtergesellschaft für Prävention und Rehabilitation der insolventen Arbeiterwohlfahrt Gesundheitsdienste umfasst. Mitte April hatten die Awo GSD für diese Unternehmensbereiche Antrag auf Planinsolvenz gestellt. Als Bevollmächtigter wurde dafür der hannoversche Anwalt Dr. Rainer Eckert vom Insolvenzgericht bestätigt.

Mit besonderer Sorge haben die münderschen Mitarbeiter in den vergangenen Wochen auf die Entscheidung der im Marburger Bund vertretenen Ärzte in Hann. Münden geschaut – an ihrer Ablehnung war im Juli ein Verkauf der kompletten Awo-GSD-Einrichtungen gescheitert. Auch in der jüngsten Verhandlungsrunde sei die Entscheidung erst nach Beratungen auf Bundesebene gefallen. „Zwischenzeitlich war der Ton in den Verhandlungen etwas schroffer“, sagt Ute Giesecke, Betriebsratsvorsitzende der Awo GSD. Im Ergebnis sieht der Sanierungsbeitrag der Ärzte eine Erhöhung der wöchentlichen Arbeitszeit von 40 auf 42 Stunden vor, bei den übrigen Beschäftigten entfällt für die Dauer von zwei Jahren die Jahressonderzahlung, Löhne und Gehälter werden auf dem aktuellen Niveau eingefroren. Ab 2018 sollen sie wieder an das Tarifniveau angeglichen werden. „Wir haben Federn gelassen, aber grundsätzlich ist die Entwicklung positiv“, so Giesecke.

Dass der Verkauf kaum ohne Entlassungen möglich sein wird, war schon früh erwartet worden. Entgegen ersten Spekulationen scheint sich die Zahl der Entlassungen in Bad Münder aber in engen Grenzen zu halten – anders als in Hann. Münden, wo zwei Kliniken zu einer verschmolzen werden. Drei Transfergesellschaften sollen eingerichtet werden.

Nicht vom Verkauf betroffen sind die GSD-Tochter Logistik und die – wirtschaftlich autarke – Reha-Klinik Bad Münder. „Hier ist noch kein Investor in Sicht“, sagt Dr. Barbara Koller, Leitende Ärztin der Reha-Klinik. In dieser Situation sei es wichtig, die Patientenzahlen auf einem hohen Niveau zu halten. „Das verschafft uns Zeit, um in Ruhe verhandeln zu können“, erklärt sie. In den vergangenen Monaten habe die Reha-Klinik, die 2016 ihr 20-jähriges Bestehen feiern will, ihr Ziel nicht voll erreichen können. Koller erklärt dies mit der Verunsicherung der Patienten. „Sobald das Wort Insolvenz fällt, sinken die Belegungszahlen. Die Bevölkerung reagiert da sehr empfindlich.“ Erfreulicherweise habe die Reha-Klinik jedoch bei den Mitarbeitern alle bisher frei gewordenen Stellen wieder besetzen können, und das trotz des Fachkräftemangels in der Branche. „Es wird für unsere Mitarbeiter ein spannendes Jahr“, weiß Koller. Eingeläutet wird dies in der Reha-Klinik heute mit einem großen Buffet und Musik.

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