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Immer im Hintergrund: Die Fachdienstbereitschaft des DRK-Landesverbandes probt den Ernstfall

"Kleine Wichtel, die immer vergessen werden"

Obernkirchen. Am Schluss, als das Elbhochwasser in Lüchow-Dannenberg unter Kontrolle war, erschien der Landrat, dankte den Männern von der Küche öffentlich und spendierte ihnen auf Landkreiskosten drei Bier. Und Dieter Dettmer von der Fachdienstbereitschaft sprach aus, was alle dachten: "Wir sind die kleinen Wichtel, die immer vergessen werden."

Andreas Bruns

Autor:

Frank Westernmann

Denn ohne die Männer der Fachdienstbereitschaft des DRK-Landesverbandes Niedersachsen könnten die Köche gar nicht kochen, gebe es keinen Strom, keinen Unterstand und auch keine Unterkünfte. Die Fachdienstbereitschaft kümmert sich um die Logistik, die Technik und die Sicherheit - wenn die anderen kommen, haben sie ihre Arbeit zum großen Teil schon erledigt. Hinter jedem Einsatz steckt harte Arbeit, hinter der Arbeit die langeÜbung. Am Wochenende führte die Fachdienstbereitschaft eine gleich dreitägige Fernmeldeübung auf dem Bückeberg durch. Ziel der Übung auf dem ehemaligen Militärgelände war es, den in den vergangenen zwei Jahren erlernten Einsatz von drahtgebundener Fernmeldetechnik über einen längerenZeitraum durchzuführen. Soll heißen: Der Fernsprechbau wurde geprobt, es wurden Kabel gelegt, um mit Ferntelefon und Vermittlungstelle ein funktionierendes Kommunikationsnetz aufzubauen. Das sei im Zeitalter der Handys noch keineswegs überholt, betont der Obernkirchener Andreas Bruns, seit einem Jahr Leiter der Fachdienstbereitschaft und damit Nachfolger von Dettmer: "Beim Zugunglück in Eschede etwa wollten alle mit dem Handy telefonieren. Da bricht das Netz dann zusammen." Aufgabe der Übungsteilnehmer war es, ein unabhängiges Fernsprechnetz auf dem Gelände zu errichten. Dazu waren mehrere Kilometer Kabel zu verlegen und Fernsprechstellen mit Feldtelefonen einzurichten und zu besetzen. Eine Fernsprechvermittlung übernimmt die Verbindung der einzelnen Teilnehmer untereinander und leitet Nachrichten von Telefon auf Sprechfunk und umgekehrt weiter. Bis zu 60 Kilometer kann das Netz groß sein, hat also einen Radius von 120 Kilometern. "Der Fernmeldebetrieb ist dabei auch in der Nacht zum Sonntag durchgelaufen", sagt Andreas Bruns. Die jeweils zwei bis maximal drei Helfer an einer Fernsprechstelle müssen selbst die ständige Besetzung ihres Postens sicherstellen, sich untereinander abwechseln und entsprechende Ruhezeiten einlegen. "Die Teilnehmer sollen üben, über einen längeren Zeitraum und unter Druck konzentriert zu arbeiten - ganz wie in einem Einsatzfall auch erforderlich", erklärt Bruns. Denn die Fachdienstbereitschaft komme ja nicht gegen 16 Uhr, baue auf und werfe um 20 Uhr den Grill an: "Der Einsatz kann auch über zwei, drei Tage gehen. Dafür müssen wir wissen, wer wie lange belastbar ist, wo jeder seine Einsatzgrenzen hat." Leichte Probleme gibt es mit dem Nachwuchs, erzählt Bruns, dabei habe das DRK in dieser Beziehung viel zu bieten: "Eine grundsolide Ausbildung und eine großartige Kameradschaft." Und Einsatzbereiche gibt es auch mehr als genug. Wenn eine Rampe gebaut werden muss, ist das für die Fachdienstbereitschaft überhaupt kein Thema: Akkuschrauber undBohrmaschine sind immer mit an Bord, ebenso genug Holz. Bruns: "Man weiß ja nie, was man beim Einsatz vorfindet." Die nächste Großübung wird dann im Herbst im Hameln stattfinden. Dort wird die Trinkwasseraufbereitung geübt. Ein komplexes Thema, findet Bruns, und daher eine eigene Übung wert. Möglicherweise kommt ja dort ein Landrat vorbei und spendiert ihnen ein Bier, den kleinen Wichteln im Hintergrund.

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