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Gemeinde befürchtet rechte Gegenaktion - und erteilt Konzertplänen eine Absage

Keine Genehmigung für Rock gegen Rechts im Bernser Gemeinschaftshaus

Auetal (crs). Rock gegen Rechts - eine gute Sache. Dachte sich Karsten Kiesow (29) aus Rolfshagen und machte sich daran, ein Rockkonzert für junge Leute zu organisieren. Ein friedlich- fröhlicher Abend im Dorfgemeinschaftshaus Bernsen sollte es werden; eine Jugend-Band aus Springe und zwei DJs aus der Region waren schnell bereit, Flagge zu zeigen gegen die Hakenkreuz-Schmierereien vom vergangenen Herbst. Rock gegen Rechts - "vom Gedankengut her eine gute Sache", sagt auch Auetals Ordnungsamtsleiter Andreas Kunde. Und trotzdem hat die Gemeinde dem geplanten Rockkonzert im Dorfgemeinschaftshaus Bernsen aus Sicherheitsgründen eine Absage erteilt.

"Das kann ichüberhaupt nicht nachvollziehen", ist Karsten Kiesow enttäuscht über die ablehnende Reaktion der Gemeinde Auetal, die das für vergangenen Sonnabend geplante Konzert unmöglich machte. Er befürchtet vorgeschobene Gründe: In dem von Bürgermeisterin Ursula Sapia unterzeichneten Brief heißt es nämlich auch, dass "eine Vermietung der Räumlichkeiten grundsätzlich nur an Einwohner des Ortsteiles Bernsen" vorgesehen sei. Aus seiner bald 15-jährigen Erfahrung als DJ weiß Kiesow aber, dass eine solche Praxis nicht der Realität entspricht: "Ich habe hier auch schon Musik gemacht für Leute, die nicht aus Bernsen kommen." Zweites Gegenargument der Gemeindeverwaltung: Die zu erwartenden Lärmimmissionen seien so gravierend, dass sie auch für Anwohner "erhebliche Belästigungen oder gesundheitliche Beeinträchtigungen" bedeuteten. "Die Räumlichkeiten an sich sind nicht geeignet für ein Rockkonzert", verweist Ordnungsamtsleiter Kunde auf die Lage mitten in einem Wohngebiet, bei einer Großveranstaltung würden außerdem die Parkplätze knapp. Für Kiesow zieht auch dieses Argument nicht: Zum Konzert erwartet wurden überwiegend Jugendliche ohne eigenes Auto - "und um 2 Uhr wäre ohnehin Schluss gewesen". Den eigentlichen Grund der Ablehnung vermutet Kiesow in dem Gegen-Rechts-Motto des Konzerts. In der schriftlichen Antwort der Gemeinde heißt es wörtlich: "Jedoch birgt die Ausrichtung einer Veranstaltung gegen rechtsradikale Schmierereien die Gefahr einer möglichen rechten Gegenaktion. Bei einer solchen Veranstaltung ist daher die Sicherheit und Gesundheit der Besucher der Veranstaltung, wie auch der angrenzenden Grundstückseigentümer, ohne Einbeziehung der zuständigen Polizeidienststellen in einem größeren Rahmen kaum zu gewährleisten." In diesem Zusammenhang wirft Sapia offen die Frage nach der "Verhältnismäßigkeit" eines solchen Einsatzes auf - und untersagt das Rockkonzert. Grundlage dieser Entscheidung war die Rücksprache mit der Polizeistation in Rehren, nicht aber auf Kommissariatsebene. Ebendiesen vorauseilenden Gehorsam seitens der Gemeindeverwaltung kritisiert Kiesow: "Ich hätte ja erst mal die grundsätzliche Genehmigung gebraucht, um mich um Sicherheit und Ordnung kümmern zu können." Und dabei hatte Kiesow eigenen Angaben zufolge mit der Jugendfeuerwehr und dem Heimatverein bereits im Vorfeld über ähnliche Fragen gesprochen. Immerhin: Den Gedanken, Flagge gegen rechtsradikale Taten zu zeigen, "möchte ich schon positiv beurteilen", schreibt Sapia an Kiesow. Und der hält gerade im Auetal ein Zeichen gegen Rechts für wichtig. Die Hakenkreuz-Schmierereien vom vergangenen Herbst hätten ihn nachdenklich gemacht, als "guter Bürger" habe er etwas dagegen tun wollen. Umso größer ist sein Frust jetzt: "Da will man einmal was machen - und dann darf man nicht." Dabei sollte die Veranstaltung sogar der Gemeinde zugute kommen: Denn den Reinerlös aus dem Eintrittsgeld von zwei Euro pro Person, den wollte Karsten Kiesow der Gemeinde spenden.

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