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Gutachter plädiert für Rückhaltung des Riesbachs / Zu teuer: Auetaler SPD sucht jetzt nach neuen Lösungen

Klein Holtensen: Hochwasserschutz verzögert sich

Klein Holtensen (maro). Eigentlich hätte mit der konkreten Planung für einen wirksamen Hochwasserschutz in Klein Holtensen längst begonnen werden können. Im Auftrag der Gemeindeverwaltung hatte Jürgen Rabe vom Ingenieurbüro Kirchner dem Bau- und Planungsausschuss zwei Alternativpläne für Rückhaltebecken an Altenhagener Bach und am Riesbach vorgestellt, mit denen aus seiner Sicht als Wasserbauspezialist die zentralen Hochwasserprobleme zwar nicht behoben, aber zumindest deutlich gemildert werden könnten. Das aber wollte die SPD im Ausschuss nicht glauben, vertagte die Entscheidung und will jetzt in der Fraktion nach weiteren Möglichkeiten suchen. Damit verzögert sich das Planungs- und Genehmigungsverfahren wenigsten bis zur übernächsten Bauausschusssitzung.

Links neben dem Riesbach könnte auf der Bultwiese die ein Hektar

Für die SPD hatte Hans-Jürgen Bethge deutlich gemacht: "Mich überzeugen beide Lösungsvorschläge nicht." Statt einem großen Regenrückhaltebecken will er jetzt gemeinsam mit Manfred Spenner (SPD) überprüfen, ob nicht mehrere kleine Bauvorhaben an den Zuflüssen beider Bäche mehr Wirkung erwarten lassen - und das für weniger Geld als die gut 120 000 Euro, die ein Rückhaltebecken kosten würden. Zusätzlich setzt Spenner auf eine Sanierung der hinterspülten Betonplatten, die kurz vor der Einmündung des Altenhagener Bachs in den Riesbach eine permanente Hochwassergefahr darstellen. Zwar hält auch Gutachter Rabe einen Austausch der Betonplatten durch Wasserbausteine für erforderlich. Dies aber unabhängig von flächendeckenden Hochwasserschutzkonzept. Von mehreren Kleinmaßnahmen hält der Fachmann gar nichts: "Die haben nicht die gleiche Wirkung wie ein Rückhaltebecken, sind insgesamt teurer und machen zeitaufwändige Genehmigungsverfahren erforderlich." Jürgen Rabe hatte darum seine Untersuchungen auf Rückhaltebecken konzentriert, die neben den beiden Bächen als so genannte Nebenstrombecken bis zu 8000 Kubikmeter Wasser aufnehmen könnten. Dabei würde die Rückhaltung des Altenhagener Bachs mit einer Fläche von 0,8 Hektar ein Wassereinzugsgebiet von etwa drei Quadratkilometer entlasten, während die Bultwiesen am Riesbach als Zwischenspeicher für eine Fläche von etwa fünf Quadratkilometer dienen könnte. Obwohl beide Varianten von ihrer Wirkung weitgehend vergleichbar sind, bevorzugt Rabe die Riesbachlösung wegen des größeren Einzugsgebiets. Außerdem müssten allerdings noch einige Bachdurchlässe vergrößert werden, um zusätzliche Rückstaugefahren zu mindern. Allerdings hält Rabe den Durchlass der Straßenbrücke bei Holz Brehe für groß genug, wenn er frei gehalten wird und das Hochwasser oberhalb der Brücke entsprechend kontrolliert wird. Mit den von Rabe vorgeschlagenen Schutzmaßnahmen ist Klein Holtensen jedoch nicht mit Sicherheit vor einem so genannten Jahrhunderthochwasser geschützt. Rein rechnerisch ist die Planung lediglich auf ein 20-Jahres-Ereignis ausgelegt. Damit wurden die Hinweise von Heini Brehe nicht berücksichtigt, der daran erinnert hatte, dass inzwischen "alle paar Jahre" ein Jahrhunderthochwasser stattfindet. Auf Anfrage von Torben Sven Schmidt (CDU) erklärte Verwaltungsvize Thomas Priemer dem Ausschuss: "Die Ausführungen von Herrn Brehe waren nicht sachdienlich." Jetzt wartet die Verwaltung die weiteren Entscheidungen des Bau- und Planungsausschusses ab, klärt die zu erwartenden Grunderwerbskosten und prüft, ob öffentliche Fördermitteln zu erwarten sind. Danach rechnet Priemer mit einer Planungs- und Genehmigungsdauer von wenigstens neun Monaten, so dass die Kosten für Klein Holtensens Hochwasserschutz frühestens im Haushaltsjahr 2007 berücksichtigt werden können.

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