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Kirche will sich endgültig von Jösten trennen

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Hameln (epd). Der evangelische Kirchenkreis Hameln-Pyrmont will sich endgültig und mit sofortiger Wirkung vom bereits suspendierten Chef der diakonischen Jugendwerkstatt Hameln, Klaus-Dieter Jösten, trennen. Durch eine Wirtschaftsprüfung habe sich der Verdacht auf Untreue ergeben, sagte Superintendent Philipp Meyer am Mittwoch nach einer Sondersitzung des Kirchenkreisvorstandes: „Die Basis für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Herrn Jösten ist nicht mehr gegeben.“

Bei den Vorwürfen geht es um eine Reihe von Gefälligkeitsgeschäften. Jugendliche aus der Werkstatt sollen Handwerksarbeiten für Bekannte zum erheblich vergünstigten Sonderpreis ausgeführt haben. Im Einzelnen geht es unter anderem um Renovierungen im Wohnhaus von Jöstens Lebensgefährtin und um Arbeiten für deren Chef.
Weiter soll Jösten den Partner seiner Nichte mit Wartungsarbeiten der Computer-Anlage beauftragt und dafür aus Sicht der Kirche zu viel Geld gezahlt haben. Zudem sei ein sechsstelliger Fehlbetrag nicht gemeldet worden. Superintendent Meyer wollte den Bericht „nicht bestätigen und nicht dementieren“. In der Jugendwerkstatt werden benachteiligte Jugendliche auf den Eintritt ins Berufsleben vorbereitet. Sie unterhält Abteilungen für Maler, Tischler, Fahrräder, Metall und Hauswirtschaft.
„Wir sind traurig über diese Entwicklung und werden nun mit ganzer Kraft versuchen, die Zukunft der Jugendwerkstatt sicherzustellen“, sagte Meyer. Der Kirchenkreisvorstand sei sich bewusst, dass Jösten hohes Ansehen genieße. „Mit seiner Gabe, Kontakte zu knüpfen und Menschen zu begeistern, hat er viel beigetragen zum Wachstum der Jugendwerkstatt.“
In der vergangenen Woche hatte der Kirchenkreis bereits einen neuen kommissarischen Leiter in der Jugendwerkstatt eingesetzt. Bernt Renzenbrink von der Organisation „Senior Consulting Service Diakonie“ (SCSD) soll die Einrichtung neu strukturieren.
Der 60-jährige Diakon Jösten war Anfang März von seinen Aufgaben entbunden worden. Er leitete die Jugendwerkstatt seit 22 Jahren. In dieser Zeit wuchs die Zahl der betreuten Jugendlichen von 20 auf 800. Für seine Verdienste um benachteiligte Jugendliche erhielt Jösten 2010 das Bundesverdienstkreuz. Hamelner Bürger hatten mit einem offenen Brief gegen seine Suspendierung protestiert. Die Einrichtung hatte in den vergangenen Jahren deutliche Defizite verbucht. 2009 waren es rund 270 000 Euro.

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